Aktualisiert 30.03.2014 16:25

Balkan-Prediger «Vor allem junge Migranten werden beeinflusst»

Militante Balkan-Prediger radikalisieren Secondos in der Schweiz. Haben Sie auch den Gotteskrieger Cendrim R. rekrutiert?

von
ale
Wurde Cendrim R. von Gotteskriegern rekrutiert?

Wurde Cendrim R. von Gotteskriegern rekrutiert?

Der Gotteskrieger Cendrim R. hat bei einem Anschlag im Südosten der Türkei mutmasslich drei Menschen erschossen, darunter einen Polizisten und einen Soldaten. Im Dreifachmord gipfelt eine Gewaltkarriere, die in der Realschule im aargauischen Brugg begann. Dort entwickelte sich R. zum notorischen Straftäter. Am 22. September 2010 verurteilte ihn das Jugendgericht Brugg zu zwei Jahren Gefängnis und einer Busse von 400 Franken.

Die Gerichtsakten zeigen: Die Liste der Delikte ist lang. Laut der «SonntagsZeitung» sprach ihn das Gericht schuldig wegen versuchtem Raub, Schlägereien, mehrfacher Körperverletzung, Nötigung, Drohung, Hinderung von Amtshandlungen, Sachbeschädigungen und diversen Verstössen gegen das Waffengesetz.

Therapie erwies sich als Fehlversuch

Trotz allem entschieden die Behörden, den Gewalttäter nicht ins Gefängnis, sondern in eine Therapie zu schicken – ohne Erfolg. Nach kurzer Zeit brachen sie die stationäre Massnahme ab und steckten R. in Lenzburg hinter Gitter. Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte des Kanton Aargau, bestätigt: «Die Massnahme erwies sich als aussichtslos.»

Noch ist nicht klar, wie aus dem Realschüler aus Brugg ein Gotteskrieger wurde. Recherchen zeigen aber: Islamistische Netzwerke, die auf dem Balkan operieren, üben starken Einfluss auf junge Migranten in der Schweiz aus. Militante Prediger aus Bosnien, Mazedonien, Albanien und dem Kosovo pflegen Beziehungen zur muslimischen Diaspora in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft und Zürich, wo sie in den letzten Jahren mehrfach in Moscheen auftraten. Unter den problematischen Besuchern vom Balkan befinden sich Prediger, die sich im bewaffneten Kampf auskennen.

Balkan-Prediger wirken in der Schweiz

Der frühere Bosnienkämpfer Bilal Bosnic referierte mehrfach in einer Moschee in Wallisellen ZH, wie Youtube-Videos dokumentieren. In seinen Reden ruft der Mann mit schmalem Gesicht und langem, schwarzen Bart zur Zerstörung Amerikas auf und singt Lieder mit Texten wie: «Mit Sprengstoff an unserer Brust ebnen wir den Weg ins Paradies.»

«Ein Grossteil der extremen Muslime in der Schweiz sind heute Migranten aus dem Westbalkan», sagt ETH-Forscher Lorenzo Vidino. Er untersucht die jihadistische Radikalisierung von Islamisten und beobachtet, dass Balkan-Prediger auch hierzulande auf Muslime einwirken. «Vor allem junge Migranten werden in der Schweiz von ausländischen Salafisten beeinflusst», sagt er.

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