Grosse Entdeckung: Vor 500 Jahren wurde Florida spanisch
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Grosse EntdeckungVor 500 Jahren wurde Florida spanisch

Als erster Europäer betrat Juan Ponce de León 1513 Florida und nahm die vermeintliche Insel für die spanische Krone in Beschlag. Von den «Hispanics» wird er bis heute als Held verehrt.

von
jcg

Drei Schiffe waren es wohl, aber wo genau sie landeten, weiss niemand. Ob in St. Augustine im Nordosten Floridas oder mehr als 300 Kilometer weiter südlich in Melbourne – dutzende Ortschaften entlang des Küstenstreifens reklamieren die Stelle für sich, schliesslich geht es um nichts weniger als ihren gemeinsamen Ursprung.

Von Puerto Rico herkommend näherte sich im März 1513 kurz vor Ostern der spanische Entdecker Juan Ponce de Léon mit der «Consolación», der «Santiago» und der «San Cristóbal» dem Südosten Nordamerikas. Als erster Europäer betrat er vor genau 500 Jahren den heutigen US-Bundesstaat Florida – und hielt die Gegend zunächst für eine Insel.

Fast genauso umstritten wie der Ort der Anlandung des Entdeckers von Florida war lange auch das genaue Datum. Inzwischen haben sich Historiker weitgehend auf den 2. April geeinigt, auch wenn einige immer noch von Ende März sprechen und darauf hinweisen, dass die Quellenlage äusserst dünn ist.

«Wir haben überhaupt keine direkten Berichte von der Reise, nur Texte von Menschen, die viel später darüber geschrieben haben», berichtete der 2008 gestorbene US-Historiker Charles Arnade, der als Experte für die Entdeckung Floridas galt.

Feiern in Florida

Im Geburtstags-Bundesstaat sind für den 2. April Feste geplant, bei denen unter anderem Statuen von Ponce de León enthüllt werden sollen. Auf den Namen Florida, das spanische Wort für blühend, kam der wohl in den 1470er Jahren geborene Seefahrer der Überlieferung nach wegen der Landschaft, die er sah – und wegen des anstehenden Osterfestes, das die Spanier auch «Pascua Florida» nennen.

Rund 20 Jahre zuvor war Christoph Kolumbus – eigentlich auf der Suche nach einem Seeweg nach Asien – in der Karibik gelandet und hatte damit in Europa schlagartig eine Art «Entdeckungs-Fieber» ausgelöst. Zahlreiche Expeditionen folgten.

Kolumbus wurde auf einer weiteren Seereise unter anderem auch von Ponce de León begleitet, der später auch die Karibikinsel Puerto Rico erkundete und 1509 zu ihrem Gouverneur erklärt wurde. Gerüchte über weitere bis dahin unbekannte Inseln im Nordosten der Karibik veranlassten den auf Zeichnungen stets mit Spitzbart und Hut dargestellten Ponce de León, erneut aufzubrechen.

Held der Hispanics

Dass mit Ponce de León ein Spanier schon so früh Florida entdeckt habe, das sei für ihn persönlich sehr wichtig, sagt Wilson Camelo, der bei einer Werbeagentur in Orlando arbeitet. Wie inzwischen rund 16 Prozent der US-Amerikaner ist Camelo «Hispanic».

Laut offizieller Definition der US-Statistikbehörde zählt dazu, wer kubanische, puertoricanische, südamerikanische, zentralamerikanische oder spanische Wurzeln hat. Die Hispanics sind die am rasantesten wachsende Volksgruppe in den USA – zwischen 2000 und 2010 hat sich ihre Zahl fast verdoppelt.

«Für uns Hispanics ist Ponce de León heute immer noch ein grosser Held», sagt der in Kolumbien geborene Camelo, der auch einen Internet-Blog über Hispanics betreibt: «Er hat quasi unseren Ursprung hier gelegt und das macht einen grossen Teil unserer Identität und Daseinsberechtigung aus.»

Mit seinen Kindern fahre er deshalb regelmässig an die historischen Orte an Floridas Ostküste, erzählt Camelo: «In der Schule lernen sie immer nur von den ‹Pilgrims› und den britischen Kolonien. Ich will, dass sie auch Ponce de León kennenlernen.»

«Quelle der Hoffnung»

Glück brachte Florida Ponce de León allerdings nicht. Bei seiner zweiten Reise 1521 wurde er wahrscheinlich von Ureinwohnern verwundet und starb kurze Zeit später.

Mit der heutigen Entwicklung des sonnigen Bundesstaats wäre der Entdecker aber zufrieden, mutmasst Historiker Arnade: «Florida ist eine Quelle der Hoffnung und des Reichtums - genau wie er sich das damals erhofft hatte, nur eben ein paar Jahrhunderte später.»

Mini-Doku über die Entdeckung Floridas auf Englisch. (YouTube/ShadowDancerMedia)

Die Entdeckung Amerikas

Als gefeierter Entdecker Amerikas gilt der Seefahrer Christoph Kolumbus. Der allererste Europäer auf dem nordamerikanischen Kontinent war er aber wohl nicht.

Schon vor dem Jahr 1000 sollen skandinavische Seefahrer dort angelandet sein - wer, wo genau und wie lange sie blieben, ist allerdings unter Historikern umstritten. Auch damals lebten schon die amerikanischen Ureinwohner, deren Vorfahren wohl über die Beringstrasse von Asien aus kamen, auf dem insgesamt fast 25 Millionen Quadratkilometer grossen Kontinent.

Kolumbus - eigentlich auf der Suche nach einem Seeweg nach Asien - sichtete am 12. Oktober 1492 erstmals die Karibik und setzte die kontinuierliche Erkundung des Kontinents in Gang. Er selbst machte noch drei weitere Reisen in die neue Welt.

Auf einer davon soll auch der Spanier Juan Ponce de León (Bild), der später Florida entdeckte, dabeigewesen sein. Wer als erster Europäer der Neuzeit nordamerikanisches Festland betrat, ist umstritten. Als ein Kandidat gilt der Italiener Giovanni Calboto kurz vor Ende der 15. Jahrhunderts.

Benannt wurde der Kontinent schliesslich nach dem Italiener Amerigo Vespucci, der um 1500 die Ostküste Südamerikas erkundete und als erster die Meinung vertrat, dass es sich bei der Landmasse um einen eigenen Kontinent handele.

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