VW: Nach Gewinneinbruch wieder Hoffnung?
Aktualisiert

VW: Nach Gewinneinbruch wieder Hoffnung?

Nach dem schlimmsten Gewinneinbruch seit Jahren macht der Volkswagenkonzern seinen Aktionären wieder Hoffnung auf höhere Erträge.

Das Unternehmen sprach am Mittwoch von einer «mittelfristig wieder positiveren Ertragserwartung». Ehe die Lage besser wird, gibt der Vorstand den Anteilseignern allerdings eine bittere Pille zu schlucken: Die Dividende für 2003 soll um 19 Prozent sinken. Das operative VW-Ergebnis brach 2003 um 62,6 Prozent von 4,76 Milliarden auf 1,78 Milliarden Euro ein, wie der Konzern in Wolfsburg mitteilte. Der Umsatz stieg leicht um 0,2 Prozent auf 87,15 Milliarden Euro. An der Börse gehörte VW am Mittwoch mit einer Kurssteigerung von 1,5 Prozent dennoch zu den Gewinnern.

Die Konzernführung begründet die geplante Dividendenkürzung mit den gesunkenen Gewinnen. Der Vorschlag «berücksichtigt aber auch die mittelfristig wieder positivere Ertragserwartung», wie es hiess. Einzelheiten dazu werde Konzernchef Bernd Pischetsrieder am 9. März mitteilen, sagte ein Sprecher. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass die Nachfrage nach dem neuen Golf innerhalb von zwei Wochen um 86 Prozent auf 650 Bestellungen pro Tag gestiegen war.

Nach VW-Angaben sind in dem Ergebnis 711 Millionen Euro einmalige Belastungen für Restrukturierungen und Sonderabschreibungen enthalten. Dabei geht es vor allem um Brasilien, wo der Konzern 120 Millionen Euro Rückstellungen für den Abbau von 4.000 Jobs gebildet hat, und um Abschreibungen auf die Luxusmodelle Phaeton und Bentley, die sich schlechter verkaufen als gedacht. Die Abschreibungen fielen höher aus als erwartet.

Ohne diese Belastungen läge der operative Gewinn bei 2,49 Milliarden Euro, was einen Einbruch von 47,7 Prozent bedeutete. Bisher hatte der VW-Vorstand erklärt, der operative Gewinn werde die Hälfte des Vorjahreswertes voraussichtlich «nicht ganz» erreichen.

Die Auto-Auslieferungen stiegen 2003 um 0,6 Prozent auf 5,015 Millionen Stück. Die Investitionen fielen um ein Prozent, trotz grosser Modellanläufe wie Golf oder Touran. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 3,7 Prozent auf 336.843, weil zusätzliche Unternehmen und deren Beschäftigte dem Konzern zugerechnet wurden.

Während es im Autogeschäft nicht rund lief, machte die VW-Bank dem Konzern Freude. Der Vorstand sprach von einer «weiterhin positiven Entwicklung». Erst diese Woche hatte die VW-Bank eine lukrative Zusammenarbeit mit dem ADAC unter Dach und Fach gebracht.

Unterdessen formiert sich bei VW nach einem Bericht des «Manager Magazin» Widerstand gegen das von Konzernchef Bernd Pischetsrieder geplante Luxusauto C1. Der Betriebsrat wolle diese Investitionsentscheidung nicht mittragen, schrieb das Blatt. Die Arbeitnehmervertretung wolle erreichen, dass sich VW wieder mehr auf Golf, Polo und Passat konzentriere. Ein VW-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab. (dapd)

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