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Arthur MillerVor fünf Jahren starb das Gewissen Amerikas

Arthur Miller war so, wie man sich einen schillernden Ostküsten-Intellektuellen vorstellt: Aus wohlhabendem Hause, aber links, Jude, aber Atheist, gut aussehend, aber betont uneitel. Am nächsten Mittwoch vor fünf Jahren starb er.

von
Chris Melzer
dpa

Geboren wurde Arthur Asher Miller 1915 als Sohn eines polnischen Immigranten, der es - obwohl des Lesens und Schreibens unkundig - mit Damenkleidung zu Wohlstand gebracht hatten. Doch kurz nach Arthurs 14. Geburtstag nahm die Weltwirtschaftskrise der Familie alles.

Statt im Haus in Manhattan und im Sommerhaus in Queens, lebten die Millers nun in Brooklyn. Arthur musste vor der Schule Brot ausfahren, damit die Familie über die Runden kam. Später waren es gleich eine Handvoll Jobs, um das Studium zu ermöglichen.

Stücke schon im Studium

Miller suchte sich das Fach Journalismus aus. Nebenbei verfasste er ein erstes Stück: «No Villain» (»Kein Gauner»). Angeblich schrieb er es in sechs Tagen, um den mit 250 Dollar dotierten Hopwood Award zu gewinnen.

Es gelang, Miller wechselte das Fach und schrieb fortan Theaterstücke. Als er 1938 seinen Abschluss in Anglistik machte, war er an den Theatern der Umgebung schon ein gut eingespielter Autor.

Zu der Zeit heiratete er seine College-Liebe Mary Slattery. Zwei Kinder bekamen sie, der Sohn Robert verfilmte später Millers «Hexenjagd». Darin geht es vordergründig um die Hexenprozesse im Salem des Jahres 1692, tatsächlich aber um Senator Joseph McCarthys Verfolgung von Kommunisten.

Marilyns Mann

Im «Tod eines Handlungsreisenden» übertraf sich Miller selbst. Die Geschichte des Willy Loman, der nur den beruflichen und finanziellen Erfolg als Lebensglück gelten lässt, begeisterte Kritiker und Publikum. Hunderte Male füllte das Stück die Theater, Miller gewann einen Tony Award und einen Pulitzer-Preis. Fast ein Dutzend Mal wurde das Stück verfilmt.

1956 verliess er seine Frau und heiratete noch im selben Jahr heimlich die wohl berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit: Marylin Monroe. Für die Fans verbanden sich hier Geist und Schönheit, für die weniger Wohlmeinenden eine naive Blonde und ein liebeskranker Intellektueller.

Miller schenkte Monroe ein Drehbuch: «Misfits - Nicht gesellschaftsfähig». Der Streifen, in dem sie nicht Sexsymbol, sondern Charakterschauspielerin ist, war Monroes letzter Film. Bei der Premiere war die Ehe mit Miller schon zerbrochen.

Der hatte bei den Dreharbeiten die österreichische Fotografin Inge Morath kennengelernt. Kurz nach der Scheidung von Monroe heiratete er sie. Die Ehe hielt bis zu Moraths Tod 2002. Etwas später teilte der 89-Jährige zum Entsetzen seiner Kinder mit, er lebe mit der 55 Jahre jüngeren Malerin Agnes Barley zusammen.

Sein Ruf wurde dadurch kaum beschädigt. Immer wieder hatte er sich zu Wort gemeldet, zuletzt oft und heftig gegen die Politik des damaligen Präsidenten George W. Bush. Als Miller starb, würdigten ihn Zeitungen als «das Gewissen Amerikas».

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