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Fall YleniaVor einem Jahr stockte der Schweiz der Atem

Am 31. Juli jährt sich die Ermordung von Ylenia ein erstes Mal. Die verzweifelte Suche nach dem kleinen Mädchen aus Appenzell hat die Schweiz wochenlang in Atem gehalten. Rückblick auf eine Tragödie – und was die Schweiz daraus gelernt hat.

Der mutmassliche Mörder, ein 67-jähriger Auslandschweizer, hatte das Mädchen am 31. Juli 2007 entführt, mit Gift umgebracht und seine Leiche in einem Wald bei Oberbüren SG tief in der Erde vergraben.

Trotz intensiver Suche durch Hunderte Helfer mit Hunden, Helikoptern und Tauchern blieb das Mädchen scheinbar unauffindbar - sieben Wochen lang. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr schrumpfte die Hoffnung, das Kind lebend zu finden.

Weil Wildtiere die sterblichen Überreste von Ylenia ausgescharrt hatten, fand ein Informatiker, der auf eigene Faust nach dem Mädchen gesucht hatte, dessen Leiche am 15. September in einem Wald.

Die schreckliche Vorahnung wurde zur Gewissheit: Sein Peiniger hatte das Kind aus sexuellen Motiven entführt und wenige Stunden später mit Toluol, einem Bestandteil von Nitroverdünner, umgebracht.

Auf dem Weg zum Hallenbad verschwunden

Das kleine Mädchen war am 31. Juli um 10 Uhr vor dem Hallenbad in Appenzell letztmals gesehen worden, als es dort ein Shampoo holen wollte, welches es am Tag zuvor vergessen hatte. Eine sofort eingeleitete Suchaktion brachte am folgenden Tag erste Hinweise.

Ein weiteres Verbrechen führte die Polizei auf die Spur eines 67- jährigen Auslandschweizers, der seit einigen Wochen in der Ostschweiz umherreiste, angeblich um die Rückkehr in die Schweiz vorzubereiten.

Dieser Mann hatte am 31. Juli in jenem Wald bei Oberbüren, wo Wochen später ihre Leiche gefunden wurde, einen 46-jährigen Mann angeschossen. Der Tatverdächtige nahm sich wenige Stunden nach den Schüssen selbst das Leben.

Seine Leiche wurde am 1. August von der Polizei gefunden. DNA- Spuren des 67-jährigen Auslandschweizers am Kickboard, dem Velohelm und dem Rucksäcklein des Mädchens entlarvten den Mann als Entführer des Kindes.

Keine brauchbaren Hinweise

Weder die wiederholten Veröffentlichungen von Bildern mit dem Tatverdächtigen und dessen Fahrzeug noch eine Suchmeldung über die Fernsehsendung Aktenzeichen XY brachten konkrete Hinweise. Polizei und Justiz konnten zwar die Entführung rekonstruieren, vom Mädchen fehlte aber wochenlang jede Spur.

Der Zufall und die intensive Suche eines jungen Mannes brachten 47 Tage nach dem Verschwinden des Kindes Gewissheit: Ylenia war tot - ermordet von einem wahrscheinlich pädophilen alten Mann, der sein Opfer gezielt ausgesucht und umgebracht hatte.

Soko Rebecca

Mit dem Verschwinden von Ylenia wurde die Sonderkommission «Rebecca» wieder aktiv. Die Arbeitsgruppe verschiedener kantonaler Polizeikorps prüft Fälle von verschwundenen Kindern in der Schweiz.

Die Ermittler fanden keine Hinweise darauf, dass der mutmassliche Mörder von Ylenia etwas mit dem Verschwinden von Kindern in den 80er-Jahren in der Schweiz zu tun hatte. Untersucht wurde das Bewegungsbild des damals als Vertreter in der Schweiz arbeitenden Mannes und Gegenstände, die bei einer Hausdurchsuchung seines Wohnhauses in Spanien sichergestellt wurden.

Neues Alarmsystem

Die traurige Geschichte von Ylenia wirkt in der Schweiz nach. Dank eines neuen MMS-Alarmsystems sollen entführte Kinder möglichst rasch gefunden werden. Vorbilder für ein solches Alarmsystem sind die USA, Kanada und Frankreich.

Das eidgenössische Parlament hat dazu im Dezember letzten Jahres zwei Vorstösse überwiesen. Die Stiftung für die Auffindung von vermissten Kindern (FREDI) doppelte Anfang Juli mit einer Petition nach.

«Ylenia»-Stiftung

Kurz nach der bewegenden öffentlichen Trauerfeier für ihre Tochter gründete die Mutter des Mädchens die Stiftung «Ylenia». Der Zweck der Stiftung: Der unbegreifliche Tod Ylenias soll für Kinder in Not etwas Positives bewirken.

Das Stiftungs-Kapital beträgt per Anfang Juli gut 165 000 Franken, wie die Stiftung auf ihrer Website bekannt gibt. Ende Juli - ein Jahr nach dem Tod des kleinen Mädchens - dürfen sieben- bis neunjährige Kinder dank Geld der Ylenia-Stiftung unbeschwerte Ferien in Engelberg erleben. (sda)

Geld für philippinische Kinder

Die Stiftung Ylenia unterstützt eine Primarschule auf den Philippinen mit 182 000 Franken. Mit dem Geld sollen Schuluniformen und -material für 180 Schulkinder der Rissing-Primarschule im Norden der Philippinen gekauft werden. Ausserdem wird ein Schulgebäude gebaut, das den Namen Ylenia tragen soll. Weiter sollen die Familien der Schulkinder für eigene Projekte Kleinkredite erhalten. (Quelle: Woodwing)

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