United Airlines kauft Überschalljets  - Von New York nach London in dreieinhalb Stunden
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United Airlines kauft Überschalljets Von New York nach London in dreieinhalb Stunden

Die US-Fluggesellschaft United Airlines wird ihre Zieldestinationen schon bald in der Hälfte der bisherigen Reisezeit erreichen können: Zur Flotte zählen künftig bis zu 50 Überschall-Passagierflugzeuge von Boom Supersonic.

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So soll die künftig für United Airlines im Einsatz stehende Overture aussehen.

So soll die künftig für United Airlines im Einsatz stehende Overture aussehen.

Foto: Boom Supersonic
Im Innern sollen zwischen 65 und 88 Passagiere Platz haben. 

Im Innern sollen zwischen 65 und 88 Passagiere Platz haben.

Foto: Boom Supersonic
Die Maschinen sollen vollständig mit nachhaltigem Treibstoff fliegen. 

Die Maschinen sollen vollständig mit nachhaltigem Treibstoff fliegen.

Foto: Boom Supersonic

Doppelt so schnell am Ziel seiner Wahl sein – das könnte für Passagiere von United Airlines bereits ab 2029 Wirklichkeit werden. Die US-Fluggesellschaft hat 15 Maschinen eines sich noch in Entwicklung befindenden Überschall-Passagierflugzeugs bestellt. United und der in der US-Stadt Denver ansässige Hersteller Boom Supersonic vereinbarten zudem eine Option über 35 weitere Flugzeuge vom Typ Overture, wie die Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Vor dem Kauf verlangt United die Umsetzung von «anspruchsvollen Sicherheits-, Betriebs- und Nachhaltigkeitsanforderungen». Die Overture soll unter anderem vollständig mit nachhaltigem Treibstoff fliegen. Damit wäre die Maschine das «voraussichtlich erste grosse Verkehrsflugzeug, das vom ersten Tag an kohlenstofffrei ist», lässt die Fluggesellschaft verlauten. Mit der United-Bestellung liege jetzt erst mal eine Bestellung für CO2-neutrale Überschallflugzeuge vor, erklärte Boom-Supersonic-Chef Blake Scholl. «United und Boom teilen ein gemeinsames Ziel: die Welt sicher und nachhaltig zu verbinden.» Ausserdem soll das Lärmproblem angegangen werden.

Die Boom Overture mit einer Höchstgeschwindigkeit von 1,7 Mach soll ab 2025 fertig gebaut sein, ab 2026 erstmals fliegen und ab 2029 zwischen 65 und 88 Personen befördern. Die der Concorde ähnliche Maschine soll zudem doppelt so schnell fliegen wie die derzeit schnellsten Linienmaschinen. Sie könnte laut United das neben New York liegende Newark in dreieinhalb Stunden mit London und in vier Stunden mit Frankfurt am Main verbinden. Der Flug von San Francisco an der US-Westküste in die japanische Hauptstadt Tokio soll sechs Stunden dauern.

Der Deal ist ein Segen für Boom Supersonic. So sprangen laut einem Bericht von «Aerotelegraph» nach einst 75 vorbestellten Maschinen mehrere Interessenten wieder ab. Übrig blieben Japan Airlines mit Interesse an 20 Overture-Jets und Virgin Galactic mit zehn.

Das bekannteste Überschall-Passagierflugzeug war bis jetzt die Concorde. Das französisch-britische Prestigeflugzeug war mit doppelter Schallgeschwindigkeit – Mach 2 – unterwegs, wegen des enormen Treibstoffverbrauchs aber nicht rentabel. Der Absturz einer Concorde in Paris am 25. Juli 2000 mit 113 Toten leitete das Ende des Überschallfliegers ein. Der Betrieb wurde 2003 eingestellt.

Gescheiterte Concorde-Konkurrenz aus Russland

Im Kalten Krieg wollte die damalige UdSSR einen Concorde-Konkurrenten lancieren, der ebenfalls ein tragisches Ende fand. Am 31. Dezember 1968 hob das Überschall-Transportflugzeug in der Nähe von Moskau zum ersten Mal ab – zwei Monate bevor das westliche Konkurrenzprodukt Concorde erstmals startete.

Doch der Triumph währte nicht lange. Am 3. Juni 1973 präsentierte die UdSSR ihren Überschallflieger an der Luftfahrtmesse von Le Bourget bei Paris. Doch der Flug nahm kein glückliches Ende. Während die Tu-144 den Flughafen überflog, sackte sie plötzlich ab. Der Pilot versuchte, Gegensteuer zu geben, und zog die Maschine hoch. Doch die «Konkordksi», wie die Maschine im Westen scherzhaft auch genannt wurde, zerbrach, ging in Flammen auf und stürzte auf ein Dorf in der Nähe. Die sechs Besatzungsmitglieder und acht Menschen am Boden starben. Wie so vieles aus der Zeit des Kalten Krieges bleiben auch bei diesem Ereignis viele Fragen offen. Weshalb die Maschine abstürzte, ist bis heute unklar.

Dennoch wurde die Tu-144 im Linienverkehr eingesetzt. Ab 1975 transportierte sie Post zwischen Moskau und Almaty, ab Dezember wurden auf der gleichen Strecke auch Passagiere transportiert. Doch im Mai 1978 kam es auf einem Frachtflug zu einem Brand in einem Tank. Die Crew musste notlanden und kam dabei ums Leben. Kurze Zeit später wurde der Betrieb eingestellt – nach nur 102 Flügen, davon 55 mit Passagieren.

(AFP/chk)

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