Globus-Übergabe: Vor 297 Jahren geraubt - jetzt «zurückgegeben»

Aktualisiert

Globus-ÜbergabeVor 297 Jahren geraubt - jetzt «zurückgegeben»

Der vor 297 Jahren von Zürcher Truppen geraubte Erd- und Himmelsglobus des Klosters St. Gallen ist zurückgekehrt: Eine originalgetreue, farbenprächtige Kopie des antiken Prunkstücks wurde gestern im Beisein von Bundesrat Pascal Couchepin in St. Gallen feierlich übergeben.

Er hoffe, dass der Globus zu einem Symbol für die Freundschaft zwischen Zürich und St. Gallen werde, sagte Couchepin, der im langwierigen «Kulturgüterstreit» vermittelt hatte. Er lobte die Kompromissbereitschaft beider Parteien. Den Globus würdigte Couchepin als «Meisterwerk».

Lauter Gewinner

Zufrieden zeigten sich auch die St. Galler Regierungsrätin Kathrin Hilber und ihr Zürcher Amtskollege Markus Notter. Sie sprachen von einer «Win-Win-Situation» und einem Musterbeispiel kreativer Konfliktlösung. «St. Gallen hat etwas gewonnen, Zürich hat nichts verloren», meinte Notter.

Im Musiksaal des Stiftsbezirks wurde die 233 Zentimeter grosse Kopie des Erd- und Himmelsglobus bestaunt. Laut Fachleuten handelt es sich um eine «Replik»: Der Globus wurde so nachgebildet, wie das Original vor 400 Jahren ursprünglich ausgesehen haben dürfte. Die Kopie ist im Gegensatz zum Original von leuchtender Farbenpracht und «viel schöner als das Original», wie Notter fand.

7000 Arbeitsstunden

In rund 7000 Arbeitsstunden hatte ein Team aus 50 Restauratoren, Handwerkern, Wissenschaftlern und Künstlern im Staatsarchiv in Zürich das aus dem 16. Jahrhundert stammende Original detailgetreu nachgebaut, bemalt und beschriftet. Das Projekt kostete Zürich 860 000 Franken.

Im Toggenburger Krieg von 1712 hatten Zürcher Truppen die gesamte Bibliothek und den Globus aus dem Kloster St. Gallen geraubt. Die Beute wurde später zurückgegeben - ausser einem Teil der Handschriften und dem Globus. 1996 forderten der Kanton St. Gallen und die Katholische Kirche die Kulturgüter zurück.

Schlichtung mit Hilfe des Bundes

Zürich lehnte dies ab. Es entbrannte ein Streit, der erst 2006 unter Vermittlung des Bundes beigelegt werden konnte. St. Gallen erhielt 40 aus der Kriegsbeute stammenden Handschriften zurück. Zürich behielt den Original-Globus und liess für St. Gallen eine Kopie anfertigen.

Diese wird nun im Stiftsbezirk bis zum 13. September in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Die Stiftsbibliothek, das Landesmuseum und die Zentralbibliothek Zürich wollen die Entstehung und die Geschichte des Globus gemeinsam weiter erforschen. (sda)

Deine Meinung