Auch das noch: «Vor neun Monaten las mein Mami ‹Fifty Shades›»
Aktualisiert

Auch das noch«Vor neun Monaten las mein Mami ‹Fifty Shades›»

«Fifty Shades of Grey» wird gerne von Kritikern auch «Mummy Porn» genannt. Müssen deswegen Babys jetzt mit Motto-Stramplern durchs Leben krabbeln?

von
bbe

Es geht um Unterwerfung, Dominanz, Lustschmerz und die Aufarbeitung eines Missbrauch-Traumas, wenn Milliardär Christian Grey seine Anastasia Steele von allen Seiten nimmt. Die Trilogie «Fifty Shades of Grey» von E.L. James ist ein Millionen-Bestseller. Wers mag, der liests.

SadoMaso-Strampler für die Kleinsten

Doch sitzt die Millionen-Leserschaft erst einmal im Boot, hören schlaue Vermarkter schon den ganz grossen Zaster knistern. Merchandising – ein Zauberwort, das nicht nur «Harry Potter»-Autorin J.K. Rowling zur Milliardärin machte. Über den Sinn von überteuerten Zauberstäben, Hexenmänteln oder Plastik-Puppen können Erziehungsberechtigte und Kinder gerne debattieren. Schliesslich sind die Kleinen die Zielgruppe.

Beim Verkauf von «Fifty Shades of Grey»-Artikeln liegt der Fall anders. US-Kritiker prägten den Begriff «Mummy Porn», weil die Abenteuer von Anastasia und Christian vor allem von – eben – Mamis gelesen werden. Trotzdem muss der Nachwuchs dran glauben: Da gibt es Pullöverchen mit dem Aufdruck «I'm the result of Mommy reading Fifty Shades of Grey» oder Strampler mit dem Schriftzug «I pretend Christian Grey is my daddy» zu kaufen. Wenn Mami oder Papi auf das Buch stehen, wird das Baby via Lätzli-Propaganda zum «By-product of Fifty Shades of Grey».

Klar, Babys werden bei Motto-Mode immer zur Werbefläche. Ob für «Mein kleines Pony», «Cars» oder andere kinderaffine Themen. Bloss gehts hier um was anderes: Um ein babyfernes Universum. Oder liessen Sie Ihr kleines Töchterchen mit Handschellen spielen? Wahrscheinlich nicht.

Modischer Schutz für Kleinkinder

Nun, liebe Eltern, ein bisschen Tabu-Bruch, Selbstironie und – wer weiss – Humor möge auch dabei sein. Aber Babys begreifen Ironie, Suberversivität oder lustige Eltern-Witze noch nicht. Und gehören deshalb modisch manchmal auch vor ihren Eltern geschützt.

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