Aktualisiert 03.03.2019 13:55

Überschall-JubiläumVor 50 Jahren hob die erste Concorde ab

Wirtschaftlich war sie kein Erfolg, doch die Concorde ist längst zum Mythos geworden. Heute stehen ihre Nachfolger in den Startlöchern.

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fee

Schnell, aber teuer: Vor 50 Jahren startete das Überschallflugzeug Concorde. Video: Tamedia

Gerade einmal 29 Minuten dauerte der Flug, aber er ging in die Luftfahrtgeschichte ein: Am 2. März 1969 startete das Überschallverkehrsflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem Jungfernflug. Acht Jahre später nahmen Air France und British Airways den Linienverkehr nach New York auf.

Der elegante, schneeweisse Jet mit spitzer Nase hatte zahlreiche Fans, bis heute schwärmen frühere Passagiere von dem unvergleichbaren Flugerlebnis (siehe Bildstrecke oben) – dreieinhalb Stunden von Paris nach New York, nach Sonnenuntergang in Europa los, vor Sonnenuntergang in den USA.

Aber rein wirtschaftlich war die Concorde nie ein Erfolg: zu teuer, zu laut, immens hoher Kerosinverbrauch. Und dann kam im Juli 2000 die Katastrophe: Kurz nach dem Start vom Flughafen Paris verunglückte eine Concorde, alle 109 Insassen sowie vier Menschen am Boden starben. Ursache des Unglücks war ein auf der Startbahn liegender Blechstreifen.

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Ob die Concorde noch einmal abheben wird, ist unklar. Doch die Mitglieder des Club Concorde – allesamt Piloten, die einst das Überschall-Passagierflugzeug steuerten – hoffen darauf, wie sie im September 2013 verlauten liessen.

Ob die Concorde noch einmal abheben wird, ist unklar. Doch die Mitglieder des Club Concorde – allesamt Piloten, die einst das Überschall-Passagierflugzeug steuerten – hoffen darauf, wie sie im September 2013 verlauten liessen.

Keystone/AP/Max Nash
Die Ankündigung begeistert viele Menschen. Denn auch Jahre nachdem der Betrieb eingestellt wurde, ist die Faszination für die «Königin der Lüfte», wie die Concorde auch genannt wurde, ungebrochen. Kein Wunder, sie war in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes.

Die Ankündigung begeistert viele Menschen. Denn auch Jahre nachdem der Betrieb eingestellt wurde, ist die Faszination für die «Königin der Lüfte», wie die Concorde auch genannt wurde, ungebrochen. Kein Wunder, sie war in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes.

AP/Winfried Rothermel
Die Geschichte der Concorde beginnt im Jahr 1962 auf Grundlage eines Regierungsabkommens zwischen Frankreich und Grossbritannien. Der Prototyp wurde 1969 an der Pariser Flugshow vorgestellt.

Die Geschichte der Concorde beginnt im Jahr 1962 auf Grundlage eines Regierungsabkommens zwischen Frankreich und Grossbritannien. Der Prototyp wurde 1969 an der Pariser Flugshow vorgestellt.

Keystone/Anonymous

Der Anfang vom Ende der «Königin der Lüfte». Hinzu kamen die Luftfahrtkrise nach dem 11. September 2001 und rasant steigende Wartungskosten. 2003 war Schluss mit der Concorde. Der legendäre Überschall-Jet ist nur noch in Museen zu bewundern.

Faszination Überschall bleibt

Die Faszination am Überschall, wenn die Fluggeschwindigkeit grösser ist als die Schallgeschwindigkeit in der Umgebung des Flugzeuges, aber blieb.

Immer wieder wurden neue Ideen und Projekte entwickelt, aber marktreif umgesetzt bislang keines.

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Die Concorde ist Geschichte. Doch es gibt jede Menge Projekte, die den Kult-Überschallverkehrsflugzeug in Zukunft ersetzen sollen – wie die folgenden Bilder zeigen.

Die Concorde ist Geschichte. Doch es gibt jede Menge Projekte, die den Kult-Überschallverkehrsflugzeug in Zukunft ersetzen sollen – wie die folgenden Bilder zeigen.

Keystone/Martin Ruetschi
Das amerikanische Unternehmen Boom will ab 2023 einen 55-plätzigen Businessjet anbieten, der doppelte Schallgeschwindigkeit erreicht und in 3,5 Stunden von London nach New York fliegt. Bereits sollen Dutzende Bestellungen vorliegen, darunter von der japanischen Fluggesellschaft JAL und Richard Bransons Virgin.

Das amerikanische Unternehmen Boom will ab 2023 einen 55-plätzigen Businessjet anbieten, der doppelte Schallgeschwindigkeit erreicht und in 3,5 Stunden von London nach New York fliegt. Bereits sollen Dutzende Bestellungen vorliegen, darunter von der japanischen Fluggesellschaft JAL und Richard Bransons Virgin.

Boom
Von Spike Aerospace soll dereinst die S-512 kommen. Sie soll Mach 1,6 erreichen und 22 Passagiere transportieren können. Es ist ein sogenanntes Quiet-Boom-Flugzeug, das nur einen kaum hörbaren Überschallknall produziert und damit auch über Land mit Schallgeschwindigkeit fliegen kann. Testflüge sind für 2021 vorgesehen.

Von Spike Aerospace soll dereinst die S-512 kommen. Sie soll Mach 1,6 erreichen und 22 Passagiere transportieren können. Es ist ein sogenanntes Quiet-Boom-Flugzeug, das nur einen kaum hörbaren Überschallknall produziert und damit auch über Land mit Schallgeschwindigkeit fliegen kann. Testflüge sind für 2021 vorgesehen.

Spike Aerospace

Schneller und effizienter als die Concorde

Derzeit präsentiert sich unter anderem das US-Start-up Boom als ganz weit vorne. Es arbeitet an Overture, einem Jet für bis zu 55 Fluggäste, der schneller und deutlich effizienter als die Concorde sein soll.

Anfang des Jahres sammelte das Unternehmen noch einmal rund 100 Millionen Dollar von Investoren ein. «Die Ticketpreise sollen denen der heutigen Business-Class ähneln, sodass der Horizont von Millionen von Reisenden erweitert werden kann», sagte Firmenchef Blake Scholl in einer Mitteilung.

«Letztendlich ist unser Ziel, dass sich jeder einen Überschallflug leisten können soll.» Noch in diesem Jahr sollen Testflüge starten, es gebe auch schon Vorbestellungen von Fluglinien.

Anderthalbfache Schallgeschwindigkeit

Auch die 2002 gegründete US-Firma Aerion entwickelt – seit Anfang Februar mit Unterstützung von Boeing – einen Geschäftsflieger für bis zu zwölf Passagiere, der anderthalbfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll.

Auf seiner Webseite präsentiert das Unternehmen schon einmal stolz Dutzende mögliche Streckenverbindungen und die gesparte Zeit beim Flug. Wann der Jet abheben könnte, ist aber bislang noch nicht klar.

Problem Überschall-Knall

Bei einer möglichen neuen Ära für den Überschall will auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitmischen. Gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin feilt sie an einem Konzept für einen Überschalljet — ohne Überschall-Knall.

Denn das Problem bleibt: Fliegt ein Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit, gibt es einen sehr lauten Knall (siehe Box). Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat deshalb auch bis auf Weiteres alle zivilen Überschallflüge über den USA untersagt.

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Schon lange bevor die Concorde am 2. März 1969 zum Jungfernflug abhob, war die Vorfreude über das erste Überschall-Passagierflugzeug gross.

Schon lange bevor die Concorde am 2. März 1969 zum Jungfernflug abhob, war die Vorfreude über das erste Überschall-Passagierflugzeug gross.

Wikimedia Commons/André Cros/CC BY-SA 4.0
Während einer Ausstellung am Standort des Luftfahrtunternehmens Sud Aviation im Jahr 1968 in Toulouse präsentierte man den offensichtlichsten Vorteil der Concorde: ihre Schnelligkeit.

Während einer Ausstellung am Standort des Luftfahrtunternehmens Sud Aviation im Jahr 1968 in Toulouse präsentierte man den offensichtlichsten Vorteil der Concorde: ihre Schnelligkeit.

Wikimedia Commons/André Cros/CC BY-SA 4.0
Desweiteren gab man diverse Zahlen zum Prestigeflugzeug bekannt.

Desweiteren gab man diverse Zahlen zum Prestigeflugzeug bekannt.

Wikimedia Commons/André Cros/CC BY-SA 4.0

Plopp statt Knall

Die Nasa will nun den Knall in ein «Plopp» verwandeln und hat bereits erste Tests für den X-Plane gestartet. Ein Prototyp soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Der Jet soll in etwa 16 Kilometern Höhe mit rund 1500 Kilometern pro Stunde fliegen – und anstelle eines lauten Knalls nur ein Geräusch erzeugen, das so laut ist wie das Zuschlagen einer Autotür.

Für die Entwicklung erhält der Rüstungskonzern Lockheed Martin rund 247,5 Millionen Dollar. Ab 2022 will die Nasa bei Flügen über ausgewählten Regionen der USA weitere Daten sammeln.

«Wir sprechen über eine Zukunft, in der Menschen weniger Zeit mit dem Reisen und mehr Zeit an ihren Zielorten verbringen können – mit der Familie, bei der Arbeit oder beim Besuchen neuer Orte», sagte Nasa-Wissenschaftler Jonathan Rathsam. «Es ist ein Weg, die Welt zu schrumpfen, und es ist aufregend, ein Teil dieser Zukunft zu sein.» (fee/sda)

Das ist ein Überschallknall

Der Überschallknall entsteht, wenn ein Objekt sich schneller als der Schall fortbewegt. Der Schall erreicht auf der Erdoberfläche eine Geschwindigkeit von rund 340 m/s, also rund 1225 km/h. Mit zunehmender Höhe sinkt die Schallgeschwindigkeit aufgrund der tieferen Temperaturen. So beträgt sie in 11'000 Metern 1062 km/h.

Nähert sich nun ein Jet der Schallmauer, baut er vor sich einen immer stärker werdenden Luftwiderstand auf. Mit Erreichen der Schallgeschwindigkeit breiten sich die Schallwellen dann nur noch nach hinten aus, der Widerstand sinkt wieder, bleibt aber höher als beim Unterschallflug.

Nach überwinden der Schallgeschwindigkeit schleppt das Flugzeug also die für den Knall verantwortliche Druckwelle hinter sich her, weshalb der Pilot selbst den Überschallknall nicht hört. Ein einzelner Mensch am Boden hört den Knall einmal. Da der Knall allerdings dem Flugzeug folgt, hören ihn Personen, die sich weiter entfernt aufhalten, entsprechend später.

Einen Überschallknall hört man auch, wenn man eine Feuerwaffe abfeuert oder eine Peitsche knallen lässt. (jcg)

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