Aktualisiert 06.02.2014 13:19

Auf der Autobahn

«Vor allem Frauen blockieren die linke Spur»

Linksspur-Blockierer auf der Autobahn treiben viele Autofahrer zur Weissglut. Politiker fordern, dass man rechts überholen darf.

von
Camilla Alabor
«Die Schweizer haben eine Tendenz, vorzudrängeln», sagt Fahrlehrer Roger Wintsch. «Das sieht man an der Migros-Kasse – oder eben auf der Autobahn.»

«Die Schweizer haben eine Tendenz, vorzudrängeln», sagt Fahrlehrer Roger Wintsch. «Das sieht man an der Migros-Kasse – oder eben auf der Autobahn.»

Sie sorgen bei den Autofahrern für rote Köpfe: die Lenker, die auf der Autobahn langsam auf der linken Spur fahren – und stur dabei bleiben, selbst wenn sich hinter ihnen eine Kolonne bildet. «Das Problem der Linksblockierer hat sich noch verschärft, seit auf den Schweizer Strassen immer mehr Autos unterwegs sind», sagt Willi Wismer vom Zürcher Fahrlehrerverband. «Es gibt immer wieder Lenker, die in die linke Spur wechseln und dann einfach dort bleiben.»

Die Leute hätten Angst, nicht mehr auf die linke Spur zurückwechseln zu können, wenn sie überholen wollten, vermutet Wismer. Ähnlich äussert sich Jürg Scherrer von der Autopartei. Die Fahrer fürchteten sich vor dem Spurenwechsel, sagt er und fügt an: «Vor allem Junge und Frauen blockieren die linke Spur und verursachen damit Staus.»

Mehr Blockierer als im Ausland

SVP-Nationalrat Walter Wobmann schiebt das Verhalten auf die Bequemlichkeit der Autofahrer. Er glaubt auch, dass gewisse Lenker ganz bewusst mit Tempo 110 auf der linken Spur bleiben. «Die machen das extra, um die Fahrer hinter ihnen zu erziehen», sagt Wobmann. Seiner Meinung nach gibt es auf Schweizer Autobahnen mehr Spurblockierer als anderswo. «Das liegt auch daran, dass man im Ausland schneller fahren kann als bei uns. Dann gehen die Langsamfahrer automatisch auf die rechte Spur.»

Roger Wintsch vom Aargauer Fahrlehrerverband hat eine andere Erklärung: «Die Schweizer sind ungeduldig und haben eine Tendenz, vorzudrängeln.» Das sehe man an der Migros-Kasse – oder eben auf der Autobahn. «Viele haben das Gefühl, dank des Linksfahrens seien sie ein paar Minuten schneller am Ziel.» Dabei wäre es besser, etwas entspannter Auto zu fahren: «Wenn jeder möglichst schnell am Ziel sein will und deshalb immer links fährt, brauchen am Ende alle länger.»

Kein Überholen

Um gegen verstopfte Autobahnen vorzugehen, fordert HSG-Absolvent Marco Schläpfer Tempo 140 – und stösst damit bei Facebook-Usern auf grosse Zustimmung. Eine andere Lösung schlägt FDP-Nationalrat Markus Hutter vor: Er ist der Meinung, dass man auf der Autobahn das Rechtsüberholen erlauben sollte. «So würde man schneller vorwärtskommen.» Auch SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner befürwortet diesen Schritt, allerdings nur auf dreispurigen Autobahnen. «Dann müsste aber gelten, dass man wie in den USA in der jeweiligen Spur bleibt und nicht ständig nach links und rechts ausschert.»

Giezendanners Parteikollege Walter Wobmann ist skeptischer. «Grundsätzlich befürworte ich das Rechtsüberholen», sagt der Solothurner. «Ich befürchte aber, dass die vielen unfähigen Autofahrer damit überfordert wären.» Die mögliche Konsequenz wären laut Wobmann ein Verkehrschaos und eine Zunahme von Unfällen. Aus diesem Grund lehnen auch CVP-Verkehrspolitiker Martin Candinas und SP-Nationalrätin Evi Allemann das Rechtsüberholen ab – ebenso wie der Bundesrat.

Auch im Ausland verboten

Dieser spricht sich sowohl gegen das Rechtsüberholen als auch das Rechtsvorbeifahren aus. Das zeigt eine Antwort vom Mai 2013 auf eine entsprechende Motion von SVP-Nationalrat Thomas Hurter. Die Regelung würde nicht zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses führen, sondern zu mehr Unfällen, schreibt der Bundesrat. Zudem ergebe eine solche Änderung umso weniger Sinn, als das Rechtsfahrgebot in ganz Kontinentaleuropa gelte.

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