Aktualisiert 16.05.2010 10:52

Goldiges HochVorsicht beim Altgoldhändler

Der Goldpreis befindet sich auf einem Rekordhoch. Viele verkaufen jetzt ihren alten Goldschmuck. Doch die Preise der Ankäufer variieren stark.

von
Sandro Spaeth

Der Goldpreis ist wegen der Griechenlandkrise auf ein neues Rekordniveau geklettert. Grund: Die Investoren fürchten den Wertverlust des Euro und flüchten in einen «sicheren Hafen» – ins Gold. So notiert die Unze (31,1 Gramm) derzeit über der bisherigen Rekordmarke von 1226 Dollar und liegt bei 1247 Dollar. Fürs Kilo Gold bedeutet dies einen Preis von rund 44 700 Franken.

Von diesem Rekordhoch wollen auch viele Altgoldbesitzer profitieren. Ihre Möglichkeiten, die alten Colliers und Ringe abzustossen, sind zahlreich: Täglich finden in Schweizer Hotelsälen Ankaufsveranstaltungen statt und die Inseratespalten der Zeitungen sind voll mit Botschaften wie «Jetzt Altgold verkaufen», «Altgold ist Bargeld!» oder «Wir bezahlen Höchstpreise».

Ansturm auf die Altgoldankäufer

Der Zeitpunkt, um Altgold zu veräussern, ist tatsächlich günstig, hat doch der Goldpreis seit seinem Tief im Januar 2009 (805 Dollar) um annähernd 55 Prozent zugelegt. Ein Nachfragen von 20 Minuten Online zeigt, dass die Altgoldankäufer alle Hände voll zu tun haben. «Seit die Schuldenprobleme Griechenlands in aller Munde sind, haben wir einen noch stärkeren Zulauf», sagt Michael Häberling von der Münzhandlung Erwin Dietrich AG in Zürich. Auch andere Ankäufer bestätigen, dass das Geschäft brummt.

Die Umfrage von 20 Minuten Online zeigt aber, dass nicht alle Händler gleich viel bezahlen. Die Ankaufspreise für verarbeitetes Gold (18 Karat) sind höchst unterschiedlich: So bezahlt die Firma Goldrausch an der Züricher Bahnhofstrasse 54 den Spitzenpreis von 28.88 Franken pro Gramm Gold. Nur einige Hausnummern später, an der Bahnhofstrasse 87, bietet der Schmuckhändler Goldhaus hingegen lediglich 18 Franken pro Gramm. Bei einer Goldkette von 80 Gramm macht dies einen Unterschied von über 800 Franken. Nochmals einen anderen Preis gibt's beim Versandankäufer «Cash your Gold», der 26.79 Franken pro Gramm offeriert.

Vorsicht ob Preis für 18 oder 24 Karat

Nicht alle Ankäufer geben also den derzeitigen Goldhöchstpreis an ihre Kunden weiter. Vom Goldpreis von über 44 700 Franken pro Kilo darf sich der Kunde aber nicht blenden lassen: Dieser Preis bezieht sich auf Feingold in Barrenform mit einer Reinheit von 999 Promille bzw. 24 Karat. Das goldene Armband aus der Erbschaft dürfte aber nur 18-karätigem Gold entsprechen, worauf auch der Prägestempel 750 (Promille) hinweist. 24-karätiges Gold wäre als Schmuck zu wenig stabil.

Wirbt ein Goldhändler mit Höchstpreisen, ist immer darauf zu achten, ob sich der Preis nun auf 18- oder 24-karätiges Gold bezieht. Zudem versuchen schwarze Schafe unter den Goldhändlern die Unwissenheit der Kunden auszunützen, indem sie ihnen folgende Frage stellen: «Was haben Sie sich denn für einen Preis vorgestellt?». Schlägt der ahnungslose Kunde einen tiefen Preis vor, willigt der Ankäufer sofort ein.

Tipp: Mehrere Offerten einholen

Um nicht übers Ohr gehauen zu werden, sollten Altgoldbesitzer verschiedene Offerten einholen. Laut Stichproben der Anlegerzeitung «K-Geld» kommt dieses Vorgehen bei vielen Händlern aber nicht gut an. Zudem wird klar: Das Geschäft mit Gold ist oft wenig transparent und die Ankäufer bieten für die offerierten Stücke lediglich einen Totalbetrag. Bei der Nachfrage nach Grammpreisen geben sich viele zugeknöpft.

Händler kalkulieren mit Kurschwankungen

Hat ein Händler genügend Gold angekauft, bringt er es in die Scheideanstalt, wo es eingeschmolzen wird. Daher kann er auch nicht den gesamten Rekordgoldpreis weitergeben, denn er muss die Schmelzkosten, einen Schmelzverlust sowie das Risiko für Kursschwankungen in seine Kalkulation einbeziehen. Denn: Im Unterschied zum Kunden, der das Geld beim Ankäufer bar auf die Hand bekommt, erhält der Händler von der Scheideanstalt die Abrechnung erst im Nachhinein. Bringt ein Ankäufer sein Gold nur alle paar Monate zur Scheideanstalt, wird das Risiko für Kursschwankungen umso höher.

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