Streit um America's Cup: Vor Gerichtstermin fliegen wieder die Fetzen
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Streit um America's CupVor Gerichtstermin fliegen wieder die Fetzen

Der Streit zwischen America's-Cup-Titelverteidiger Alinghi und dem amerikanischen Herausforderer BMW Oracle will einfach kein Ende nehmen. Vorwürfe werden mit Gegenvorwürfen beanwortet - eine Lösung ist nicht in Sicht. Nächster Fixpunkt ist am Dienstag eine weiterer Gerichtstermin in New York.

Von Rekursen zu Berufungen, von Anschuldigungen zu Glaubensbekenntnis, von Argumenten zu Demonstrationen - die 33. Austragung um die älteste Sport-Trophäe der Welt ist zur juristischen Farce verkommen. Wer ist schuld an dieser Blockade? Wer spielt die Rolle des Bösewichts in dieser bewegten Geschichte?

«Das vergiftete Protokoll von Alinghi ist die Ursache allen Übels», sagt Russell Coutts, Skipper bei BMW-Oracle. Der Neuseeländer hat Alinghi 2003 zum ersten America's-Cup-Sieg geführt, ist aber seit 2007 für das amerikanische Syndikat von Milliardär Larry Ellison tätig.

Coutts' Schimpftirade

Coutts macht seine Meinung deutlich. Alinghi habe schon immer schummeln wollen und versuche es auch weiterhin. «Sie haben ihr eigenes Schiedsgericht aufgestellt, um den spanischen Yachtclub mit seinem Syndikat 'Desafio Español' zum Herausforderer zu erklären. Erst letzten Sommer hat Alinghi mit dem internationalen Verband ein geheimes Abkommen getroffen, das dem Team erlaubt, die Kontrolle über die Regeln zu behalten. Ernesto Bertarelli hat alle Regeln geändert, um seinem Team alle Vorteile zu geben. Wenn Bertarelli diese Schritte nicht eingeleitet hätte, wäre es nie so weit gekommen», regt sich Coutts auf.

Auf die Schimpf-Tirade seines früheren neuseeländischen Weggefährten reagiert Bertarelli ironisch: «Ich bin der Bösewicht in einem Hollywood-Film.» Der Challenger stütze sich auf den Grundsatz, alles zu tun, um den America's Cup vor Gericht zu gewinnen, weil er Angst vor der direkten Konfrontation auf dem Wasser habe. «Das ist komplett falsch», entrüstet sich Coutts, «das sind lächerliche Unterstellungen. Wenn sie das den Team-Mitgliedern von BMW Oracle erzählen, würden die ihnen den Marsch blasen, glauben Sie mir.»

Ras-Al-Khaimah zu gefährlich?

Der letzte juristische Zankapfel zwischen den beiden Syndikaten sind die Vereinigten Arabischen Emirate - genauer gesagt Ras-Al-Khaimah, wo Alinghi den America's Cup ab dem 8. Februar 2009 zu segeln gedenkt. Den Amerikanern ist Ras-Al-Khaimah zu gefährlich, weil in unmittelbarer Nachbarschaft zum Iran liegend. «Jene, die jetzt Ras-Al-Khaimah kritisieren, sind dieselben, die 2007 mit Valencia nicht einverstanden waren. Wir haben zu Beginn vorgeschlagen, im Mai 2009 vor Valencia zu segeln. BMW Oracle war damals nicht einverstanden und beharrte auf einem Datum im Februar. Jetzt sind sie es, die das Datum verschieben wollen.»

In diesem Konflikt ist keine Lösung möglich, solange sich die beiden Milliardäre nicht einigen können. Coutts erinnert daran, dass BMW Oracle mehrmals versuchte, mit Alinghi eine Lösung zu finden, und dass sich Bertarelli und Ellison auf ein Treffen einigen könnten. «Ernesto war nie an einem zweiten Treffen interessiert», so Coutts. Das sieht Bertarelli wieder anders: «Zweimal war ich in San Francisco bei Larry Ellison. Ich habe das Gefühl, dass ich mich immer annähern muss. Die Welt beginnt nicht in New York und endet in San Francisco. Larry soll für Diskussionen hierher nach Ras-Al-Khaimah kommen.»

(si)

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