«Von Pressefreiheit keine Spur»
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«Von Pressefreiheit keine Spur»

Auf der Frankfurter Buchmesse berichteten Journalisten in den betroffenen Ländern über ihre Erfahrungen. Sie klagten über Schikanen, die Schliessung kritischer Medien, Verhaftungen und sogar Tötungen von Arbeitskollegen.

«Die Machthaber in den arabischen Staaten unterdrücken die Pressefreiheit systematisch», sagte Sat1-Moderatorin Astrid Frohloff vom Vorstand der Reporter ohne Grenzen. Zurzeit seien acht Journalisten in arabischen Ländern inhaftiert. Allein 2004 seien 14 Medien, darunter Tages- und Wochenzeitungen, Fernsehbüros und Internet-Portale geschlossen worden. Allein im Irak kamen nach einer Übersicht der Organisation in diesem Jahr 14 Journalisten und zwölf sonstige Medienmitarbeiter ums Leben, zwölf weitere wurden entführt; auch im Gazastreifen wurde ein Journalist erschossen.

Am kritischsten sei die Bedrohung der Pressefreiheit in Algerien, wo vor und nach der Wahl von Präsident Abdelaziz Bouteflika kritische Stimmen immer mehr unter Druck geraten seien. Vier Journalisten sitzen dort den Angaben zufolge hinter Gittern. Nach kritischen Berichten rund um die Wahl hätten die unabhängigen Tageszeitungen «Le Matin», «Le Nouvel Algerie Actualite» und «El Djarida» ihr Erscheinen einstellen müssen. Dabei hätten sich die Staatsorgane eines Tricks bedient: Den Zeitungen seien von den staatlichen Druckereien derart überhöhte Preise in Rechnung gestellt worden, dass sie nicht überleben konnten. Schliesslich sei der Chefredakteur von «Le Matin», Mohamed Benchicou, zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Auch in Tunesien, Marokko, Syrien, Libyen oder Saudi-Arabien würden Journalistinnen und Journalisten durch die vielfältigen Mechanismen der Zensur zum Schweigen gebracht. Wie der in Kairo tätige Korrespondent Karim El-Gawhary berichtete, werden auch in Ägypten die Artikel einheimischer Journalisten zensiert, während ausländische Korrespondenten kaum an Informationen kommen.

Der Nahostexperte der Deutschen Welle, Peter Philipp, wies darauf hin, dass die Sendungen ausländischer Rundfunkstationen, das Internet und die grenzüberschreitenden Fernsehsender Al Dschasira und Al Arabija zunehmend als Alternative zu den gleichgeschalteten Staatsmedien genutzt werden. Dadurch kämen auch die einheimischen Medien unter Druck.

Frohloff appellierte an die Krieg führenden Parteien im Irak und den anderen Ländern, die Genfer Konvention einzuhalten und Journalisten als Zivilpersonen anzuerkennen. Sie erinnerte daran, dass immer noch zwei französische Korrespondenten im Irak entführt sind. (dapd)

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