Basler Wirtschaftsprozess: Vorwürfe: Regio-Aktuell-Verleger wehrt sich

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Basler WirtschaftsprozessVorwürfe: Regio-Aktuell-Verleger wehrt sich

Über Jahre soll Robert Gloor sein Heft «Regio Aktuell» mit prominenten Helfern um Millionen gebracht haben. Der Angeschuldigte sieht sich einer Rachekampagne ausgesetzt.

von
lha
Der Prozess am Strafgericht Basel-Stadt ist auf 7,5 Tage angesetzt.

Der Prozess am Strafgericht Basel-Stadt ist auf 7,5 Tage angesetzt.

In den Haushalten der Region Basel ist das monatlich erscheinende Heft «Regio Aktuell» bestens bekannt. Das nach eigenen Angaben grösste Magazin der Nordwestschweiz flattert jeweils gratis in die Briefkästen. Sein Herausgeber Robert Gloor muss sich nun am Dienstag vor dem Basler Strafgericht verantworten. Er und seine beiden Helfer Daniel Staehelin und Bernhard Madörin sind die Protagonisten eines spektakulären Wirtschaftsprozesses.

Über Jahre soll Gloor mit Hilfe des Basler Daig-Anwalts und Rechtsprofessors Daniel Staehelin und dem bekannten Treuhänder und IWB-Verwaltungsrat Bernhard Madörin den GTS Verlag geplündert haben. Das Verlagsvermögen wurde laut Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft um mindestens 1,3 Millionen Franken unrechtmässig ausgehöhlt. Gloor und Madörin werden mehrfache ungetreue Geschäftsführung, mehrfache Erschleichung einer falschen Beurkundung sowie mehrfacher Steuerbetrug vorgeworfen. Staehelin muss sich wegen ungetreuer Geschäftsführung verantworten.

Boni und Gratis-Urlaub

Verleger Gloor soll sich an seinem Unternehmen bereichert haben. Boni von über 400'000 Franken soll er sich ausbezahlt haben lassen. Auch für seine privaten Ferienreisen soll er sich laut Anklageschrift bezahlt haben lassen. Dafür soll er eigens die Firma Swiss Business Society gegründet haben, die mit Verlagsvermögen alimentiert worden sein soll.

Zusätzlich soll er sich mit Lizenzgebühren an einer Strohfirma auf den britischen Kanalinseln bereichert haben.

«Das ist ein Rachefeldzug»

Gloor bestreitet auf Anfrage von «20 Minuten» die Vorwürfe. Er sieht sich vielmehr einer persönlichen Rachekampagne seines Ex-Mitarbeiters Kurt Schudel ausgesetzt, den er 2002 entlassen hatte. Dieser hatte den Prozess 2010 mit einer Anzeige gegen Gloor ins Rollen gebracht. Schudel, der einst für 50'000 Franken Aktien der GTS Verlag AG erwarb, sieht seine Aktionärsrechte verletzt und sein Kapital verwässert durch die von ihm monierte Aushöhlung des Verlags. «Der versucht mich seither zur Sau zu machen», sagt Gloor.

Auch an der Staatsanwaltschaft lässt er kein gutes Haar, die fast sämtliche Beweisanträge und Entlastungszeugen abgelehnt habe. «Die haben sich zum Ziel gesetzt, uns zu vernichten», glaubt Gloor. Das Motiv laut Gloor: Prestige. Anders könne er sich das nicht erklären. «Das Ganze ist lächerlich.» Der Mitangeklagte Bernhard Madörin bestreitet auf Anfrage alle Anschuldigungen. Er blicke dem Urteil zuversichtlich entgegen.

Der Prozess vor dem Basler Strafgericht dauert voraussichtlich bis am 1. September. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

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