Aktualisiert 23.09.2011 12:46

Reden bei der UNOVon Schuhen, Diktatoren und dem Teufel

Wenn die UNO zur Vollversamlung ruft, kommen die Mächtigen dieser Welt. Von Chruschtschow bis Gaddafi: Die Reden an der UNO-Vollversammlung sorgten nicht selten für Aufruhr.

von
Adrian Eng

Mit Spannung wird die Entscheidung über die Aufnahme Palästinas in die UNO erwartet. Präsident Mahmud Abbas wird vor die UNO-Vollversammlung treten und nach seiner Rede das Beitrittsgesuch einreichen. Es ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Nahost-Konfliktes und der UNO.

Die UNO-Vollversammlung war bereits zahlreiche Male Schauplatz von historischen Reden. Angefangen mit der Auseinandersetzung 1960 zwischen dem Führer der UdSSR Nikita Chruschtschow und dem Vertreter der Philippinen. Chruschtschow war derart erbost über den Philippiner, der sagte, dass die Sowjetunion den Menschen in Osteuropa ihre politischen und bürgerlichen Rechte geraubt habe, dass Chruschtschow seinen rechten Schuh auszog, aufstand und ihn drohend in Richtung der philippinischen Delegation schwang. Dann hämmerte er damit auf den Tisch.

Chruschtschow 1960

Vier Jahre später trat auch der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro ans Rednerpult. Inhaltlich gab sich der Máximo Lider, abgesehen von den verbalen Attacken auf die USA, relativ zahm. Vielmehr beeindruckte er mit der Länge seiner Rede. Satte viereinhalb Stunden redete Castro. Gut in Erinnerung geblieben ist hingegen die Rede seines Mitstreiters Che Guevara. Er prophezeite eine unaufhaltsame Welle des Sozialismus.

Che Guevara 1964

Tragisches Ende für Allende

Vor allem im Nachhinein betrachtet ist der Auftritt eines weiteren Linken Südamerikas bemerkenswert. Salvador Allende, gewählter Präsident Chiles, mahnte 1972 vor der Macht der multinationalen Unternehmen, die ohne Menschlichkeit agieren würden. Ein Jahr nach diesen Worten, am 11. September 1973, starb er beim Putsch durch General Pinochet. Pinochet war von den USA und diversen US-Unternehmen unterstützt worden.

Allende 1972

Einen denkwürdigen Auftritt hatte PLO-Führer Jassir Arafat 1974. Der von den Israelis als der schlimmste Terrorist der Welt bezeichnete Palästinenser erhielt von der UNO die Möglichkeit, sich zu erklären. Er wetterte gegen den Zionismus und die Teilung Palästinas. Das Wort Israel nahm er nicht in den Mund.

Arafats Rede 1974

Chávez und der Teufel

Weitere markige Worte folgten im neuen Jahrtausend. 2006 sorgte Hugo Chávez für ein Raunen in den Rängen der UNO-Vollversammlung. Er nannte US-Präsident George W. Bush «einen Teufel», der meine, die Welt gehöre ihm. Es rieche immer noch nach Schwefel, sagte Chávez in Andeutung auf seinen Vorredner.

Chávez 2006

Ins selbe Horn blies der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in den folgenden Jahren. Er unterstellte den USA immer wieder Imperialismus und «organisierte Invasion» und Gewaltmissbrauch. Damit vertrieb er die amerikanischen Delegationen jeweils aus dem Saal.

Ahmadinedschad 2008

George W. Bush hielt 2006 dagegen, als er Kuba ein Ende der «langen und schrecklichen Diktatur» durch Fidel Castro prophezeite. Er verlangte freie Wahlen und Demokratie auf der Karibikinsel. Die kubanische Delegation war entrüstet und verliess den Saal noch während der Rede.

Bush 2008

Gaddafi referierte

Für Stirnrunzeln sorgte 2009 der damals noch herrschende libysche Diktator Muammar Gaddafi. In einer langen Rede referierte er über viele Themen der Weltgeschichte – vom Kennedy-Attentat bis 9/11 – und zerriss schliesslich die UNO-Charta.

Gaddafi 2009

Der Auftritt fand in der Schweiz besondere Aufmerksamkeit, die Eidgenossenschaft befand sich mitten im Clinch um die Schweizer Geiseln des Wüstendespoten. Im Anschluss schüttelte Bundesrat Hans-Rudolf Merz lachend die Hand Gaddafis, wofür er harsche Kritik einstecken musste.

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