Tod an Bushaltestelle: Vor der Tat schliff er stundenlang das Beil

Aktualisiert

Tod an BushaltestelleVor der Tat schliff er stundenlang das Beil

Brisante Details zur Bushaltestellen-Tötung in Bern: Der Angeklagte klebte sich ein Bild eines Kindes auf die Stirn. Zu seinem Opfer schrie er: «Ich töte dich!»

von
Nora Camenisch
1 / 9
Ein Mann hat im Berner Wylerquartier am 17. Juli 2013 eine Frau erstochen. Der mutmassliche Täter A.C. soll ein Bordell in Hindelbank betrieben haben.

Ein Mann hat im Berner Wylerquartier am 17. Juli 2013 eine Frau erstochen. Der mutmassliche Täter A.C. soll ein Bordell in Hindelbank betrieben haben.

Telebärn
Beim Opfer handelte es sich um eine 34-jährige Französin, die seit längerem in der Schweiz gelebt hatte.

Beim Opfer handelte es sich um eine 34-jährige Französin, die seit längerem in der Schweiz gelebt hatte.

Telebärn
Polizeibeamte durchkämmten nach dem Mord im Berner Wyler-Quartier die Umgebung. Die Bluttat nahm im zweiten Stock des Wohnblockes im Hintergrund ihren Anfang.

Polizeibeamte durchkämmten nach dem Mord im Berner Wyler-Quartier die Umgebung. Die Bluttat nahm im zweiten Stock des Wohnblockes im Hintergrund ihren Anfang.

am

Zum Prozessauftakt am Montagmorgen sagte zunächst eine Freundin des Opfers vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland aus. Sie war bei der Tatnacht dabei und wurde selber vom Täter angegriffen.

Die beiden Frauen betraten in der Tatnacht am 17. Juli 2013 die Wohnung des Paares. Dort wartete der Beschuldigte bereits auf seine Partnerin, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Der damals 44-jährige Spanier hatte sich mit einem Beil und einem Messer bewaffnet. Das Küchenbeil hatte er sich zuvor gekauft und es über längere Zeit geschliffen, während er zehn Stunden auf seine Partnerin gewartet hatte, wie es in der Anklageschrift weiter heisst. In dieser Zeit hat er auch 5 cl Whisky und 1 dl Kirsch getrunken.

Opfer gelang die Flucht aus der Wohnung

Die Freundin seiner Partnerin betrat als erste die Wohnung. Der Täter trat ihr bewaffnet mit Messer und Beil entgegen. Weiter hatte er sich ein Foto des Kindes der Freundin auf die Stirn geklebt. Es kam zu einem Gerangel, denn die Freundin versuchte den Mann von seiner Partnerin fernzuhalten. Diese flüchtete ins Schlafzimmer. Der Täter folgte ihr, brach die Türe auf und stach auf sie ein. Die Freundin des Opfers sagte heute Morgen vor Gericht aus, der Beschuldigte habe geschrien «Ich töte dich, ich töte dich».

Dem Opfer gelang es aus der Wohnung zu fliehen. Der Beschuldigte verfolgte sie. Bei der Bushaltestelle Markuskirche brach die 34-Jährige zusammen. Der Täter stach wieder auf sie ein. Dann ergriff er die Flucht. Die Frau verblutete.

Der Mann hätte sich laut Anklageschrift gar nicht in der Wohnung aufhalten dürfen. Die Polizei hatte ihn weggewiesen und ihm die Wohnungsschlüssel abgenommen. Mit einem Reserveschlüssel hatte er sich Zutritt verschafft.

Anwohnerin fand Opfer

Die Tat geschah in einer Julinacht im Sommer 2013 mitten im Berner Wylerquartier. Eine Anwohnerin schilderte damals gegenüber 20 Minuten die grausame Tat. Sie habe gehört, wie eine Frau um Hilfe geschrien habe. Dann sei sie ans Fenster gegangen und habe gesehen, wie ein Mann aus dem Haus kam und der Frau hinterher rannte. «Bei der Bushaltestelle Markuskirche hat er sie eingeholt. Er riss sie zu Boden und prügelte mehrmals auf sie ein – mit einem spitzen Gegenstand», so die Augenzeugin damals.

Eine weitere Anwohnerin fand das Opfer später bei der Bushaltestelle Markuskirche – sie lag in ihrer Blutlache. Für die 34-jährige Französin kam jede Hilfe zu spät.

Täter nach rund drei Wochen gefasst

Rund drei Wochen nach der Tat konnte die Kantonspolizei Bern den mutmasslichen Täter, einen damals 44-jährigen Mann, in Lyss festnehmen.

Der Mann soll zudem weitere Delikte begangen haben – unter anderem geht es um versuchte schwere Körperverletzung, versuchte vorsätzliche Tötung und Vergewaltigung. Der schmächtige Spanier erschien am Dienstag in beiger Hose und blauem Poloshirt vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Während der Befragung der Freundin der Verstorbenen wurde er in einen anderen Raum gebracht. Einvernommen werden sollte am Montag eigentlich auch das Opfer der Vergewaltigung. Die Frau musste aber aus gesundheitlichen Gründen das Gericht verlassen. Wann die Befragung nachgeholt wird, ist noch unklar.

Einvernahme des Beschuldigten am Mittwoch

Der Prozess wird am Dienstag mit der Befragung einer forensischen Psychiaterin und weiterer Zeugen fortgesetzt. Der Beschuldigte soll dann am Mittwoch einvernommen werden. Das Urteil wird am Dienstg nächster Woche erwartet.

Deine Meinung