Aktualisiert 16.08.2011 08:27

Zeitgeschichte

Vor 50 Jahren begann der Bau der Mauer

An einem Sonntag mitten im Sommer 1961 schlugen die DDR-Grenzer zu: Sie riegelten alle Übergänge nach West-Berlin ab und begannen mit dem Bau von Absperrungen.

Am 13. August 1961 um 00.00 Uhr sperren die Sicherheitskräfte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die Grenze zwischen West- und Ost-Berlin und beginnen, provisorische Absperrungen zu errichten.

Fassungslos sehen die Bürger, wie der westliche Stadtteil bald darauf förmlich eingemauert wird: Die «Berliner Mauer» ist errichtet, die bis 1989 massgeblich das Stadtbild bestimmt und die heutige deutsche Hauptstadt in zwei Teile zerschneiden wird.

Die Berlin-Frage schwelte damals bereits seit Jahren zwischen der Sowjetunion und den Westmächten, die zu dieser Zeit einander gerade im Kalten Krieg gegenüberstehen. Eine Enklave der Westmächte mitten in einem Warschauer-Pakt-Staat ist Moskau schon lange ein Dorn im Auge.

Die Sowjetunion bemüht sich daher darum, West-Berlin zu einer entmilitarisierten «freien Stadt» umzuwandeln, deren Versorgung ganz von der DDR abhängig ist - doch die Westmächte weigern sich abzuziehen.

Massenabwanderung stoppen

Im Jahr 1961 drängt der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht den sowjetischen Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow allerdings wegen ganz konkreter Probleme zu baldigen Massnahmen: Die Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland ist auf Erfolgskurs - es ist die Zeit des «Wirtschaftswunders» -, die DDR kann da in keiner Weise mithalten.

Das hat immer stärkere Auswirkungen auf die Bevölkerungsströme: Allein 1960 verlassen 200 000 Menschen Ostdeutschland Richtung Westen - zumeist junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte; zwischen 1949 und 1961 sind es insgesamt gar 2,7 Millionen Menschen. Manche Historiker sprechen gar von einer Situation, in der der unmittelbare wirtschaftliche und gesellschaftliche «Zusammenbruch» Ostdeutschlands drohte.

So entschliesst sich die ostdeutsche Führung mit Erlaubnis Moskaus zu einem Befreiungsschlag: Am 12. August beschliesst der Ministerrat der DDR «zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und Westberlins» die Einführung von Grenzsperren rund um Westberlin.

Den DDR-Bürgern ist es ab sofort nur mit einer «besonderen Bescheinigung» gestattet, den Westteil Berlins zu betreten. Ironischerweise hatte Ulbricht erst zwei Monate zuvor, in einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin, auf die Frage einer westdeutschen Journalistin hin noch betont: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.»

Obwohl die Mauer nach Darstellung der DDR-Propaganda als «antifaschistischer Schutzwall» dienen soll, stellt bereits ihre Konstruktion klar, dass sie in Wahrheit die eigene Bevölkerung am Verlassen des Landes hindern sollte. Hinter dem Begriff «Berliner Mauer» versteckte sich in Wahrheit eine komplexe Sicherheitsanlage, die im Laufe der Jahre zunehmend erweitert und ausgebaut wurde.

Der Fall der Mauer

Das Ende der Berliner Mauer kam dann genauso schnell wie ihre Errichtung: Ende 1989 beschloss die DDR-Führung unter dem Eindruck der Massenflucht ausreisewilliger Ostdeutscher über Ungarn und die westdeutsche Botschaft in Prag in den Westen sowie der zunehmenden regierungskritischen Grossdemonstrationen im Land eine Ausreisemöglichkeit für DDR-Bürger ohne besondere Formalitäten.

Als das Politbüromitglied Günter Schabowski die Regelung am 9. November 1989 in einer internationalen Pressekonferenz vorstellte, sagte der über eine eigentlich geplante Sperrfrist uninformierte Funktionär, diese trete «sofort, unverzüglich» in Kraft.

In der darauffolgenden Nacht begannen DDR-Bürger massenweise die Grenzübergänge nach West-Berlin zu belagern, was schliesslich zur Öffnung der Grenze durch die verunsicherten und von der geltenden Regelung noch nicht ausreichend informierten Grenztruppen führte. Die Bilder der auf der Mauer feiernden und jubelnden Menschen gingen um die Welt. Nur wenig später war die Berliner Mauer Geschichte. (sda)

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