Gansabhauet: «Von wegen Ritual – wollen wir auch wieder Hexen verbrennen?»

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Gansabhauet«Von wegen Ritual – wollen wir auch wieder Hexen verbrennen?»

Einer toten Gans wird mit einem stumpfen Säbel der Hals durchtrennt – ein Ritual, das Tierethiker kritisieren. Damit sind sie nicht alleine, wie unsere Community zeigt. Trotzdem wollen viele an dem Brauch festhalten.

von
Deborah Gonzalez
20min/L. Hausendorf/noh

Darum gehts

  • Jährlich findet am 11. November in Sursee die sogenannte Gansabhauet statt – eine Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht.

  • Dabei wird mit einem stumpfen Säbel der Hals einer toten aufgehängten Gans durchtrennt – vor Publikum. 

  • Tierschützer wehren sich seit Jahren gegen diese Tradition und berufen sich dabei auf das Tierschutzgesetz.

  • 20-Minuten-Leser und -Leserinnen sind sich uneinig. Während die einen von «würdelos» und «veraltet» reden, stehen die anderen fest hinter diesem Brauch.

Tausende jubeln jährlich am 11. November in Sursee lauthals, wenn einer bereits toten Gans der Hals abgetrennt wird. Es handelt sich hierbei nicht etwa um eine Veranstaltung einer Metzgerei, sondern um ein Ritual, das bis ins 18. Jahrhundert zurückzuführen ist: die Gansabhauet. Tierschützer wehren sich seit Jahren dagegen. Auch einige Leser und Leserinnen der Community finden keine lobenden Worte für diesen Brauch. Die Mehrheit steht jedoch dahinter und nimmt diese Tradition in Schutz:

«Das Ritual dient zur Ehrung des Tieres»

Leser Albert.anker regt sich auf: «Das ist einfach daneben! Ein uralter Brauch soll nun plötzlich falsch sein?» Arhus geht es ähnlich: «Dieses ewige Nörgeln irgendwelcher Ethiker oder Experten ist daneben und nervig. Das ist ein alter Brauch und mehr nicht. Man kann sich nun mal über alles aufregen.»

WiesoWeshalbWarum schreibt: «Wenn die Gans lebendig wäre, wäre diese Diskussion meines Erachtens vollkommen gerechtfertigt. Nun ist das Tier jedoch bereits tot.» Und weiter: «Ausserdem dient dies zur Ehrung des Tieres und als Dank gegenüber dem Tier – es wird also mehr respektiert als so mancher Gegner dieser Tradition.»

«Das ist Teil unserer Geschichte»

Chezbobo versteht die Kritik nicht: «Das ist eine tote Gans. So what?» Genauso geht es assius11: «Tierschutz ja, aber die Gans ist doch schon tot, bevor die Zeremonie beginnt?» Der O-Ton der Kommentierenden ist klar: «Das sind gelebte Bräuche. Leben und leben lassen», schreibt Odermatt1.

Auch Baracuda007 meint: «Das ist eine uralte Tradition, und ich sehe da keine Verletzung des Totenfriedens.» So denkt auch Cla1: «Es werden momentan so viele Traditionen hinterfragt. Der Ursprung ist bekannt und erinnert daran, dass früher Essen an die Menschen verteilt wurde. Darum bin ich dafür, dies weiterleben zu lassen. Es ist Teil unserer Geschichte.»

«Eine schöne Tradition»

Einigen Lesern und Leserinnen der Community geht es vor allem darum, dass es immer wieder Kritik an verschiedenen Traditionen gebe. So schreibt blaubarschbube: «Eine so schöne Tradition und ihr wollt alles kaputt machen.» Dasselbe denkt pitt52: «Und schon wieder eine Tradition, die weichen muss. Was bleibt noch übrig?» Er beantwortet seine Frage sogleich selbst: «Frustration!»

Sollte man an dem Brauch festhalten?

«Würdelos und verächtlich»

Doch die Tradition hat auch ihre Gegner und Gegnerinnen unter der 20-Minuten-Community. Tillimdone fragt direkt: «Kann mir jemand sagen wofür dieses <Ritual> spricht ausser für <es ist Tradition und wir mögen keine Veränderungen>?» Weiter schreibt der User, dass es genügend Argumente gebe, die dagegen sprechen würden.

Und: «Wir sind im 21. Jahrhundert und möchten noch Rituale durchführen, die einfach nur noch fragwürdig sind. Wollen wir auch wieder Hexen verbrennen? War schliesslich auch eine Tradition …» Greentouch geht noch weiter und schreibt: «Die Gans wird verschwinden. Auch wenn Ewig-Gestrige noch an ihr hängen.» Uijk hat auch eine klare Meinung zu dem Brauch: «Es ist würdelos und verächtlich, Punkt.»

«Auch ein totes Tier hat eine Würde»

Talion findet die Tradition veraltet und schreibt: «Es scheint, als sei das den moralischen Werten, den Tieren gegenüber, falsch. Könnte man auch modernisieren.» Whitebluewhite erklärt: «Jedes Brauchtum wurde irgendwann <erfunden>, abgeleitet und dann ritualisiert. Deshalb ist es richtig, dieses zu hinterfragen, anzupassen oder auch darauf zu verzichten. Die Vorstellungen sind heute nicht mehr dieselben wie damals.»

Chenoia findet Gansabhauet «schrecklich»: «Auch ein totes Tier hat eine Würde.» Masquerade schreibt: «Wenn gewisse Leute solches brauchen, können sie doch auch eine Stoff- oder Plüschgans aufhängen. Primitiver Anlass, wie ich finde.»

«Der Brauch ist nicht zeitgemäss»

Einige Leser finden diese Tradition nicht zeitgemäss. So auch stony70: «Überholt, diese Sache – nichts gegen Traditionen, aber das ist definitiv vorbei.» Hexli79 schreibt: «Absolut in der heutigen Zeit daneben. Tradition hin oder her, so was geht gar nicht. Wir können nicht solche Traditionen aus dem Mittelalter noch fortführen.» Auch Torino steht nicht hinter der Tradition: «Als Ur-Soorserin muss ich sagen, der Brauch ist in dieser Form absolut nicht mehr zeitgemäss und gehört in der Ausführung dringend überdacht. Traditionen kann man auch modern leben.»

«Ein bisschen Fortschritt darf auch bei alten Bräuchen sein»

Doch nicht alle Leser belassen es bei ihrer Meinung. Manche bringen Vorschläge, wie man Tradition und Tierschutz in diesem Fall vereinen könnte. Hato45 etwa schreibt: «Das ginge genauso gut mit Gummi-Gänsen. Ein bisschen Fortschritt darf auch bei alten Bräuchen sein, oder nicht?»

Auch Kalea_k findet die Tradition nicht so schlimm, wie sie schreibt: «Wäre das Tier noch lebendig, würde ich genauso laut aufschreien wie alle anderen auch. Da es jedoch bereits tot ist und nur noch die Hülle übrig ist, finde ich es nicht mehr ganz so schlimm.» Auch sie hat einen Vorschlag: «Wie wäre es, wenn die Tradition, das Ritual und der Brauch bleiben, man aber anstelle eines richtigen Tieres ein Imitat nimmt – aus Pappe, Plüsch oder so?»  

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