VW baut mit dem Eos den «Traumwagen» fürs Volk
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VW baut mit dem Eos den «Traumwagen» fürs Volk

Cabrio oder Coupé? Kompakt- oder Mittelklasse? Beim VW Eos weiss man nicht genau, was man hat. Doch das hat Volkswagen so gewollt.

Über eine Million Cabriolets hat VW in der Vergangenheit gebaut. Oben ohne gabs etwa die Modelle Käfer und Golf. Ziemlich sexy war der Golf I Cabrio, insbesondere mit einer attraktiven Person am Steuer. Dessen waren sich auch die Macher der ZDF-Erfolgsserie «Die Schwarzwaldklinik» bewusst. Sie liessen Schönling Sascha Hehn als Dr. Udo Brinkmann regelmässig im weissen Golf mit geöffnetem Verdeck vorfahren.

Für die Türen hatte der Frauenschwarm keine Verwendung, er pflegte ins Cabriolet zu springen. Die weiblichen Fans waren entzückt – und viele kauften sich das tolle Gefährt gleich selbst.

Jetzt will Volkswagen an die Cabrio-Erfolge der Achtzigerjahre anknüpfen. Richten soll es der Eos, benannt nach der griechischen Göttin der Morgenröte. «Vernunftautos haben wir schon genug», sagt Designchef Murat Günak, «dies ist unser Traumwagen.» Und nachdem die Premium-Fantasien des VW-Konzerns geplatzt sind, betonen die Markenstrategen: «Wir wollen Träume wieder erschwinglich machen.»

Bei den Testfahrten an der griechischen Riviera blieb das Stahl-Glas-Dach stets versenkt – zum Missfallen der VW-Ingenieure. Denn die hätten gern gesehen, wenn die Journalisten das Verdeck ausgiebig aus- und eingefahren hätten. Auf das erste fünfteilige Auto-Klappdach der Welt ist man stolz: Das hochkomplexe Gebilde aus 470 Einzelteilen öffnet oder schliesst sich auf Knopfdruck innert 25 Sekunden.

Mit dem Eos wollten die VW-Entwickler nicht nur eine Mischform zwischen Cabrio und Coupé bauen, wie es die Franzosen längst vorgemacht haben. Die Wolfsburger wollen auch die Grenzen zwischen den Fahrzeugklassen verwischen. Der VW Eos soll Kompakt- und Mittelklassewagen in einem sein.

Entsprechend sind die Abmessungen – länger als der Golf, kürzer als der Passat – und das Design. Von hinten mutet der Eos sogar wie ein Oberklasse-Cabrio an. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die auffälligen Hecklichter, die wie zwei kleine Sonnen aussehen – huldigt VW so der Göttin der Morgenröte? Von der Seite be-trachtet, fällt dann aber die kurze Schnauze auf, die den Traum von der Oberklasse verfliegen lässt und eher an den Golf erinnert.

Aber eben: Der Eos soll ja erschwinglich sein. Die Einstiegsversion mit dem 1,6-Liter-Benzinmotor (115 PS) ist ab 39 950 Franken zu haben. Die 2-Liter-Benziner gibts für 43 380 Franken (150 PS) beziehungsweise 47 480 Franken (Turbomotor mit 200 PS). Ebenfalls erhältlich ist ein 2-Liter-Diesel mit 140 PS für 45 480 Franken. Die Topversion mit 3,2-Liter-V6 und 250 PS für 54 480 Franken kommt im Herbst – mit dem automatischen Doppelkupplungsgetriebe DSG.

Was VW noch fehlt, ist ein TV-Liebling wie einst Sascha Hehn. Aber vielleicht übernimmt ja ein Kinoheld diese Aufgabe. Angesichts der Partnerschaft von VW mit dem Hollywood-Studio NBC Universal ist das zumindest nicht auszuschliessen.

Bernhard Brechbühl

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