Von Reichen sparen lernen: «Vor allem Wohlhabende kaufen im Ausland ein»
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Von Reichen sparen lernen«Vor allem Wohlhabende kaufen im Ausland ein»

Warum fahren Wohlhabende über die Grenze, um ihr Deo günstiger einzukaufen? Marketingprofessor Frank Hannich hat dazu die Antworten.

von
Isabel Strassheim
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Es sind nicht unbedingt Leute, die auf jeden Rappen schauen, die zum Einkaufen über die Grenze fahren. Im Gegenteil ...

Es sind nicht unbedingt Leute, die auf jeden Rappen schauen, die zum Einkaufen über die Grenze fahren. Im Gegenteil ...

Keystone/Ennio Leanza
...vor allem Leute mit überdurchschnittlichem Einkommen kaufen gerne günstiger in Deutschland oder Frankreich ein.

...vor allem Leute mit überdurchschnittlichem Einkommen kaufen gerne günstiger in Deutschland oder Frankreich ein.

Keystone/Ennio Leanza
Laut Frank Hannich, Professor für Marketing an der ZHAW in Winterthur, gibt es dafür zwei Gründe:

Laut Frank Hannich, Professor für Marketing an der ZHAW in Winterthur, gibt es dafür zwei Gründe:

Herr Hannich, die Credit Suisse hat eine neue Studie zum Einkaufstourismus publiziert. Eigentlich würde man annehmen, dass vor allem Leute mit wenig Geld ins Ausland fahren, um dort günstiger einzukaufen?

Es ist gerade umgekehrt: Leute, die auf jeden Franken schauen müssen, machen das sogar seltener. Zu einem grossen Teil kaufen Wohlhabende im Ausland ein, wie die neue Studie der Credit Suisse zeigt.

Wieso?

Weil Wohlhabende im Durchschnitt mobiler sind und einfach in ihr Auto steigen können, um nach Deutschland oder Frankreich zu fahren. Zugfahrten machen nur einen kleinen Teil des Einkaufstourismus aus. Ausserdem sind Wohlhabende meistens besser informiert und stellen eher Preisvergleiche an.

Warum aber wenden Leute mit Geld so viel Zeit auf, um günstiger an ein Deo oder Teigwaren zu kommen?

Weil sie nicht nur ins Ausland fahren, um in die Drogerie oder in ein Lebensmittelgeschäft zu gehen. Sondern sie verbinden das mit einem Besuch im Restaurant, Kino oder in einer Therme. Es geht ja meist nicht um den Wocheneinkauf, sondern um monatliches Shopping, das dann zu einem Ausflug wird. Dafür braucht es natürlich Geld.

Und wie ist es mit Online-Bestellungen?

Viele Schweizer haben ein Postfach oder eine Lieferadresse in einer deutschen Grenzstadt gemietet und holen sich dort ihre Pakete ab, die nicht in die Schweiz geliefert werden. Dabei gehen sie dann auch gleich noch ins Einkaufszentrum und besorgen sich stationär noch andere Produkte günstiger.

Wieso sind gerade auch Wohlhabende auf Geldsparen aus?

Es ist ein Trugschluss, zu denken, dass sie nicht auf die Preise schauen. Die Freude daran, etwas günstiger zu bekommen, gibt es gerade auch bei Wohlhabenden. Je grösser die Anschaffungen sind, desto höher ist auch die Sparmöglichkeit. Für Unterhaltungselektronik, Möbel und sogar Autos fahren Wohlhabende gerne ins Ausland.

Frank Hannich

Frank Hannich ist Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft. Dort forscht er zum Einkaufsverhalten am Institut für Marketing Management.

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