Snapchat: Vor ihm fürchtet sich Zuckerberg am meisten
Aktualisiert

SnapchatVor ihm fürchtet sich Zuckerberg am meisten

Die Erfolgsgeschichte von Snapchat scheint noch lange nicht zu Ende zu sein. Wie tickt Evan Spiegel, der Mann hinter der App mit dem Gespenst?

von
F. Lindegger
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Snapchat CEO hat sein Studium kurz vor dem Abschluss hingeschmissen, um sich um die Entwicklung der App zu kümmern. Snapchat gehört inzwischen zu den grössten sozialen Medien und hat Twitter in Sachen Nutzerzahlen abgelöst.

Snapchat CEO hat sein Studium kurz vor dem Abschluss hingeschmissen, um sich um die Entwicklung der App zu kümmern. Snapchat gehört inzwischen zu den grössten sozialen Medien und hat Twitter in Sachen Nutzerzahlen abgelöst.

AP/jae C. Hong
Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat das Potenzial von Snapchat bereits früh erkannt. Doch weder der Facebook-Klon Poke noch ein Kaufangebot in der Höhe von 3 Milliarden US-Dollar konnten die aufmüpfige Konkurrenz ausschalten.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat das Potenzial von Snapchat bereits früh erkannt. Doch weder der Facebook-Klon Poke noch ein Kaufangebot in der Höhe von 3 Milliarden US-Dollar konnten die aufmüpfige Konkurrenz ausschalten.

AP/Manu Fernandez
Bisher konnte Facebook potenzielle Konkurrenten weitgehend ausschalten. Whatsapp oder Instagram etwa wurden für rund 20 Milliarden Dollar aufgekauft.

Bisher konnte Facebook potenzielle Konkurrenten weitgehend ausschalten. Whatsapp oder Instagram etwa wurden für rund 20 Milliarden Dollar aufgekauft.

epa/Patrick Pleul

Gut zwei Jahre sind vergangen seit der Lancierung von Snapchat. Geld verdienen die Macher mit der App keines. Und auch einen Plan, bis wann Snapchat profitabel sein soll, gibt es offenbar nicht. Trotzdem will Facebook-Chef Mark Zuckerberg die App unbedingt kaufen. Drei Milliarden US-Dollar in Cash bietet er den beiden Gründern Evan Spiegel und Bobby Murphy. Snapchat ist die angesagteste App bei Teenagern, Facebook dagegen droht die ganz jungen Nutzer zu verlieren. Snapchat-CEO Spiegel schlägt die Offerte von Zuckerberg aus.

Das war im Herbst 2013. Spiegel ist zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Bei einem Verkauf hätte er mit seinem Anteil rund 750 Millionen Dollar eingestrichen. Den Aufbau von Snapchat gegen einen kurzfristigen Gewinn einzutauschen, empfinde er als nicht sehr interessant, erklärte Spiegle später. Ambitiös könnte man es nennen, wenn 750 Millionen Dollar für einen 23-Jährigen einen kurzfristigen Gewinn darstellen.

Seine Privatsphäre ist ihm wichtig

Spiegel ist inzwischen 26 und ärgert Mark Zuckerberg und Facebook noch immer. Über 150 Millionen Nutzer sollen inzwischen aktiv auf Snapchat sein. Für 2017 werden Einnahmen in der Höhe von über einer Milliarde Dollar erwartet. Stimmen die jüngsten Medienberichte, wagt das Unternehmen kommenden Frühling zudem den Gang an die Börse. Mit mindestens 25 Milliarden soll Snap Inc., so heisst das Unternehmen inzwischen offiziell, bewertet werden. Es wäre der grösste Börsengang in den USA seit dem chinesischen Online-Händler Alibaba 2014.

Über Spiegel, das Gesicht von Snapchat, ist nicht allzu viel bekannt. Er legt grossen Wert auf den Schutz seiner Privatsphäre. Die Informationen, die in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit gelangten, lassen den Sohn zweier Anwälte aber nicht nur im besten Licht erscheinen.

Verlobung mit Miranda Kerr

Die Idee, dass Nachrichten von selbst wieder verschwinden, stammte ursprünglich von Studienfreund Reggie Brown, der auch bei der Gründung des Unternehmens dabei war. Nachdem Brown auf einer grösseren Beteiligung an der Firma bestand, warfen ihn Spiegel und Murphy im Sommer 2011 kurzerhand aus dem damals noch sehr jungen Unternehmen raus. Als Brown später juristisch gegen Snapchat vorging, kam es schliesslich zu einer aussergerichtlichen Einigung.

Spiegel, Murphy und Brown lernten sich beim Studium an der Elite-Uni Stanford kennen. Alle drei waren Mitglieder derselben Studentenverbindung. Und aus dieser Zeit stammen die E-Mails von Spiegel, die vor rund zwei Jahren veröffentlich wurden. Ganz dem Klischee der US-Studentenverbindungen entsprechend prahlte er mit Partys, Drogen oder wie er seinen Freunden half, betrunkene Studentinnen («Sororisluts») ins Bett zu kriegen. In einem anderen E-Mail beschrieb er gar, wie er auf eine Frau pinkelte.

Als «beschämend» und «peinlich» nannte er die E-Mails aus seiner Studentenzeit später. Sie würden aber auf keinen Fall seiner heutigen Haltung gegenüber Frauen entsprechen. Die richtige Frau scheint er inzwischen jedenfalls gefunden zu haben. Seit Juli ist Spiegel mit dem sieben Jahre älteren australischen Supermodel Miranda Kerr verlobt.

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