Aktualisiert 23.06.2017 17:12

Fitness Challenge – Blog«Vor lauter Frust wollte ich mich nur noch betrinken»

Julias Gewicht stagniert, was sie härter trifft als erwartet. Den Frust hat sie mit Wein runtergespült – aber nur, bis der Kalorienzähler in ihrem Kopf ansprang.

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20M
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Das bin ich nach dem letzten Check bei Erpse: Frustriert und mit Brett vor dem Kopf, das nach Biergarten schreit (in solchen Momenten ist die Bayerin in mir besonders ausgeprägt). Ausgelöst wurde diese Reaktion durch die Werte, die die böse Fett-Mess-Zange, auch Caliper-Zange genannt, beim letzten Check anzeigte.

Das bin ich nach dem letzten Check bei Erpse: Frustriert und mit Brett vor dem Kopf, das nach Biergarten schreit (in solchen Momenten ist die Bayerin in mir besonders ausgeprägt). Ausgelöst wurde diese Reaktion durch die Werte, die die böse Fett-Mess-Zange, auch Caliper-Zange genannt, beim letzten Check anzeigte.

LIA
Mit dieser packt mein Experte Nilan bei jedem Besuch bestimmte Hautfalten (aua!) und misst so die Schichtdicke des Unterhautfettgewebes. Anhand der gemessenen Millimeter-Werte und mithilfe einer bestimmten Formel wird dann der Körperfettanteil berechnet.

Mit dieser packt mein Experte Nilan bei jedem Besuch bestimmte Hautfalten (aua!) und misst so die Schichtdicke des Unterhautfettgewebes. Anhand der gemessenen Millimeter-Werte und mithilfe einer bestimmten Formel wird dann der Körperfettanteil berechnet.

Andreypopov
Dieses Mal zeigte sich, dass ich in den vergangenen drei Wochen ein bereits verlorenes halbes Kilo Fett wieder zugelegt habe. Genauer gesagt zeigte die Zange an, dass ich zwar an Bauch und Hüfte noch mal minimal schmaler geworden bin, an anderen Stellen aber wieder zugelegt habe. «Typisches Zeichen für körperlichen Stress und zu wenig Erholung», meint Nilan.

Dieses Mal zeigte sich, dass ich in den vergangenen drei Wochen ein bereits verlorenes halbes Kilo Fett wieder zugelegt habe. Genauer gesagt zeigte die Zange an, dass ich zwar an Bauch und Hüfte noch mal minimal schmaler geworden bin, an anderen Stellen aber wieder zugelegt habe. «Typisches Zeichen für körperlichen Stress und zu wenig Erholung», meint Nilan.

Servus und hoi zäme

Da bin ich wieder und möchte auch gar nicht lange um den heissen Brei herumreden: Die siebte Woche der Fitness Challenge läuft – und ich bin immer noch gleich schwer wie vor knapp einem Monat. Das enthüllte die verdammte Waage beim inzwischen dritten Check bei Erpse in Winterthur und verpasste mir so einen ordentlichen Hieb in die Magengrube.

Die Tests zeigten, dass ich sogar ein bereits verlorenes halbes Kilo Fett wieder zugelegt habe. Aber wie zum Kuckuck ist das möglich? Seit fast zwei Monaten ernähre ich mich super bewusst und komplett schoggi- und alkoholabstinent! Die empfohlenen drei Mal Sport pro Woche ziehe ich eisern durch und ich bewege mich auch sonst 300-mal mehr als vor der Challenge.

Schon gewusst? Stress ist ein A***loch!

Die von mir gefürchtete Fettfalten-Mess-Zange (Erklärung in der Bildstrecke) enthüllte den Grund. Als Nilan, mein Betreuer, meine Röllchen damit packte, sagte er nur: «Dein Alltag ist grad wieder ziemlich stressig, stimmts?» – «Mmh, ja schon», murmelte ich und starrte dabei immer noch ungläubig und beleidigt auf die Waage.

Er könne das an der Entwicklung meiner Polster sehen, redete er weiter. Während ich zwar an Bauch und Hüfte schmaler geworden sei, hätte ich unter anderem am Rücken und den Oberschenkeln wieder ein bisschen zugelegt. «Typisches Zeichen für körperlichen Stress und zu wenig Erholung», so der Profi. «Aha», war meine einzige Reaktion. Nilan erklärte mir geduldig, dass mehr Stress mehr Säure in den Zellen bedeute und das wiederum blockiere die Fettverbrennung. «Na, toll!», sagte ich. «Scheisse!», dachte ich.

Nilan sprach mir Mut zu und ging jeden Punkt in meinem Ernährungs- und Trainingsplan noch mal mit mir durch. Dabei entschieden wir zum Beispiel, dass ich vorerst nicht mehr zum Indoor-Cycling gehen solle. Das, weil das harte Gruppen-Training im Moment mehr Stress als Entlastung für mich bedeutet. Dafür gibts ab sofort mehr Workouts daheim auf dem Crosstrainer oder draussen auf dem Velo – und zwar in meinem ganz eigenen Tempo. Und Yoga. Zur Entspannung.

«Streich ja nicht die Kohlenhydrate!»

Meine Frage, ob wir nicht einfach die Kohlenhydrate vom Essensplan streichen könnten, um den Zeiger auf der Waage endlich nach unten zu bewegen, beantwortete Nilan mit einem freundlichen, aber bestimmten: «Auf keinen Fall!» Gerade in stressigen Phasen wie jetzt seien diese besonders wichtig, um mich mental zu stärken und genügend Energie für den Alltag zur Verfügung zu stellen.

Wie immer klang alles, was Nilan sagte, super plausibel. Mein Hirn erinnerte sich jedoch genau noch zwei Stunden nach dem Treffen daran. Danach hallte nur noch eins nach: «Ich habe trotz allem zugenommen!» Der Frust klebte an mir wie die verschwitzten Kleider beim Training. Einfach abziehen liess der sich aber leider nicht.

Ich hatte die Schnauze schlicht und ergreifend voll. Und da half nur eins: Ein Abend unter Freunden, mit guten Gesprächen über alles, ausser über diese doofe Fitness Challenge. Und Wein. Um ganz ehrlich zu sein, nahm ich mir vor, mich richtig volllaufen zu lassen. Ich erhoffte mir davon, wenigstens für einen Abend die ernüchternden Resultate zu vergessen.

Körper besiegt Kopf

Tja. Auch das funktionierte nicht. Bei jedem Glas dachte ich an die unnötigen Kalorien, die ich gerade in mich reinschütte. Und dabei wurde ich aus unerfindlichen Gründen noch nicht mal betrunken ... wie unbefriedigend. Nach dem vierten Mal Nachschenken lehnte ich deshalb dankend ab.

Netterweise hatte ich am nächsten Morgen keinen Kater. Dafür aber eine Erleuchtung. Die kurze Auszeit und der Abstand haben mir geholfen, mich und meine Reaktion besser zu reflektieren. Beim Grübeln wurde mir bewusst, dass mich das alles nur so nervt, weil hier mein Körper entscheidet, und nicht der Kopf.

Will heissen: Egal, wie sehr ich es will, ich kann meinen Körper nicht zwingen, Gewicht zu verlieren. Jedenfalls nicht, wenn ich mich an die Anweisungen unserer Experten halten will. Das machte mich wütend. Und irgendwie hilflos.

Und jetzt?

Jetzt mach ich weiter. Hinschmeissen ist (noch) keine Option. Ich werde einfach versuchen, den Trainings- und Ernährungsplan noch genauer zu verfolgen – also selbst an richtig stressigen Tagen den Nachmittagssnack zum Beispiel nicht zu vergessen – und mir vor allem in meiner Freizeit mehr Zeit für mich zu nehmen. Und dann werden wir ja sehen, wer den längeren Atem hat. Das Fett oder ich ;-)

Liebe Grüsse und bis bald,

Julia

Die Fitness Challenge dauert von Mai bis November 2017 - Community-Chefin Julia und Creative Director Stefan treten gemeinsam mit 18 LeserInnen aus der ganzen Schweiz an. Begleitet werden sie dabei von Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli und dem Erpse-Team. Unterstützt wird das Programm von der KPT Krankenkasse und Polar. Die Challenge kann man auch auf Instagram verfolgen: 20min_Fitnesschallenge.

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