Interview : «Vor September kein Angriff auf den Iran»

Aktualisiert

Interview «Vor September kein Angriff auf den Iran»

Israels Premier Netanjahu und US-Präsident Obama sind uneinig, wie der Atomstreit mit dem Iran gelöst werden soll. Nahost-Experte Ulrich Tilgner (64) nimmt Stellung.

von
Felix Traber
Benjamin Netanjahu und Barack Obama: Wie weiter mit dem Iran?

Benjamin Netanjahu und Barack Obama: Wie weiter mit dem Iran?

Ulrich Tilgner, würde Israel allein einen Erstschlag gegen iranische Atomanlagen wagen?

Ulrich Tilgner: Nicht zurzeit. Obama hat Israel zwar eine Garantie für militärischen Beistand gegeben, gleichzeitig aber betont, das Problem auf seine Art – nämlich diplomatisch – angehen zu wollen. Es war ein Kompromiss: Ein Militärschlag steht weiterhin im Raum, wenn die Sache aber diplomatisch gelöst werden kann, ist das auch Netanjahu recht.

Würden die USA also militärisch eingreifen?

Im Falle eines iranischen Gegenangriffs – und davon muss man ausgehen – würden die USA automatisch in diesen Krieg hineingezogen.

Was wären die globalen Folgen eines Militärschlags?

Wenn Israel den Erstschlag ausführt, wird die Region in einen Schwelbrand und wahrscheinlich in einen grossen Krieg hineingezogen. Wenn die USA angreifen, ist es unklar, ob der Iran militärisch reagiert: Die USA haben die Kapazität zum Zweitschlag, Israel jedoch nicht. Bis zum September muss sich weisen, ob es zu einer diplomatischen Lösung oder zum Angriff auf Atom-Ziele im Iran kommt.

Warum gewährt der Iran gerade jetzt Inspektoren Zutritt zur Atomanlage Parchim?

Der Iran will damit zeigen, dass er zu Konzessionen bereit ist und möchte nachweisen, dass er nicht militärisch atomar aufrüstet. Wenn die UN-Inspektoren nichts finden, wird es für den Westen schwierig, Iran weiterhin zu beschuldigen, atomar rüsten zu wollen. Teheran will seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, ohne in seinem Atomprogramm Abstriche machen zu müssen. Das wird den USA aber nicht reichen.

Netanjahu pocht auf Erstschlag

Benjamin Netanjahu erklärte in den USA, er wolle die Entwicklung von Atomwaffen im Iran mit allen Mitteln verhindern: «Ich spiele nicht mit der

Sicherheit des Staates Israel.» Gestern erklärte der Iran aber, UN-Inspektoren den Zutritt zu der militärischen Anlage Parchin zu gewähren. Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland wollen nun die Atomgespräche mit dem Iran wieder aufnehmen.

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