Aktualisiert 06.02.2019 10:21

Basel

Vor diesem Blitzer ist nicht mal das Tram sicher

Im St. Alban-Graben in Basel steht zurzeit der fleissigste Blitzer der Schweiz. Neben fehlbaren Automobilisten blendet er allerdings auch im Akkord Tramchauffeure.

von
lha

17 Mal pro Stunde fährt tagsüber im Schnitt ein Tram vom Bankverein zum Basler Kunstmuseum. Und bei praktisch jeder Durchfahrt wird ein Fotobeweis elektronisch zur Polizei übermittelt: Die Radaranlage im St. Alban-Graben, die primär zur Durchsetzung des dort geltenden Fahrverbots aufgestellt wurde, unterscheidet nicht zwischen Auto und Tram.

Alles, was die Stelle mit mehr als 10 Stundenkilometern passiert, wird geblitzt. «Eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien ist technisch nicht möglich», erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Die Basler Verkehrs-Betriebe wurden von der Polizei vorgewarnt. «Der Fahrdienst ist über die Leitstelle entsprechend informiert worden», erklärt BVB-Sprecher Benjamin Schmid auf Anfrage.

«Drämmli, Drämmli, Drämmli. Drämmli,Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,Jä – Drämmli di blitz y nämmli.»

Bangg vom Anggebliemli 1973, update 2019

Das Geblitze dürfte für das Fahrdienstpersonal ärgerlich sein, im Gegensatz zu betroffenen Autofahrern bleibt es aber ohne Folgen. Das Fahrverbot im St. Alban-Graben gilt wegen des Baus des Kunstmuseum-Parkings und der Umgestaltung der Kreuzung. Sobald die Baustelle Ende März in Vollbetrieb geht, fährt nicht einmal mehr das Tram durch.

«Fahren blind durch die Gegend»

Mindestens so oft wie das Drämmli werden an besagter Stelle nach wie vor Autos geblitzt. Deren Lenker haben, wenn sie von der Elisabethenstrasse her kommen, schon mindestens vier Fahrverbote ignoriert (20 Minuten berichtete). Das erstaunt Marco D'Amico, Präsident des Fahrlehrerverbands Basel, überhaupt nicht. «Wir fahren blind durch die Gegend», sagt er. «Gerade beim Lesen von Verbotsstafeln tun wir uns schwer.» Als Grund für diese Immunität gegen geänderte Verkehrsführungen vermutet D'Amico in erster Linie die Macht der Gewohnheit.

Der Blitzer im St. Alban-Graben ist kein Einzelfall. In Allschwil, wo die Baslerstrasse erneuert wird, werde die Signalisation ebenso missachtet. Tagsüber stehen dort vier Mitarbeiter eines Verkehrsdienstes und hätten alle Hände voll zu tun, berichtet D'Amico. «Es fahren ihnen ständig Leute entgegen, obwohl sie gar nicht dürften.»

Wie das Fahrverbot in der Elisabethenstrasse und im St. Alban-Graben systematisch missachtet wird, sehen Sie hier. (Video: 20 Minuten)

Was und wann in Basel 2019 gebaut wird, sehen Sie auf der interaktiven Karte.

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