06.06.2020 17:55

Die erste Partynacht«Vor den Clubs wird es Menschenansammlungen geben»

Trotz Sperrstunde um Mitternacht öffnen heute viele Clubs ihre Türen für Partygänger. Doch die Clubbetreiber sind frustriert über die Auflagen und befürchten eine Verlagerung der Party auf die Strasse.

von
Joel Probst
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Das Nachtleben kommt wieder in Gang: Ab heute dürfen Clubs wieder öffnen.

Das Nachtleben kommt wieder in Gang: Ab heute dürfen Clubs wieder öffnen.

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Doch die Partylokale dürfen maximal 300 Personen einlassen und müssen bereits um Mitternacht schliessen.

Doch die Partylokale dürfen maximal 300 Personen einlassen und müssen bereits um Mitternacht schliessen.

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Trotzdem: «Nach zwölf Wochen Zwangspause wollen die Leute endlich wieder raus und in den Ausgang», ist sich Max Reichen von der Bar- und Clubkommission Bern sicher.

Trotzdem: «Nach zwölf Wochen Zwangspause wollen die Leute endlich wieder raus und in den Ausgang», ist sich Max Reichen von der Bar- und Clubkommission Bern sicher.

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Darum gehts

  • Heute dürfen Clubs wieder öffnen – viele machen das auch.
  • Die 300-Personen-Obergrenze und die Sperrstunde um Mitternacht frustriert die Clubbetreiber aber.
  • Sie rechnen damit, dass sich die Party dann einfach auf die Strasse verlagert.

Heute ist es so weit. Nach fast drei Monaten dürfen Clubs wieder öffnen – unter strengen Auflagen. Die Partylokale dürfen maximal 300 Personen einlassen und müssen bereits um Mitternacht schliessen. Trotzdem öffnen einige Clubs bereits heute Abend wieder ihre Türen für Partygänger.

Im Raum Zürich finden etwa 30 Veranstaltungen statt, wie es bei der Bar und Club Kommission Zürich auf Anfrage heisst. «Das ist ungefähr ein Zehntel der üblichen Anzahl» , sagt Sprecher Alexander Bücheli. Offen seien etwa das Mascotte, Hive, Space Monki oder das Kraftwerk, wo es einen «Dayrave» gebe. Das Kaufleuten zum Beispiel bleibt aber zu.

«Für die Lokale lohnt es sich nicht»

In Bern öffnen heute das Bierhübeli, das Kapitel und das Du Théâtre, wie Max Reichen von der Bar- und Clubkommission Bern sagt. «Weiterhin geschlossen bleiben etwa die Clubs Gaskessel und Dachstock.» Es lohne sich für die Partylokale im Moment nicht, aufzumachen. «Tut man es trotzdem, dann nur um den Stammgästen etwas zu bieten und wieder zu arbeiten. In unserer Branche geht es um Emotionen. Und die fehlen uns.»

Die meisten Berner Clubs machen laut Reichen bereits zwischen 16 Uhr und 20 Uhr auf. «An den Veranstaltungen ändert sich nicht viel, sie fangen einfach früher an.» Reichen ist überzeugt, dass auch die Partygänger früher als üblich in den Club finden. «Nach zwölf Wochen Zwangspause wollen die Leute endlich wieder raus und in den Ausgang.»

Zwei Meter Abstand oder Masken

Die Partygänger müssen sich in den Clubs an strenge Schutzkonzepte halten: «Wenn möglich wird im Club zwei Meter Abstand eingehalten, sonst müssen Masken getragen werden und wenn das alles nicht geht, muss man sich auf einer Gästeliste eintragen», so Reichen. In Zürich setzten zudem viele Veranstalter auf einen Vorverkauf, um die Vorgaben des Bundes einzuhalten, so Bücheli.

Bücheli betont, dass das Nachtleben wegen der Polizeistunde um Mitternacht nach wie vor nicht stattfinden könne: «Das ist als ob ein Restaurant offen sein kann, aber kein Essen servieren darf, der wichtigste Teil des Ausgangs fehlt.»

«Werde Musik nicht um Punkt zwölf abschalten»

Tatsächlich stellt die Sperrstunde die Clubbetreiber vor eine Herausforderung. «Wir werden sicher nicht um Punkt zwölf die Musik abschalten und die Leute rausbefördern», sagt Reichen. Man lasse wie sonst auch ausklingen, schicke die Leute nach und nach raus und versuche, sie zu sensibilisieren.

«Aber sobald sie im öffentlichen Raum sind, können wir nichts mehr machen.» Für Reichen steht ausser Frage: «Es wird vor den Clubs Menschenansammlungen geben, das ist klar. Dort gibt es kein Schutzkonzept und keine Listen. Das ist kontraproduktiv und für uns frustrierend.»

Wieder Menschenauflauf in der Steinenvorstadt?

Auch in Basel geht es heute wieder los mit dem Nachtleben: «Erstaunlicherweise machen die meisten Clubs schon heute wieder auf», sagt Sandro Bernasconi vom Basler Verein Kultur & Gastronomie. «Darunter das Annex, die Kuppel und die Heimat. Andere, wie etwa die Kaserne, machen nächste Woche auf.» Der Club Nordstern wollte heute aufmachen, sagte die Party auf der Terrasse wegen des schlechten Wetters aber kurzerhand ab.

Ob es heute wieder zu einem Menschenauflauf in der Steinenvorstadt kommt wie schon Mitte Mai, darüber möchte Bernasconi nicht spekulieren: «Das wird sich zeigen.» Trotzdem sagt er: «Im Ausgang macht man immer eine gewisse Tour. Auch wenn die Party bereits um 17 Uhr beginnt, bezweifle ich, dass die Partygänger um Mitternacht gleich nach Hause gehen.»

Clubbetreiber stören sich an Sperrstunde

In Luzern hat heute etwa das Schwarze Schaf seine Türen geöffnet. Bereits seit der letzten Lockerungswelle anfangs Mai hat Geschäftsführer Sam Alge sein Lokal beschränkt geöffnet. Nun ist er froh, wieder 300 Gäste im Schaf begrüssen zu dürfen: «Wir freuen uns sehr über die Lockerungen. Es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.» Auch er stört sich aber, dass er wegen der Sperrstunde bereits um Mitternacht wieder schliessen muss.

Der St.Galler Club Trischli wartet derweil noch ab. Voraussichtlich in einer Woche sollen dort die Türen wieder öffnen, «einerseits um das umfassende Schutzkonzept umsetzen zu können, andererseits um die Situation diesen Samstag genauestens analysieren zu können», wie Luca Frisulli vom Trischli schreibt. Auch wenn Sperrstunde und Obergrenze von 300 Personen alles andere als optimal seien, ist für Frisulli klar: «In Zeiten wie diesen steht das Miteinander und die Freude am Clubbing im Vordergrund.»

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195 Kommentare
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Albert

06.06.2020, 21:29

gibt man jemand den kleinen Finger nehmen sie selber die ganze Hand....dass ist bei sogenannten studierten wo meinen sie seien die allerbesten im ch staat als BR wahrlich noch nie im hirn angekommen. von führung keine ahnung nur grosse klappe, zumindest 6 von den 7.

Sandra

06.06.2020, 21:16

Ich dachte, um sich anzustecken, benötigt es nur 15 min engeren Kontakt. Aber anscheinend kann sich das Virus erst ab Mitternacht ausbreiten :-)

dr house

06.06.2020, 21:08

und warum "befürchten" die clubs, dass sich die party auf die strasse verlagert? sicher nicht wegen dem lärm oder den nachbarn, sondern weil ihnen dadurch umsatz entgeht. da ist ganz einfach eine polizei mit eier gefragt, die ein solches "ausweichen" gar nicht erst aufkommen lässt. sorry, von 18 bis 24 uhr sind genau so 6 stunden, wie von 24 bis 06 uhr - mit dem einzigen unterschied, dass die anwohner mit der polizeistunde um 24 uhr noch eine geringe chance auf schlaf haben.