«Werden diese Feiglinge jagen»: Von «Colonel007» bis zur Immobilienmaklerin – das sind die verhafteten Capitol-Stürmer
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«Werden diese Feiglinge jagen»Von «Colonel007» bis zur Immobilienmaklerin – das sind die verhafteten Capitol-Stürmer

Nachdem Trump-Anhänger die Polizei überrannten und das Capitol in Washington stürmten, werden sie nach und nach im ganzen Land verhaftet. Gerichtsdokumente zeigen, was sie wollten.

von
Ann Guenter
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In Virginia verhaftet: Robert Keith Packer. Er stürmte das Capitol mit einem «Camp Auschwitz»-T-Shirt. 

In Virginia verhaftet: Robert Keith Packer. Er stürmte das Capitol mit einem «Camp Auschwitz»-T-Shirt.

via REUTERS
Er wird unter anderem wegen Hausfriedensbruchs unter Gewalt und Diebstahls öffentlichen Besitzes angeklagt. Bei einer Verurteilung droht ihm ein Jahr Haft in einem Bundesgefängnis. 

Er wird unter anderem wegen Hausfriedensbruchs unter Gewalt und Diebstahls öffentlichen Besitzes angeklagt. Bei einer Verurteilung droht ihm ein Jahr Haft in einem Bundesgefängnis.

ZVG
Verhaftet wurde auch der Mann, der sich am Pult der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, bequem machte.-

Verhaftet wurde auch der Mann, der sich am Pult der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, bequem machte.-

AFP

Über 80 Personen werden im Zusammenhang mit der Gewalt am und im Kongressgebäude in Washington beschuldigt. Nach Angaben der Staatsanwälte werden in einigen Fällen auch schwerwiegende Tatvorwürfe erwogen. Nach Angaben der Staatsanwälte werden in einigen Fällen auch schwerwiegende Tatvorwürfe erwogen.

Gerichtsdokumente machen eines deutlich: Die Situation an jenem Tag wäre noch mehr ausser Kontrolle geraten, wäre es nach den Trump-Anhängern gegangen. «Sie hätten Vizepräsident Mike Pence umgebracht, hätten sie dazu die Gelegenheit gehabt», wird einer der Beteiligten in einem Polizeibericht zitiert. Dem Mann mit Verbindungen zu den rechtsextremen Proud Boys wird jetzt unter anderem Verhinderung eines offiziellen Aktes vorgeworfen, was in den USA allein schon 20 Jahre Haft nach sich ziehen kann.

Im Fall eines früheren Mitglieds der US-Luftwaffe schlossen Staatsanwälte die Absicht eines schweren Verbrechens anhand von Indizien nicht aus. Eric Gavelekel Munchel habe beim Angriff auf das Kapitol Kabelbinder dabei gehabt, «um Geiseln zu nehmen».

Sie hätten Vizepräsident Pence umgebracht»

Auch der so genannte Q-Anon-Schamane, Jacob Anthony Chansley, scheint nicht einfach ein harmloser Freak zu sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe an jenem Tag im Capitol «Politiker gefangen nehmen und töten wollen». Eine Botschaft, «Gerechtigkeit wird kommen, es ist nur eine Frage der Zeit», hatte er für Vizepräsident Mike Pence hinterlegt, was ebenfalls als Drohung verstanden wird. Der 33-Jährige ist in sechs Punkten angeklagt, darunter Behinderung des Kongresses, Widerstand gegen die Polizei und Drohung gegen Politiker. Würde er in allen Punkten verurteilt, müsste er für 46 Jahre hinter Gitter. Allerdings schränkte Bundesanwalt Michael Sherwin, der Kopf der Untersuchung des Capitol-Sturms, ein: Einen «direkten» Beweis für die beschriebenen Absichten im Fall Chansley gebe es bislang nicht.

Chansley hatte sich nach den gewaltsamen Krawallen vergangenen Samstag dem FBI in Phoenix, Arizona. gestellt. Vor dem Sturm von Anhängern Trumps auf den Kongresssitz war der selbst erklärte «Schamane» oft bei Kundgebungen des scheidenden Präsidenten gesichtet worden und gilt als prominentes Gesicht der QAnon-Verschwörungsbewegung.

«Colonel007»

Ein Mann aus Dallas, Texas, wurde ebenfalls verhaftet. Troy Anthony Smocks (58) drohte online nach dem Capitol-Sturm, am 19. Januar, einen Tag vor der Amtsvereidigung des neuen Präsidenten, mit Waffen wieder nach Washington zu kommen – «mit so vielen anderen, dass keine Armee uns standhalten kann.» Das berichtet die «Washington Post».

Er sei am 5. Januar nach Washington gereist und habe auf der mittlerweile geschlossenen Plattform Parler unter «Colonel007» geschrieben: «Wir werden diese Feiglinge jagen wie die Verräter, die sie sind.»

Wir wollten nicht das Gebäude, sondern sie»

Weiter schrieb er: «Wir haben jetzt grünes Licht. Alle, die sich uns widersetzen, sind Feinde unserer Verfassung und müssen auch als solche behandelt werden. Heute sind die Feiglinge gerannt, als wir das Capitol einnahmen. – Aber wir wollten nicht das Gebäude – sondern sie». Smocks habe den Post kopiert und auf anderen Social-Media-Plattformen geteilt. Er sei um die 54’000 Mal gelesen worden, heisst es in einem Polizeibericht.

Die Immobilienmaklerin

Angeklagt ist auch Jennifer Leigh Ryan, die am Freitag in Texas festgenommen wurde. Gerichtsdokumenten zufolge postete sie aus Washington noch vor der Rede Trumps ein Video auf Facebook mit den Worten: «Wir gehen jetzt runter und stürmen das Capitol. Deshalb sind wir gekommen und deshalb tun wir das. Wünscht mir Glück!».

«Leben oder Tod, es ist egal»

Später filmte Ryan sich beim Betreten des Kongressgebäudes: «Leben oder Tod, es ist egal. Los gehts.» Dann drehte sie die Kamera zu sich: «Ihr alle wisst, wen ihr als Immobilienmaklerin braucht: Jenna Ryan ist eure Maklerin!» Ryan war nach eigenen Angaben mit einem Privatjet nach Washington geflogen (siehe Bildstrecke). Dies, «weil unser Präsident uns darum gebeten hat, zu kommen.»

Die Mitläufer

Einige der verhafteten Capitol-Stürmer erzählten dem FBI, dass sie nach Washington gekommen seien «wegen all der verrückten Dinge, die wir in den sozialen Medien sahen.» Als dann Präsident Trump in seiner Rede «etwas sagte wie ‹Pennsylvania Avenue einnehmen›, seien sie Richtung Capitol marschiert.

Das FBI hat die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, ob Teilnehmer des Kapitol-Sturms tatsächlich planten, Mitglieder des Kongresses zu entführen und als Geiseln zu nehmen.

Deine Meinung

44 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Frank Reich

17.01.2021, 07:25

Wird DT diese Typen noch begnadigen? Oder wird er - um seinen eigenen A. zu retten - seine treuesten (und fanatisten) Anhänger mit einem zynischem "wir lieben euch" einfach im Stich lassen?!

Rorty

17.01.2021, 03:54

Ich sehe in den Kommentaren im Grossen und Ganzen zwei Parteien: Dafür oder dagegen. Das Dritte, meine Lieben, wäre wahr.

Winston Smith

16.01.2021, 13:22

Wer sich nicht für die Meinungsfreiheit anders Denkender einsetzt ist nicht tolerant, sondern authoritär und naiv. Personen mundtot zu machen ist absolut despektierlich und überhaupt nicht demokratisch. Zwei plus zwei gibt immer noch vier.