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YouTube-Filter«Vorabprüfung der Clips ist ausgeschlossen»

Die weltgrösste Videoplattform wird mit Pornos und Nazi-Clips geflutet. Das Löschen der illegalen Uploads gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Ein YouTube-Sprecher verriet 20 Minuten Online, wie der Missbrauch besser verhindert werden soll.

von
Manuel Bühlmann

20 Minuten Online testete wie effizient YouTube beim Zensieren von Filmen ist, deren Inhalte gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen. Während spätestens nach einem Tag die für die Testreihe hochgeladenen Sexfilme gelöscht wurden, blieben Clips, die nationalsozialistische Gräueltaten verherrlichen, unangetastet (20 Minuten Online berichtete). YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz ist die Problematik bekannt: «YouTube ist eine Videoplattform, die täglich von Millionen von Internetnutzern genutzt wird. Leider kann ebenso wenig wie bei anderen Internet-Diensten nicht ausgeschlossen werden, dass einige wenige die Plattform missbrauchen wollen und problematische oder unzulässige Inhalte einstellen.»

Der User ist der Filter

Sämtliche Videos, die User auf YouTube hochladen, werden ohne Überprüfung sofort freigeschaltet. «Da permanent eine grosse Menge an Inhalten auf die Plattform eingestellt wird, ist eine Vorabprüfung dieser Inhalte ausgeschlossen», sagt der

YouTube-Sprecher gegenüber 20 Minuten Online. Die Kontrollmechanismen greifen also erst, wenn die Zensoren auf einen Regelverstoss aufmerksam gemacht werden. Davon in Kenntnis gesetzt werden sie durch aufmerksame User. Diese können mit einem Klick jeden Film, der ihnen verdächtig scheint, mit einer roten Flagge markieren. «Unsere Mitarbeiter prüfen daraufhin – und das bereits nach dem ersten Flagging eines Clips – die gemeldeten Videos unverzüglich und löschen diese gegebenenfalls», schildert Dorstewitz die Vorgehensweise.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Eine einmal entfernte Videodatei kann gemäss YouTube nicht erneut hochgeladen werden, selbst wenn sie umbenannt wird. Dies soll laut YouTube eine eigens dafür entwickelte Videoerkennungssoftware verhindern. Der Test zeigte, dass die Software allerdings versagt, wenn nachträglich ein kurzer Trickfilmausschnitt vor den eigentlichen Clip eingefügt wird. Accounts von Usern, die wiederholt gegen die Nutzungsbedingungen verstossen, werden erst einmal für 14 Tage geblockt. Aber auch in diesem Fall ist dem Missbrauch noch lange nicht der Riegel vorgeschoben. Denn für einen gesperrten Nutzer ist es ein Leichtes, innert weniger Minuten mit einer neuen E-Mail-Adresse einen Account unter neuem Namen zu eröffnen.

Der Kontext ist entscheidend

Der Einsatz von Filtern, die illegale Inhalte selbständig von der Videoplattform fernhalten, sei noch zu wenig ausgereift: «Automatische Filter eignen sich nur bedingt. Ein aufklärendes Video einer Kampagne gegen Rechtsextremismus, das zum Beispiel einen 'tag' aus der Neonaziszene trägt, könnte fälschlicherweise gesperrt werden. Dieser Umstand macht eine Prüfung durch einen geschulten Mitarbeiter notwendig, der den Kontext eines Videos bei der Beurteilung miteinbeziehen kann und muss», so Dorstewitz. Dazu kommt, dass in den USA absolute Meinungsfreiheit herrscht und Filme hochgeladen werden dürfen, die in europäischen Ländern klar gegen das Gesetz verstossen würden.

«Wir arbeiten aber an verschiedenen weiterführenden Technologien und entwickeln unsere bestehenden Software-Tools ständig weiter», versichert Dorstewitz. Ausserdem soll die YouTube-Community vermehrt für rechtsextremistische Propagande sensibilisiert werden. Dafür würden einzelne Institutionen und Kampagnen finanziell unterstützt und mit entsprechenden Kanälen auf der Videoplattfrom beworben, lässt das Unternehmen mitteilen. Ob die Massnahmen auch tatsächliche den gewünschten Erfolg bringen werden, wird sich zeigen.

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