Vor der Abstimmung: Vor allem die Jungen wollen mehr Ferien

Aktualisiert

Vor der AbstimmungVor allem die Jungen wollen mehr Ferien

Die Leser von 20 Minuten Online würden die Ferien-Initiative klar annehmen. Besonders die beiden Faktoren Alter und Arbeitsverhältnis scheinen für die Meinungsbildung ausschlaggebend.

von
K. Ramezani

Das Verdikt der 4045 Leser von 20 Minuten Online, die sich an der nicht repräsentativen Umfrage zur Volksinitiative «6 Wochen Ferien für Alle» beteiligt haben, ist klar: Zwei von drei äussern die Absicht, diese am 11. März anzunehmen. Faktoren wie Arbeitsverhältnis, Wochenarbeitszeit und Ferienmenge spielen für Annahme oder Ablehnung eine wichtige Rolle – teilweise in einer Art und Weise, wie man es nicht erwartet hätte.

Das Alter (siehe Grafik oben) scheint der wichtigste Faktor überhaupt. Wer bis und mit 45 Jahre alt ist, nimmt die Ferien-Initiative zu rund 70 Prozent an. Bei den 46 bis 60 Jährigen erfährt sie mit 60 Prozent immer noch eine deutliche Zustimmung. Bei den über 60-Jährigen beträgt sie nur noch 38 Prozent - sie sind auch mehrheitlich Rentner und haben bereits wesentlich mehr als sechs Wochen Ferien.

Das Alter dürfte auch mit ein Grund für die deutliche Abweichung von der aktuellen SRG-Umfrage sein, in der sich nur 40 Prozent für die Initiative ausgesprochen hatten. Die Teilnehmer der Umfrage von 20 Minuten Online waren im Schnitt jünger als eine repräsentative Stichprobe der Schweizer Bevölkerung.

Selbstständige lehnen Ferien-Initiative ab

Auch beim Arbeitsverhältnis lassen sich deutliche Unterschiede feststellen. Angestellte, egal ob Voll- oder Teilzeit, nehmen die Initiative zu über 60 Prozent an. Nicht so bei den Selbstständigen, hier befürworten nur 23 Prozent die Initiative. Da sie die zusätzlichen Wochen bezahlen müssten, ein wenig überraschender Befund.

Ein nicht sehr intuitives Resultat liefert auf den ersten Blick die Frage nach den Wochenarbeitszeiten: Je höher diese ausfallen, desto geringer offenbar der Wunsch nach mehr Ferien. 70 Prozent derjenigen, die pro Woche 40 bis 45 Stunden arbeiten, wollen die Initiative annehmen. Bei denjenigen mit einer Wochenarbeitszeit von 46 bis 50 Stunden beträgt die Zustimmung «nur» noch 60 Prozent. Bei über 50 Stunden lehnt bereits eine Mehrheit die Initiative ab. Hier scheint ein anderer Faktor mitentscheidend: Knapp dreissig Prozent jener, die über 50 Stunden pro Woche arbeiten, gaben sich als Selbstständige zu erkennen.

Frauen tendenziell eher für mehr Ferien

Keine Überraschung hingegen: Wer wenig Ferien hat, hätte gerne mehr. Wer schon viel hat, nicht unbedingt. Über 70 Prozent derjenigen, die vier Wochen Ferien haben, befürworten die Initiative. Bei fünf Wochen beträgt die Zustimmung noch hohe 68 Prozent, bei mehr als fünf Wochen noch 59 Prozent.

Frauen zeigen sich der Initiative gegenüber etwas aufgeschlossener: 76 Prozent nehmen sie an, bei den Männern sind es 66 Prozent.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Selbstständig Erwerbende im fortgeschrittenen Alter mit langen Arbeitszeiten und viel Ferien lehnen die Initiative tendenziell ab. Junge Angestellte (voll- und teilzeit) mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit sowie vier oder fünf Wochen Ferien nehmen sie tendenziell an.

Stress-Argument verfängt nur bedingt

Einige weitere Erkenntnisse aus der Umfrage: 57 Prozent bezeichnen sich als eher gestresst. Von ihnen haben nur 8 Prozent bereits über fünf Wochen Ferien. Die Hälfte der Befragten glaubt dem Argument der Initianten, durch mehr Ferien wären die Arbeitnehmer weniger gestresst. 33 Prozent folgen der Argumentation des Nein-Komitees und befürchten hingegen negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. 29 Prozent glauben, dass die sechs Wochen Ferien nichts von beidem bewirken würden, also weder weniger Stress noch Schaden für die Wettbewerbsfähigkeit. In der Frage, ob die Schweizer von Natur aus «Chrampfer» sind, zeigen sich die Teilnehmer gespalten. 56 Prozent finden ja, 44 Prozent hingegen nein.

Die detaillierte Auswertung der Umfrage, die vom 7. bis 10. Februar durchgeführt wurde, finden Sie hier. Von den 4045 Teilnehmern waren 74 Prozent Männer und 26 Prozent Frauen. 84 Prozent waren zwischen 18 und 45 Jahren alt.

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