Unliebsame Bakterien: Vorsicht beim Grillieren – Durchfallgefahr

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Unliebsame BakterienVorsicht beim Grillieren – Durchfallgefahr

Die Grill-Saison ist auch die Hochsaison der Magenbeschwerden. Seit Anfang Jahr gab es bereits 4027 Fälle von Campylobacteriose.

von
Camille Kündig

Grilliert man unsachgemäss kann es zu Durchfallerkrankungen kommen. Deshalb hier unsere Empfehlungen für den sicheren Grill-Spass. (Video: Camille Kündig)

Die warmen Sommertage sind da. Wir stürzen uns direkt nach dem Feierabend in die Badis, tragen leichte Sommerkleidchen und heizen fleissig den Grill ein. Doch der Tag nach dem fröhlichen Grillieren kann unbequem werden: Immer mehr Leute leiden an Durchfallkrankheiten, schreibt die Zeitung «Le Nouvelliste».

Elisa Emmrich ist Ärztin beim Hirslanden Praxiszentrum in Bern. Campylobacter-Infektionen seien die häufigste Ursache von Durchfallerkrankungen durch Lebensmittel, erklärt die Medizinerin. «Zu uns kommen regelmässig solche Patienten», sagt sie. Häufig reiche in solchen Fällen eine symptomatische Behandlung aus.

Bereits 800 Fälle mehr als letztes Jahr

Tatsächlich gibt es pro Jahr schweizweit über 7000 Fälle von Campylobacteriose, schreibt das Bundesamt für Gesundheit BAG. Anzahl steigend: Während das BAG Ende Juli 2015 Kenntnis von 3238 Fällen der Durchfallerkrankung hatte, sind es im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits rund 800 Fälle mehr. «Seit Anfang Januar 2016 wurden uns 4027 Fälle von Campylobacter gemeldet», sagt BAG-Mediensprecher Daniel Dauwalder.

Meist komme es im Sommer während der Grillsaison – wenn das rohe Poulet und der Salat auf dem gleichen Teller lägen oder das Poulet nicht ganz durch sei – zu den meisten Fällen. Eine weitere Hochzeit der Bakterien ist die Weihnachtszeit. «Wo das Fondue Chinoise in vielen Haushalten zum traditionellen Festessen gehört», so Katia Boggian, stellvertretende Chefärztin in der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen.

«Wer richtig grilliert, kann sicher geniessen»

Campylobacter-Infektionen seien im Prinzip nicht sehr häufig, aber im Sommer würden die Erkrankungen gerade beim Grillieren von Geflügel zunehmen, sagt auch Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene des Universitätsspital Basel.

Tatsächlich steckt man sich häufig über ungenügend erhitztes Fleisch mit der bakteriellen Infektionskrankheit an. Deshalb gilt gemäss BLV: «Wer richtig grilliert, kann sicher geniessen.» Und leide dann nicht bis zu zwei Wochen unter Durchfall. Diarrhö sei das wichtigste Symptom der Infektion, sagt denn auch Battegay. «Wenn Fieber auftritt, ist es meistens nicht hoch.»

Campylobakter weniger bekannt

Auch Michael Hofer, Arzt beim City Notfall Bern, bemerkt die Zunahme der Campylobacteriose-Fälle. «Hochgerechnet aufs Jahr kämen wir 2016 auf 142 Infektionen. Letztes Jahr waren es noch 116.»

Andri Rauch, stellvertretender Chefarzt Infektiologie am Universitätsspital Bern, verweist diesbezüglich auf eine mögliche Erklärung: In einer Studie aus dem Jahr 2015 kam man zum Schluss, dass Massnahmen zur Verbesserung der Lebensmittelhygiene bei Salmonellen bereits länger bestehen und besser etabliert sind, als dies bei Campylobacter der Fall ist.»

Dunkelziffer wohl hoch

Da die Campylobacter-Infektion eine meldepflichtige Erkrankung ist, werden dem BAG alle im Labor entdeckten Fälle gemeldet, erklärt Adrian Egli, Leiter Klinische Mikrobiologie des Universitätsspitals Basel. Dabei handelt es sich bei den BAG-Zahlen wohl nicht um alle Fälle von Campylobacter-Infektionen.

«Die Dunkelziffer ist sicher hoch, da nicht alle Personen mit Symptomen zum Arzt gehen», sagt auch Katia Boggian. «Bei längerer Dauer der Symptomatik, Schwangerschaft oder Immunsuppression sollte aber eine antibiotische Therapie erfolgen», mahnt die Ärztin.

Will man kein Risiko eingehen und die Sommerferien gesund überstehen, empfiehlt es sich, beim Brutzeln einige Regeln zu beachten. In unserem Video sehen Sie, welche das sind.

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