FRANKREICH: Vorwürfe gegen Forgeard: Insiderhandel
Aktualisiert

FRANKREICHVorwürfe gegen Forgeard: Insiderhandel

Die französische Justiz hat gegen den ehemaligen EADS-Co-Chef Noel Forgeard ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels eingeleitet.

Dies teilte sein Anwalt mit.

Nach rund 36 Stunden in Polizeigewahrsam und einer Anhörung vor einem Untersuchungsrichter sei Forgeard inzwischen aber gegen Kaution freigelassen worden, sagte Anwalt Jean-Alain Michel in der Nacht auf Freitag weiter. Der zweite Vorwurf - Täuschung der Finanzmärkte - sei fallengelassen worden.

Forgeard wird verdächtigt, Ende 2005 und Anfang 2006 interne Informationen aus dem Konzern zu seinem privaten Vorteil genutzt zu haben. Auch Forgeards damaliger Co-Chef, der Deutsche Thomas Enders, soll einem Zeitungsbericht zufolge in Kürze vernommen werden.

Die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens bedeutet in Frankreich noch keine Anklage und muss daher auch nicht zwingend zu einem Prozess führen.

Aktien rechtzeitig verkauft

Insiderhandel kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe geahndet werden, die die zehnfache Höhe des erzielten Gewinns erreichen kann. Forgeard erzielte bei drei Aktienverkäufen im November 2005 sowie im März 2006 einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro.

Auch Forgeards damaliger Co-Konzernchef Enders verkaufte damals Aktien. Kurz darauf wurden negative Nachrichten aus der EADS- Tochter Airbus bekannt, vor allem weitere Lieferverzögerungen beim Airbus A380. In der Folge verloren die Aktien an Wert. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete, die Ermittler wollten in Kürze auch den heutigen Airbus-Chef Thomas Enders vernehmen.

Die Lieferverzögerungen beim A380 und hohe Kosten für eine Neukonzeption des Langstreckenfliegers A350 hatten den Konzern im Jahr 2006 in eine tiefe Krise gestürzt. In der Folge wurde ein Spar- und Umstrukturierungsplan unter dem Namen «Power8» entworfen, der auch zahlreiche Stellenkürzungen vorsieht.

Forgeard musste Ende 2006 seinen Hut nehmen; eine Millionenabfindung für den Manager löste aber gerade angesichts der Sparmassnahmen grossen Unmut bei der Belegschaft aus.

(dapd)

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