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«Time-Out»Von nun an behüte Gott die HCD-Gegner

Niemand kann diesen HCD stoppen, wenn Joe Thornton und Rick Nash stürmen. 9:2 gegen die Lakers, drei Tore durch Nash, vier Assists für Thornton.

von
Klaus Zaugg
Mit Joe Thornton wird der HCD schwer zu bezwingen sein.

Mit Joe Thornton wird der HCD schwer zu bezwingen sein.

Nichts deutet vor dem Spiel darauf hin, dass wir diesen Abend nicht vergessen werden. Die hölzerne Hockey-Kathedrale ist nicht ausverkauft (4884 Zuschauer sind gekommen) und ums Stadion herum ist die Stimmung nicht anders als vor jedem anderen gewöhnlichen Qualifikationsspiel. In Davos tragen die Fans Spielerdresses mit den Namen Joe Thornton und Rick Nash seit 2004.

Joe Thornton (33) und Rick Nash (28) werden vom Stadionsprecher in ihrer englischen Muttersprache willkommen geheissen. Aber vor dem Spiel gibt es keine Show, die mit jener in der PostFinance Arena in Bern auch nur annähernd vergleichbar wäre. In Davos findet das Spektakel nicht neben, sondern auf dem Eis statt.

1:4 am Freitag in Kloten, 9:2 am Samstag gegen die Lakers: Die Differenz machen in erster Linie Joe Thornton und Rick Nash. Der HCD hatte nur noch zwei einsatzfähige Ausländer (Marha, Taticek) Hätten Thornton und Nash nicht spielen können, dann wären wohl Sven Ryser und Jan Neuenschwander zum Einsatz gekommen. Es macht einen Unterschied, ob Ryser und Neuenschwander oder Nash und Thornton spielen.

Thornton und Nash keine Feriengäste

Rick Nash buchte die ersten drei Treffer. Joe Thornton assistierte zu den Treffern Nummer eins, zwei, drei und fünf. Die beiden Kanadier spielten schon während des ersten Lockouts 2004/05 für den HC Davos. Aber es sind nicht mehr die gleichen Spieler wie damals. Sie sind bereits in ihrem ersten Spiel besser als sie im Frühjahr 2005 am Schluss der Saison waren. Und damals steuerte Thornton in den Playoffs in 14 Spielen 24 Punkte bei und Nash 26 Zähler in 15 Partien. Bei der WM 2005 in Wien wurde Thornton WM-Topskorer und Nash WM-Torschützenkönig.

NHL-Superstars in Europa sind längst Alltag. Aber die Situation in Davos ist einmalig. Ja, Arno Del Curto beschert dem unserem Eishockey eine Situation, die wir wahrscheinlich in den nächsten hundert Jahren nie mehr haben werden: Wir haben das Glück, mit Thornton und Nash zwei NHL-Stars zu erleben, die keine Feriengäste sind. Die sich vielmehr ins Team und ins soziale Umfeld integriert haben und mit der genau gleichen Ernsthaftigkeit bei der Sache sind wie in der NHL.

Einerseits ist es eine Eigenschaft grosser Spieler, dass sie immer mit Leib und Seele bei der Sache sind und andererseits respektierten, ja verehren Thornton und Nash HCD-Trainer Arno Del Curto wie einen NHL-Bandengeneral. «Wir hätten nie gedacht, dass wir noch einmal hier spielen können. Aber nun ist es so. Für uns war immer klar: Entweder spielen wir in der NHL oder beim HCD. Etwas anderes kommt gar nicht in Frage. Davos ist für mich eine zweite Heimat, ich verbringe jeden Sommer mit meiner Familie Zeit in Davos und trainiere mit dem HCD.» Und bestätigt, dass er sogar befürchtet hatte, Arno Del Curto könnte andere Spieler holen.

Joe Thornton gilt als einer der besten und wehrhaftesten Spielmacher der Welt. Mit feinen Händen und einer Spielintelligenz, die nahe an jene von Wayne Gretzky herankommt. Dazu ist er fast nicht von der Scheibe zu trennen und hat eine enorme Reichweiter. Als er im Herbst 2004 zum ersten Mal nach Davos kam, wusste er noch nicht, was ihn erwartet und er brauchte mehrere Monate, bis er sein Spiel gefunden hatte. Zwischendurch hatte Arno Del Curto Thornton und Nash mit Heimreise gedroht.

«Die Eishockey-Antwort auf Messi»

Jetzt ist Joe Thornton in eine Mannschaft und in eine Eishockeykultur zurückgekehrt, die er längst kennen und respektieren gelernt hat. Er kam gegen die Lakers aufs Eis und war sofort im Spiel. Und da war noch etwas: Er arbeitete auch engagiert in der Defensive. Ein Dollar-Multimillionär und NHL-Superstar, der sich nicht zu schade ist, gegen die Lakers (!) hinten auszuhelfen – das zeigt die Klasse dieses Spielers besser als jede Statistik.

Rick Nash ist ein anderer Spieler als 2004. Er hat sich inzwischen zu einem der besten «Sniper» der Welt entwickelt. Ein teuflisch antrittsschneller und beweglicher Riese (193 cm/100 kg) und einer der zielsichersten Schützen: Davis Aebischer, immerhin Stanely Cup-Sieger, war gegen die ersten drei Treffer machtlos. Nach zwei Dritteln liess er sich dann auswechseln. «Nash ist für mich die Eishockey-Antwort auf Messi» schwärmt Arno Del Curto.

Der Eintritt von Joe Thornton und Rick Nash hat den HCD wieder stabilisiert. Die Balance stimmt wieder. Die drei Niederlagen in den ersten drei Partien (2:3 n.P. und 1:4 Kloten, 2:3 n.V. Lakers) hatten zwar keine Krise ausgelöst. Aber immerhin war Arno Del Curto nach dem 1:4 in Kloten ausgeflippt. Nicht nach dem Spiel, nicht bei der Heimfahrt. «Da sagte ich noch nichts.» Aber dann vor dem Spiel gegen die Lakers. «Ja, da bin ich ausgeflippt. Ich war enttäuscht. Nicht in erster Linie wegen der Niederlage. Aber wegen der Art und Weise wie wir verloren haben. Wir haben nicht hart genug gearbeitet.»

Nur der SCB kann dem HCD gefährlich werden

Ohne Joe Thornton und Rick Nash war der HCD wie ein Formel 1-Bolide mit drei Rädern. Jetzt sind wieder alle vier Räder dran. Mit Joe Thornton und Rick Nash ist jeder ein bisschen schneller, grösser, schwerer, frecher, selbstsicherer geworden. Die Mannschaft wirkte wie verwandelt. Das alles verheisst nichts Gutes für die Gegner. Natürlich wird der HCD auch mit Joe Thornton und Rick Nash bei weitem nicht jedes Spiel gewinnen. Aber wenn es wirklich drauf ankommt, wird der HCD unschlagbar sein.

Die einzige Mannschaft, die von der Besetzung her dem HCD gefährlich werden kann, ist ein gut trainierter und gecoachter SC Bern. Die Konkurrenz kann zwar auch NHL-Stars holen. Aber nicht so gut integrieren wie Arno Del Curto. Von nun an behüte Gott die HCD Gegner – oder er möge wenigstens dafür sorgen, dass die NHL-Saison so schnell wie möglich beginnt.

Das Schlusswort zum rauschenden Hockeyfest gegen die Lakers überlassen wir Rick Nash: «It was a pretty good start…»

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