Machtmissbrauch: Vorwürfe gegen Schweizer Hilfswerk-Chef
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MachtmissbrauchVorwürfe gegen Schweizer Hilfswerk-Chef

Ein interner Bericht wirft dem Schweizer Chef des Palästina-Hilfswerks der Uno Machtmissbrauch vor. Jetzt haben die Schweiz und andere Länder ihre Zahlungen eingestellt.

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nk
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Dem Chef des Uno-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, wird in einem internen Bericht Machtmissbrauch vorgeworfen. Er und sein innerer Zirkel hätten sich persönliche Vorteile verschafft.

Dem Chef des Uno-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, wird in einem internen Bericht Machtmissbrauch vorgeworfen. Er und sein innerer Zirkel hätten sich persönliche Vorteile verschafft.

epa/Haitham Imad
Der Schweizer Krähenbühl ist seit 2014 im Amt. Von Al Jazeera mit den Vorwürfen konfrontiert, bestritt er diese.

Der Schweizer Krähenbühl ist seit 2014 im Amt. Von Al Jazeera mit den Vorwürfen konfrontiert, bestritt er diese.

Keystone/Martial Trezzini
Die UNRWA kümmert sich speziell um Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten. Sie betreibt etwa Schulen und bietet Gesundheits- und Sozialdienste an.

Die UNRWA kümmert sich speziell um Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten. Sie betreibt etwa Schulen und bietet Gesundheits- und Sozialdienste an.

epa/Alaa Badarneh

Vetternwirtschaft, Machtmissbrauch und schlechtes Management im Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA): Das wird laut einem internen Bericht dem «inneren Zirkel» rund um den Schweizer Chef der NGO, Pierre Krähenbühl, vorgeworfen. Die Vorwürfe werden derzeit von der Uno-Aufsichtsbehörde OIOS untersucht, wie Al Jazeera berichtete.

Wegen der laufenden Untersuchung hat nun Belgien die Zahlungen an das Hilfswerk vorläufig eingestellt. Konkret geht es um zusätzliche 5,85 Millionen Franken, nachdem das Land dieses Jahr schon fast 7 Millionen Franken überwiesen hat. Auch die Schweiz und Holland geben der UNRWA v0rläufig kein Geld mehr. Die 20 Millionen Franken für 2019 sind aber laut dem Schweizer Aussendepartement (EDA) schon bezahlt worden.

«Unterdrückung anderer Meinungen»

Dem 53-jährigen Krähenbühl wird unter anderem vorgeworfen, Maria Mohammedi, mit der er eine Liebesbeziehung führte, einen Beraterposten in seinem Umfeld verschafft zu haben. Die Beziehung zwischen den beiden habe ein toxisches Arbeitsklima geschaffen, soll es in dem Bericht heissen.

Krähenbühl ist seit März 2014 Chef der Agentur. Seither hätten er und sein innerer Kreis, bestehend aus Vize-Chefin Sandra Mitchell, Stabschef Hakam Shahwan und Maria Mohammedi systematisch ihre Macht gestärkt, was zu «Machtmissbrauch für ihren persönlichen Vorteil und Unterdrückung anderer Meinungen» geführt habe.

Von Al Jazeera mit den Vorwürfen konfrontiert, stritten sowohl Krähenbühl als auch Mohammedi diese kategorisch ab. Mitchell und Shahwan arbeiten seit Juli 2019 nicht mehr bei der UNRWA.

Das macht die UNRWA

Das Hilfswerk der Uno für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) wurde 1949 gegründet. Es kümmert sich speziell um Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten. So betreibt es etwa Schulen und bietet Gesundheits- und Sozialdienste an. Rund eine halbe Million Kinder werden an den Schulen der UNRWA unterrichtet, das Hilfswerk beschäftigt etwa 30'000 Mitarbeiter.

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