Aktualisiert 01.06.2011 12:42

Veruntreuung

Vorsorgegelder abgezweigt - Busse

Ein Geschäftsführer einer Limmattaler Pensionskasse hat 120 000 Franken für sich abgezweigt. Nun wurde der Ex-Kadermann zu einer hohen Geldstrafe von 48 000 Franken verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war im Januar 2005, als zwei Limmattaler Kaufleute in Baden eine Vorsorgestiftung für Hotel- und Restaurationsbetriebe gründeten. Das Geschäft lief zunächst gut an, da schon nach einem Jahr die ersten Millionenbeträge in die Kassen flossen. Mit der Folge, dass sich bereits bald mehrere Angestellte trotz fehlenden schriftlichen Arbeitsverträgen grosszügige Monatslöhne von über 10 000 Franken gönnten. Zu ihnen gehörte auch der heute 43-jährige Geschäftsführer aus Unterengstringen. Er war vor allem für die Erschliessung neuer Kundenstämme verantwortlich und schoss laut Anklage über die Ziele hinaus.

Unbefugt Geldbeträge abgezweigt

Gemäss Staatsanwaltschaft eckte der italienische Staatsangehörige mit seinen aggressiven Geschäftspraktiken auch innerhalb der Firma an und zweigte ab Ende Mai 2006 unbefugt grössere Geldbeträge der Stiftung heimlich für sich ab. Teils als Lohn- und Spesenzahlungen. Bis zum Juli hatte der Beschuldigte mittels Codes für Insider über 156 000 Franken auf die Seite gebracht. Alleine 120 000 Franken hatte er noch einen Tag nach seiner fristlosen Entlassung für sich und einen Arbeitskollegen ins Trockene gerettet.

Mit massiven Folgen, da der Inhaber des Unternehmens den Geschäftsführer nicht nur auf die Strasse stellte, sondern auch die Polizei einschaltete.

Strafprozess trotz Vergleich

Der gefeuerte Versicherungsberater scheute eine Strafuntersuchung und einigte sich mit seinem Prozessgegner am Bezirksgericht Dietikon auf einen Vergleich. Wobei er 100 000 Franken der abgezweigten Gelder zurückerstattete. Trotzdem konnte der Mann aus Unterengstringen einen Strafprozess nicht mehr abwenden. So galt der eingeklagte betrügerische Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage als Offizialdelikt. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft lautete am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt.

Hohe, aber bedingte Geldstrafe

Vor den Schranken beteuerte der Angeklagte seine Unschuld und erklärte, dass es sich bei seinen Geldbezügen um berechtigte Lohnbezüge und Spesen aus bereits ausgelösten Verwaltungsbeträgen im Rahmen einer mündlichen Vereinbarung gehandelt habe. Im Gegensatz zum Staatsanwalt, der von einer illegalen Selbstbedienung von Vorsorgegeldern sprach.

Das Gericht kam zum Schluss zu Teilschuldsprüchen. Die Gelder, die der Beschuldigte vor seiner Kündigung bezogen hatte, siedelten die Richter infolge einer mangelnden Bereicherungsabsicht noch im grünen und damit legalen Bereich ein. Im Gegensatz zu den 120 000 Franken, die der Limmattaler noch nach seiner Entlassung an sich gerissen hatte.

Das Gericht setzte eine hohe, aber noch bedingte Geldstrafe von 240 Tagesssätzen zu 200 Franken an. Allerdings setzte es die insgesamt 48 000 Franken zur Bewährung aus. Der Gerichtsvorsitzende Philippe Ernst sprach von einem nicht mehr leichten Verschulden, da der Täter seine Vertrauensstellung missbraucht habe. Zudem sei es um Vorsorgegelder gegangen, was besonders heikel sei, sagte Ernst.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.