Standhaft und selbstbewusst: VR-Pornos sollen Männer im Bett besser machen
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Standhaft und selbstbewusstVR-Pornos sollen Männer im Bett besser machen

Können Virtual-Reality-Pornos mit Lerneffekt Männer zu besseren Liebhabern machen? Ein Schweizer Sexualtherapeut bezweifelt das.

von
J. Panknin
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Virtual Reality in der Porno-Branche: Mithilfe einer VR-Brille wird der Zuschauer mitten ins Geschehen katapultiert und kann die Rolle des Protagonisten übernehmen. Die Produktionsfirma BaDoinkVR, die sich auf die 360-Grad--Pornos spezialisiert hat, will die Möglichkeiten nun auch für therapeutische Zwecke nutzen.

Virtual Reality in der Porno-Branche: Mithilfe einer VR-Brille wird der Zuschauer mitten ins Geschehen katapultiert und kann die Rolle des Protagonisten übernehmen. Die Produktionsfirma BaDoinkVR, die sich auf die 360-Grad--Pornos spezialisiert hat, will die Möglichkeiten nun auch für therapeutische Zwecke nutzen.

Dorcel.com
Die Idee: In den sogenannten Virtual-Sexology-Filmen führt ein VR-Pornostar wie August Ames (hier im Bild) beim Akt durch eine Reihe von Übungen, beispielsweise Atem- oder Verzögerungstechniken, und soll so als eine Art Sexualtherapeutin fungieren.

Die Idee: In den sogenannten Virtual-Sexology-Filmen führt ein VR-Pornostar wie August Ames (hier im Bild) beim Akt durch eine Reihe von Übungen, beispielsweise Atem- oder Verzögerungstechniken, und soll so als eine Art Sexualtherapeutin fungieren.

BaDoinkVR
Männern mit Erektionsproblemen, Versagensängsten sowie frühzeitigem Ejakulieren beim Intimwerden mit echten Partnern soll damit geholfen werden. Da sich VR-Pornografie echter anfühle als normale Pornos, könnten die Zuschauer Erfahrungen sammeln und dann im realen Leben selbstbewusster auftreten, so die Idee.

Männern mit Erektionsproblemen, Versagensängsten sowie frühzeitigem Ejakulieren beim Intimwerden mit echten Partnern soll damit geholfen werden. Da sich VR-Pornografie echter anfühle als normale Pornos, könnten die Zuschauer Erfahrungen sammeln und dann im realen Leben selbstbewusster auftreten, so die Idee.

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Zu den Auswirkungen von Pornografie auf das Sexleben der Nutzer gibt es zahlreiche Studien: Demnach soll zu viel Pornokonsum unter anderem zu Erektionsproblemen, Versagensängsten sowie frühzeitigem Ejakulieren beim Intimwerden mit echten Partnern führen können.

Die Produktionsfirma BaDoinkVR, die sich auf Virtual-Reality-Pornos spezialisiert hat, widmet sich nun mit speziellen VR-Inhalten diesen Symptomen. Die Idee: In den sogenannten Virtual-Sexology-Filmen führt ein Pornostar beim Akt durch eine Reihe von Übungen, beispielsweise Atem- oder Verzögerungstechniken, und soll so als eine Art Sexualtherapeutin fungieren.

«Das wird nicht funktionieren»

Der Zürcher Sexologe Werner Huwiler hält wenig von der Idee. «Ich gehe nicht davon aus, dass diese Filme eine Verbesserung für Männer bringen werden. Das Problem von Pornografie ist, dass keine eigenen Fantasien entstehen, daran ändert auch die virtuelle Realität nichts. Es fehlt die Wahrnehmung und Verbindung zum eigenen Körper.»

In der Sexualtherapie nehme sich ein Menschen der Probleme eines anderen an und arbeite gemeinsam mit ihm. Dabei achte der Therapeut auf die Körpersprache des Patienten und gehe zudem auf die Fantasien und Gedanken in Verbindung mit dem Körper ein, erklärt der Experte.

Vibrator für den Mann soll helfen

Der Ehe- und Familientherapeut Hernando Chaves hat die Drehbücher für die Virtual-Sexology-Filme mitentwickelt und glaubt an deren Potenzial. Denn Pornografie in der virtuellen Realität fühle sich echter an als am Monitor.

Unterstützt werden soll das Gefühl mit dem dazu entwickelten «Teledildonic». Über den Penis gestülpt, soll das Gerät Bewegungen und Vibrationen passend zum virtuellen Geschehen nachahmen. Erfahrungen damit könnten dem Zuschauer helfen, sich im realen Sexleben geübter und selbstbewusster zu fühlen, sagte Chaves zu «The Guardian».

«Menschen funktionieren nicht so»

Huwiler hält das für eine Illusion. «Wir Menschen funktionieren nicht so. Es hat vieles mit der Körperwahrnehmung zu tun und nicht nur mit dem, was ich betrachte. Egal wie realistisch die Darstellungen sind, es wird nicht funktionieren. Auch nicht verbunden mit Vibratoren oder Ähnlichem.»

Früher hätten Akt-Zeichnungen für Stimulation gesorgt. Mit Pornofilmen sei dann bereits alles sehr viel realer geworden – «Das hat auch keine Verbesserung mit sich gebracht. Sexualität ist ein sehr komplexes Thema», so der Sexologe. «Das heisst aber nicht, dass es als neue Spielart nicht interessant sein kann. Ich glaube einfach nicht an den therapeutischen Effekt.»

So stellt BaDoinkVR die Idee hinter den «Virtual Sexology»-Filmen vor. (Quelle: Youtube / BaDoinkVR)

Cyber-Porno-Brille im Test

Und so reagierten Schweizer Passanten auf ihre erste Cyber-Porno-Erfahrung. (Quelle: 20 Minuten / Michael Fischer)

Die Dreharbeiten für VR-Pornos stellen die Branche vor Herausforderungen. Erst kürzlich plauderte der Chef des Streaming-Portals Pornhub auf Reddit aus dem Nähkästchen.

Für das 360-Grad-Panorama seien ein Haufen spezieller Kameras sowie GoPros nötig. Da meist aus der Perspektive des männlichen Protagonisten gedreht würde, müsse dieser jede Menge Equipment am Körper tragen. Dieses könne leicht zehn Kilo wiegen und habe bereits einige Schwächeanfälle zur Folge gehabt. Weil es auch für die weiblichen Darstellerinnen ungewohnt sei, würden sich diese ausserdem immer wieder den Kopf an den empfindlichen Kameras anschlagen und so das Bild verwackeln.

Auch der CEO von BadoinkVR nannte im «Guardian» ein paar Schwierigkeiten. So dürfte man im Film weder die Hände des Protagonisten sehen noch dessen Stimme hören, weil dies den Zuschauer irritieren würde. Der Darsteller dürfe sich deshalb kaum bewegen und dürfe auch keine Geräusche machen. «Die Zuschauer beschweren sich sonst. Sie sagen dann: Ich stöhne gar nicht! und Das sind nicht meine Hände! - komischerweise stört es sie aber nicht, den Penis des Darstellers zu haben.»

Werner Huwiler ist Sozialarbeiter und ausgebildeter Sexologe. Er führt eine eigene Praxis für Sexualtherapie in Zürich. Ausserdem ist er Geschäftsleiter des Mannebüro Züri, einer Beratungs- und Informationsstelle für Männer.

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