Willensstärke: Vorsätze umsetzen - so klappts
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WillensstärkeVorsätze umsetzen - so klappts

Neue Experimente zeigen: Es ist tatsächlich alles nur Kopfsache. Doch mit einem einfachen Trick lässt sich der Erfolg für alle guten Vorsätze deutlich erhöhen.

von
oku
Rauchen aufhören, weniger essen, mehr Sport - mit dem richtigen Denkansatz klappt es deutlich leichter. (Bild: Colourbox)

Rauchen aufhören, weniger essen, mehr Sport - mit dem richtigen Denkansatz klappt es deutlich leichter. (Bild: Colourbox)

«Jetzt aber mal wirklich: Ab dem neuen Jahr rauch ich nicht mehr!» Ein hehrer Vorsatz, den sich Thomas schon mehrfach für das neue Jahr vorgenommen hat. Meist hat es auch einige Wochen ganz gut geklappt. Aber bei allen vier seiner bisherigen Guten-Vorsatz-Versuchen kam im Laufe des Jahres ein Rückfall, der die Motivation des 42-Jährigen vernebelte und alle hehren Ziele des Basler Versicherungsexperten in Rauch aufgehen liess. So wie ihm ergeht es Tausenden, die sich zum Jahreswechsel fest vornehmen, dies oder jenes in ihrem Leben endlich zu ändern. Während einige ihr Vorhaben erfolgreich durchziehen und sich am Ende auf die Schultern klopfen können, wirft die Mehrheit der Änderungswilligen meist schon bald die Ziele klammheimlich über Bord und verfällt in alte Verhaltensmuster. Warum das so ist und wie man vorzeitigen Abbrüchen erfolgreich entgegegenwirken kann, haben jetzt Wissenschaftler der Uni Zürich untersucht.

Eine Diät halten, sich von unliebsamen Gewohnheiten verabschieden oder weniger fernsehen – immer, wenn es darum geht, Impulse oder Wünsche zu unterdrücken, um ein Vorhaben umsetzen zu können, braucht der Mensch Willenskraft bzw. – präziser – Selbstkontrolle. Dabei scheint die Selbstkontrolle umso schwieriger zu werden, je mehr man davon bereits aufgewendet hat. Nach einem anstrengenden Arbeitstag auf Erholung und Fernsehen zu verzichten, um beispielsweise die Steuererklärung auszufüllen, ist deshalb für viele Menschen besonders schwierig.

Selbstkontrolle ist nicht bei jedem gleich ausgeprägt

Veronika Job, Motivationspsychologin der Universität Zürich, wollte wissen, inwieweit der nötige Durchhaltewillen davon abhängt, wie man über die Willenskraft denkt. In einem Experiment zusammen mit Kollegen der Stanford University wurde dazu mittels Fragebogen erhoben, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Willenskraft allgemein denken. Sie gaben an, ob sie Aussagen zustimmten wie: «Nach einer anstrengenden mentalen Tätigkeit ist meine Energie erschöpft und ich muss mich erholen, um sie wieder aufzutanken.» Anschliessend hatten sie eine Reihe von Aufgaben zu lösen, die Selbstkontrolle erfordern. Unter anderem mussten sie in einem Text den Buchstaben «e» durchstreichen oder die Farbe von Wörtern benennen, wobei die Bedeutung des Wortes häufig nicht mit der Farbe der Schrift übereinstimmte (z. B. war das Wort «rot» in grüner Farbe geschrieben).

Wer daran glaubt, hält besser durch

Laut Job haben Menschen, die glauben, dass Willenskraft eine limitierte Ressource ist, bei kontinuierlicher Beanspruchung auch tatsächlich Schwierigkeiten. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft unlimitiert verfügbar ist, können sich auch bei wiederholter Beanspruchung gut selbst kontrollieren.

«Die Ergebnisse dieser Studie», resümiert Veronika Job, «sind besonders wichtig für Menschen, die mit vielen Ansprüchen an Selbstkontrolle konfrontiert sind. Menschen etwa, die ihren Lebenswandel durch Sport oder Diät nachhaltig verändern möchten oder Menschen, die während bestimmten Phasen an ihrem Arbeitsplatz viel Konzentration und Ausdauer benötigen. In diesen Situationen kann es wichtig sein, zu wissen, dass Selbstkontrolle viel weniger limitiert ist, als dies bisher angenommen wurde.»

Gute Nachrichten also für alle, die sich zum Jahreswechsel viele gute Vorsätze nehmen: Zu verändern, was Menschen bezüglich ihrer Willenskraft erwarten, kann ihre tatsächliche Fähigkeit zur Selbstkontrolle verändern.

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