Metzgete in Sissach: Vor dem Bolzenschuss gab es noch Äpfel für die Säue
Aktualisiert

Metzgete in SissachVor dem Bolzenschuss gab es noch Äpfel für die Säue

In Sissach wurden am Samstagmorgen zwei Schweine vor Publikum getötet und geschlachtet. Der kontroverse Anlass ging ohne Nebengeräusche über die Bühne.

von
lha

Das Publikum konnte die Schlachtung zweier Säue am Samstag vom Bolzenschuss bis zur Wurst hautnah miterleben. (Video: 20 Minuten)

Sissach am Samstag im Morgengrauen. Vor dem Schaffner-Areal im Dorfzentrum hat sich eine Gruppe Tierrechtsaktivisten aus Zürich in der Kälte versammelt. Sie protestieren gegen die Tötung der beiden Schweine, die hier an diesem Morgen auf die Schlachtbank geführt werden. Um den Anlass, den der Sissacher Dorfmetzger Rolf Häring initierte, entbrannte in den vergangenen Wochen beinahe schon eine landesweite Kontroverse. Ist es richtig, Tiere vor Publikum zu töten und zu schlachten?

Diese Frage musste am Samstag wohl jeder für sich selbst beantworten. Knapp über 100 Interessierte wagten sich in den Hinterhof des Areals, wo Häring mit seinen Gehilfen zur Tat schritt. Vor dem Bolzenschuss wurden den beiden Schweinen vom Bio-Hofgut Ebenrain in Sissach noch Äpfel verfüttert. Der Amtstierarzt des Kantons, Hansjörg Degen, erklärte derweil dem Publikum, was es beim Bolzenschuss zu sehen bekommt. «Die Nervenzuckungen und Krämpfe nach dem Bolzenschuss sind Zeichen einer guten Betäubung, Schön sieht das nicht aus.»

Häring mahnte nochmal: «Abstellen alles, auch die Filmer.» Dann knallte es unter dem Festzelt.

«Ich wollte das mal sehen»

Zeremonienmiester Häring erklärte den Besuchern mit viel Enthusiasmus Schritt für Schritt jeden Schnitt, jedes Werkzeug und jedes Körperteil der Säue. Er verwende bewusst altes Werkzeug. «Ich will hier auch das alte Handwerk zeigen», so Häring. Er betonte auch immer wieder, wie wichtig der Respekt vor dem Tier sei. Ein Aspekt, der bei der industriellen Schlachtung auf der Strecke bleibe. Häring versteht seine Hausmetzgete auch als Beitrag zur Debatte über Fleischkonsum.

«Kam, weil ich gerne Fleisch esse»

Stimmen zur öffentlichen Metzgete in Sissach. (Video: 20 Minuten)

Bei den Zuschauern kam das gut an. Mehrere Familien kamen auch mit ihren Kindern. «Wir haben das vorher besprochen, aber sie waren wirklich interessiert», sagt ein Vater zweier junger Buben. «Ich esse gerne Fleisch und wollte mal sehen, wie das produziert wird und wollte wissen, ob ich danach noch Fleisch essen kann», meint die Baslerin Dominique Müller, die mit einer Freundin zur Metzgete kam.

Kritiker blieben im Hintergrund

Häring war mit seinem Anlass sehr zufrieden. Auch den Kritikern zollt er Respekt. «Es blieb ruhig und niemand versuchte zu stören, das war sehr fair.» Immerhin: Die Polizei wäre bereit gewesen und hatte vorsorglich mehrere Patrouillen für die Metzgete abgestellt. Der schärfste Kritiker von Härings Metzgete blieb zuhause. Ex-Pfarrer Lukas Baumann wird erst am Montagabend seine mittelalterliche Bussprozession abhalten und sich als Zeichen des Protests selbst geisseln.

Ob der Anlass in dieser Form nächstes Jahr wiederholt wird, mochte Häring am Samstag noch nicht verraten.

1 / 10
Die beiden Schweine kurz bevor sie vom Bolzen betäubt wurden. Die Tiere vom Bio-Hofgut Ebenrain in Sissach wurden am Samstag in der Früh zum Schauplatz der Metzgete gefahren.

Die beiden Schweine kurz bevor sie vom Bolzen betäubt wurden. Die Tiere vom Bio-Hofgut Ebenrain in Sissach wurden am Samstag in der Früh zum Schauplatz der Metzgete gefahren.

Keystone/Christian Merz
Im Hinterhof des Schaffner-Areals in Sissach lud die Metzgerei Häring zur öffentlichen Metzgete, an der eine traditionelle Schlachtung zelebriert wurde.

Im Hinterhof des Schaffner-Areals in Sissach lud die Metzgerei Häring zur öffentlichen Metzgete, an der eine traditionelle Schlachtung zelebriert wurde.

Keystone/Christian Merz

Deine Meinung