Mein Beruf: Kaminfeger: «Vor allem Leute auf dem Land wollen uns anfassen»
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Mein Beruf: Kaminfeger«Vor allem Leute auf dem Land wollen uns anfassen»

Die Leute freuen sich, wenn sie Roman Moser antreffen – schliesslich bringt er Glück. Der Kaminfeger erzählt, wieso er das Arbeiten auf dem Land besonders schätzt.

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Im Rahmen der 20-Minuten-Serie «Leser stellen sich vor» erzählt Roman Moser aus seinem Beruf als Kaminfeger. Der Lehrling arbeitet in einem Geschäft mit fünf anderen Mitarbeitern im Arbeitskreis Hünibach im Kanton Bern. Nachdem er sich zu Beginn an den Job gewöhnen musste, kann er sich heute nichts Besseres vorstellen.

Roman, wieso hast du dich auf den 20-Minuten-Aufruf gemeldet?

Viele Leute, die ich im Ausgang treffe, fragen mich, was ich lerne. Sie sind dann jeweils erstaunt, wenn ich erzähle, dass ich Kaminfeger bin. Die Fragen folgen dann sogleich. Die Menschen scheinen sich irgendwie für den Beruf zu interessieren.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kaminfeger zu werden?

Als ich mit der Schule fertig war, schaute ich mir ziemlich viele verschiedene Betriebe an. Zum Beispiel auch Bäcker. Aber irgendwie war das Richtige nicht dabei. Meine Mutter kam dann auf die Idee mit dem Kaminfeger. Eigentlich interessierte ich mich zu der Zeit vor allem für Informatik, aber beim Schnuppern hat mir der Beruf des Kaminfegers dann doch sehr gut gefallen.

Was hat sich in den letzten Jahren für die Kaminfeger geändert?

Vieles. Wir putzen heute zwar noch Kamine, aber vor allem auch die zugehörigen Heizungen, Kochherde und andere wärmetechnische Anlagen. Wir steigen nicht mehr so häufig aufs Dach. Das ist für das heutige Sicherheitsdenken zu gefährlich. Das bedeutet, wir müssen dafür mindestens zu dritt sein, zwei zum Sichern und einer, der den Kamin putzt. Das benötigt einfach zu viel Personal und wird dadurch zu teuer. Deshalb versuchen wir das zu vermeiden.

Nun zum Thema Glück: Früher hiess es, man müsse die Goldknöpfe der Kaminfeger-Jacken anfassen. Gibts die überhaupt noch? Habt ihr noch die klassischen Jacken mit den Goldknöpfen an?

Nein, die tragen wir leider nicht mehr.

Na gut, die Jacke anzufassen, soll ja auch genügen. Werden Sie noch häufig mit dem Aberglauben konfrontiert?

Eigentlich noch erstaunlich häufig. Eine Kundin kam beispielsweise an und wollte meine Jacke anfassen. Dann wollte sie auch noch eine Feder von einer Bürste von mir haben. Das bringe nämlich noch mehr Glück. Auch wenn wir ausnahmsweise zu zweit unterwegs sind, freuen sich die Menschen besonders, weil das doppelt so viel Glück bringen soll. Aber solche Begegnungen kommen vor allem in ländlichen Regionen vor.

In der Stadt nicht?

In der Stadt eigentlich gar nicht. Auf dem Land sind die Menschen grundsätzlich anders. In der Stadt geht man an den Auftragsort, putzt und geht wieder. Auf dem Land wird uns ab und zu mal Kaffee angeboten, die Menschen nehmen sich die Zeit, mit uns zu sprechen, und gehen offener auf uns zu.

Findet man auch Sachen im Kamin, die nicht dahin gehören?

Na ja, Vögel findet man regelmässig. Ich musste gerade heute wieder einen Vogel rausholen. Auch eine Ente, eine Eule und eine tote Katze haben wir schon in Kaminen gefunden. Die Tiere sitzen wohl oben auf dem Kamin. Dann treten die Abgase aus und die Vögel werden ohnmächtig und fallen ins Loch.

Gibt es eigentlich genügend Kaminfeger in der Schweiz?

Lehrlinge werden schon gesucht. Die Jungen kommen wohl gar nicht mehr auf die Idee, sich den Beruf des Kaminfegers mal genauer anzuschauen. Ich empfehle den Schulabgängern, sich mal über den Job zu informieren, es ist ein toller Beruf!

Leser stellen sich vor

Diese Serie dreht sich um das Wichtigste bei 20 Minuten: die Leserinnen und Leser. Jeden Mittwoch wird ein Mitglied der Community vorgestellt. Zu einem monatlich wechselnden Thema erzählen sie aus ihrem Leben. Im Oktober und November geht es um Menschen mit besonderen Berufen. Alle Interviews finden Sie hier>>

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