Vor 75 Jahren brannten die Bücher
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Vor 75 Jahren brannten die Bücher

Während der NS-Bücherverbrennungen wurden zwischen März und Oktober 1933 weit über 1000 Titel von mehr als 300 Autoren verbrannt.

Drahtzieher der mehr als 90 Aktionen überall in Deutschland war die Deutsche Studentenschaft, wie der Potsdamer Historiker Werner Tress vom Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum im AP-Interview sagte.

Nach seinen Worten fanden allein am 10. Mai 1933 22 Bücherverbrennungen in deutschen Hochschulstädten statt. Hinzu kamen die Verbrennungen ganzer Bibliotheken aus Gewerkschaftshäusern und Parteizentralen ab März 1933: «Insgesamt haben wir für dieses Jahr 94 Bücherverbrennungen in ganz Deutschland nachweisen können», sagte Tress. Diese Aktionen hätten den ganzen Prozess der nationalsozialistischen Machtdurchsetzung begleitet.

Bei der Auffassung, Propagandaminister Joseph Goebbels selbst habe die Aktionen initiiert, handele es sich um eine Legende. Allerdings habe Goebbels Kameras und Mikrofone zum Opernplatz beordert, die ihn bei der Bücherverbrennung aufgenommen hätten. «Man kann also sagen: Goebbels war nicht der Initiator der Bücherverbrennung, sondern der Mediator. Er war derjenige, der dem Akt Stimme und Gesicht und der Bücherverbrennung ihre historische Bedeutung gegeben hat», sagte Tress.

Zumindest in symbolischer Hinsicht seien die Bücherverbrennungen Startpunkt der NS-Kulturpolitik gewesen. «Parallel lief die Arbeit der Indizierungsausschüsse, die die ersten Schwarzen Listen von Büchern erstellten, die verboten werden sollten. Auf dieser Grundlage haben die Studenten die Bücher dann aus den Buchhandlungen, Leihbüchereien und Bibliotheken geraubt und verbrannt», sagte Tress. Gleichzeitig sei die Gleichschaltung der Hochschulen mit der Vertreibung kritischer und vor allem jüdischer Wissenschaftler erfolgt. (dapd)

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