«Hündisch» verstehen: Vorsicht, wenn der Hund links wedelt!

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«Hündisch» verstehenVorsicht, wenn der Hund links wedelt!

Wedelt der Hund mit dem Schwanz, freut er sich. Ganz so einfach ist es aber nicht: Es komme auch auf die Richtung des Wedelns an, sagen Forscher. Hunde verstehen diese Signale.

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dhr

Wedelnder Hund: Links- oder Rechtswedeln lässt sich unterscheiden. (Quelle: Univ. of Trento, Siniscalchi et al.)

Die wohl häufigste Fehlinterpretation des Körpersprache von Hunden ist der Mythos, dass ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, zufrieden und freundlich ist. Oft trifft dies zwar wirklich zu. Bestimmte Arten des Wedelns drücken indes Unsicherheit, Angst oder sogar eine Warnung aus, wie der bekannte Buchautor und Hundespezialist Stanley Coren schon 2011 festgestellt hat.

Forscher um Giorgio Vallortigara von der Universität Trento (Italien) haben nun nachgewiesen, dass die Artgenossen der wedelnden Vierbeiner diese Signale erkennen und einschätzen können. Sie reagieren je nach Wedelrichtung unterschiedlich, berichten die Forscher, die Hunden Videos schwanzwedelnder Artgenossen zeigten.

Bei Hunden hätten linke und rechte Gehirnhälfte ebenso wie beim Menschen verschiedene Aufgaben, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin «Current Biology».

Anhand der Wedelrichtung könnten Hunde offenbar ablesen, ob ein Artgenosse aus positiven oder negativen Gefühlen heraus den Schwanz schwenke. Ein eher nach rechts gerichtetes Wedeln (vom Tier aus gesehen) wird demnach bei aktiver linker Hirnhälfte ausgelöst und zeigt positive Emotionen an – etwa beim Anblick des Besitzers. Sei die rechte Hirnhälfte aktiv, folge ein eher nach links gerichtetes Wedeln, erläutern die Forscher. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn der Hund mit einem unfreundlichen Artgenossen konfrontiert sei.

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Unwillkürlich gewedelt

An eine direkte Kommunikation glauben die Wissenschaftler nicht. Das asymmetrische Wedeln spiegele eher die unterschiedliche Aktivierung der Gehirnhälften wieder, die Folge sei eine unbewusste Körpersprache – die von anderen Hunden aber offenbar richtig interpretiert werde. Auch für Hundebesitzer könne sie nützlich dafür sein, die Gemütslage ihres Vierbeiners genauer einzuschätzen.

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Deutlich unruhiger

In ihrer Studie setzten die Forscher 43 Hunde verschiedener Rassen vor Videos, auf denen ein Hund oder die Silhouette eines Hundes frontal zu sehen war. Der Schwanz bewegte sich darin entweder nach links, gar nicht oder nach rechts. Acht der Tiere sahen einen echten, 35 eine digitalisierte Version eines Hundes.

Talentierter Hund

Beim Anblick einer zur linken Seite wedelnden Hundegestalt seien die Zuschauer-Hunde deutlich unruhiger geworden, schreiben die Forscher. Ihr Puls stieg demnach teilweise auf das Doppelte des Ruhewertes. Bei einem Gegenüber, der zur rechten Seite wedelte, blieben die Tiere dagegen ruhig. Ob sie einem echten Hund oder dessen zur Silhouette transformierten Gestalt zusahen, habe keine Auswirkungen auf das Ergebnis gehabt.

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Stärkere Stressreaktion

«Die Wedelrichtung bedeutet den Tieren also etwas», schliesst Vallortigara aus der kleinen Versuchsreihe. «Ein Hund, der durch sein Wedeln positive Emotionen zeigt, erzeugt damit eine entspannte Reaktion bei seinem Gegenüber.» Silhouetten ohne Schwanzbewegung lagen bei den Reaktionen im Mittelfeld - sie hätten also stärkere Stressreaktionen ausgelöst als rechts wedelnde Hunde.

Das lasse sich damit erklären, dass ein ruhiger Schwanz kein positives Signal sei, sondern Anspannung und Angst bedeuten könne, heisst es in der Studie.

Hunde erkennen Links- oder Rechtswedeln bei Artgenossen auch dann, wenn nur die Silhouette sichtbar ist. (Quelle: Univ. of Trento, Siniscalchi et al.)

Was Wedelbewegungen bedeuten können

Hundeexperte Coren weist darauf hin, dass die Bewegung beim Wedeln auch deshalb so wichtig ist, weil Hundeaugen Bewegungen viel besser wahrnehmen können als Details oder Farben. Aus diesem Grund sei der Schwanz auch oft speziell optisch hervorgehoben, etwa durch eine helleo der dunkle Spitze oder eine buschige Form. Coren unterscheidet eine ganze Reihe von Wedel-Mustern:

• ein leichtes Wedeln, bei dem die seitlichen Bewegungen nur wenig raumgreifend sind: Oft bei der Begrüssung, sozusagen ein «Hallo!» oder «Hier bin ich!»

• ein breites Wedeln: «Ich fordere dich nicht heraus / bedrohe dich nicht»

Dieses Wedeln, so Coren, entspreche am meisten der herkömmlichen Deutung eines zufriedenen Wedelns, vor allem wenn es so aussehe, als zöge der Schwanz die Hüfte mit sich.

• ein langsames Wedeln mit dem Schwanz auf «Halbmast»: weniger sozial als die meisten anderen Signale. Generell sind gemäss Coren langsame Wedelbewegungen, bei denen der Schwanz weder in dominanter (hoher) noch unterwürfiger (niedriger) Position gehalten wird, ein Zeichen von Unsicherheit.

• kleine, schnelle Wedelbewegungen: Anzeichen dafür, dass der Hund etwas tun wird – meistens wegrennen oder kämpfen. Wird der Schwanz dabei in dominanter Position gehalten, ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Warnung. (dhr/sda)

Negative und positive Emotionen beim Wedeln (Bild: S. Coren)

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