Sexfilme: Vorsicht vor der Porno-Abo-Falle

Aktualisiert

SexfilmeVorsicht vor der Porno-Abo-Falle

Derzeit mehren sich die Fälle von Smartphone-Nutzern, die happige Rechnungen für Porno-Abos erhalten, ohne diese gelöst zu haben. Was Sie dagegen tun können.

von
Kaspar Wolfensberger
Wer im Internet Sex-Filmchen schaut, muss allenfalls mit einer bösen Überraschung rechnen - er könnte plötzlich Rechnungen für ungewollte Sex-Abos erhalten.

Wer im Internet Sex-Filmchen schaut, muss allenfalls mit einer bösen Überraschung rechnen - er könnte plötzlich Rechnungen für ungewollte Sex-Abos erhalten.

Wer sich auf seinem Smartphone ein Sexfilmchen ansehen möchte, der sollte dabei äusserst vorsichtig vorgehen. Er könnte sonst auf eine Porno-Abo-Falle hereinfallen. Diese funktioniert folgendermassen: Ein Handynutzer surft via Smartphone auf einer Sex-Plattform. Dort klickt er ein Video an und landet auf einer externen Seite. Er wird erneut gefragt, ob er ein Sexvideo schauen möchte, und klickt auf weiter. Da ist es bereits zu spät: Er hat ein Abo gelöst, wobei eine eigens dafür engagierte Firma illegalerweise die Nummer der Sexseiten-Besucher abgreift (siehe Box).

Die Firma, die hinter diesen Porno-Abos steht, heisst laut «Tages-Anzeiger» Pulsira Limited. Wie ein Blick ins englische Handelsregister zeigt, hat sie ihren Sitz in London. Nach Abschluss des Abos mit Pulsira soll ein Callcenter die betroffenen Personen anrufen, um unter Vortäuschung eines falschen Vorwands deren Adresse herauszufinden. In einem Test des «Tages-Anzeigers» habe der Anrufer beispielsweise gesagt, er wolle «wegen eines Krankenkassenvergleichs zu Hause vorbeikommen».

Brief von Inkasso-Firma

Wer den Anrufern seine Adresse verrate, erhalte kurze Zeit später entweder von der Firma Paypay oder von der Firma Obligo einen Brief. Diesem beigelegt sei jeweils eine Rechnung in der Höhe von rund 80 Franken, die von nun an monatlich für Porno-Abos zu bezahlen sei. Über die Inkasso-Firma Paypay berichteten in der Vergangenheit schon die Sendung «Kassensturz» oder das Radio-Magazin «Espresso». Die Vorwürfe auch damals: Paypay treibe Rechnungen für niemals gelöste Abonnemente ein.

Auf eine Anfrage von 20 Minuten mit der Bitte, zu den Vorwürfen Stellungen zu nehmen, reagiert Paypay-Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Hunziker mit Unverständnis: «Die Vorwürfe sind falsch und unzutreffend.» Den Firmen Paypay und Obligo sei nichts vorzuwerfen, sie handelten «in jeglicher Hinsicht absolut korrekt und wie es das Gesetz vorschreibt». Hunziker schliesst mit der Erklärung, dass der Vorwurf schon in der Vergangenheit erhoben worden sei, doch: «Ein unwahrer Vorwurf wird nicht wahrer, wenn er wiederholt wird.»

Mit eingeschriebenem Brief antworten

Wer trotz dieser Ausführungen überzeugt ist, ungerechtfertigterweise eine Rechung erhalten zu haben, kann sich wehren. Zu 20 Minuten sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder: «Man muss nur Rechnungen bezahlen für etwas, was man bestellt hat. Wurde man in die Irre geführt, muss man nicht bezahlen.»

Stalder empfiehlt den Rechnungsempfängern, dem Absender mit einem eingeschriebenen Brief zu antworten. Darin solle man schreiben, dass man offensichtlich getäuscht wurde und der Vertrag deshalb ungültig sei. «Weiter sollte man schreiben, dass man die Rechnung nicht bezahlen und auf weitere Korrespondenz nicht mehr reagieren werde», rät die Konsumentenschützerin.

Doch was ist zu tun, wenn es zu einer Betreibung kommt? «Bei einer ungerechtfertigten Betreibung sollten man Rechtsvorschlag erheben», sagt Stalder. «Das ist innert zehn Tagen ab Empfang des Zahlungsbefehls möglich.»

Sind Sie schon in die Porno-Abo-Falle getappt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte in einer E-Mail.

Swisscom sperrt Mehrwertdienstanbieter

Für die Beschaffung und Weiterleitung der Handy-Nummern an die Callcenter war wahrscheinlich die Firma VAS Tools zuständig. Ihr wird nun von der Swisscom vorgeworfen, sie habe gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen, indem sie die Handynummern abgegriffen habe, ohne dass der Kunde explizit einem Vertrag zugestimmt habe. Wie Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sagte, hat die Swisscom die VAS Tools bereits gesperrt und möchte nun juristisch gegegen sie vorgehen. Das beschuldigte Unternehmen bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. (kwo/sda)

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