Aktualisiert 25.03.2016 14:25

Xhakas ChanceWachablösung? Nati testet Ernstfall ohne Inler

Der Machtkampf der Sechser: In Abwesenheit von Gökhan Inler bietet sich Granit Xhaka die Chance, sich die Chefrolle im Mittelfeld zu krallen.

von
E. Tedesco und A. Stäuble
Dublin

Vladimir Petkovic zur möglichen Aufstellung gegen Irland. (Video: 20 Minuten)

Das Testspiel am Karfreitag in Irland (ab 20.45 im Ticker) ist auch ein Ausblick in eine Zukunft ohne Gökhan Inler. Die Nicht-Nomination des Captains ist ein Signal, in welche Stossrichtung es einst im zentralen Mittelfeld – quasi im Herzstück der Nati – ohne den 31-jährigen Leicester-Profi gehen könnte.

«Irgendwann muss er sich entscheiden», hatte Granit Xhaka schon nach dem EM-Qualispiel gegen Litauen im Juni 2015 gesagt. Mit er meinte der Gladbach-Söldner Nati-Coach Vladimir Petkovic. Der Stein des Anstosses: die zentrale Position vor der Abwehr, die bis anhin Gökhan Inler einnahm, aber auch die bevorzugte Position Xhakas ist. Doch mit Inler musste Xhaka bisher leicht vorgezogen am linken Couloir agieren.

Xhaka ist die moderne Sechs

«Ich bin einfach kein Flügelspieler», betont Xhaka seit Jahren. Einen eindrücklichen Beweis lieferte er beim 2:1-Sieg in Litauen ab. Man gewann den Eindruck, als seien zwei Xhakas auf dem Platz gestanden. Ein schwächerer, oft hadernder Flügelspieler in der ersten Halbzeit. Und nach der Auswechslung Inlers zur zweiten Halbzeit ein selbstbewusster Regisseur, der geschickt die Bälle verteilte.

Petkovic hat sich entschieden: gegen Inler. Und es ist davon auszugehen, dass er sich am Freitag in Irland für Xhaka entscheidet. «Die Nationalmannschaft ist nicht abhängig von einem Spieler. Wir müssen immer auf verschiedene Situationen vorbereitet sein», sagt Petkovic zum Machtkampf der beiden Sechser.

Xhaka pflegt einen anderen, schnelleren Spielstil, den man als «moderne vertikale Sechs» beschreiben kann. Anders als der auf Sicherheit bedachte Inler. Durch seine Dynamik kann er die einzelnen Mannschaftsteile perfekt verbinden. «Das will ich auf dem Feld sehen», so Petkovic, «aber mich interessiert der Spielstil der ganzen Mannschaft und nicht eines Einzelnen.»

«Chance, die er sich gewünscht hat»

Die Abwesenheit von Inler sei an der Mannschaft nicht spurlos vorbeigegangen, sagen Timm Klose und Yann Sommer unisono. «Aber es ist vielleicht auch eine Chance für Granit, die, die er sich immer gewünscht hat, um sich in einer Position zu zeigen, die er sich wünscht», sagt Klose. «Es sind zwei völlig andere Spielertypen, und die nächsten Partien werden zeigen, welchen Einfluss das hat. Es kann sich positiv auf die ganze Mannschaft auswirken und dem Trainer noch einmal mehr Möglichkeiten und Flexibilität geben.»

Generell, nicht nur auf die Position von Inler und Xhaka bezogen, stünden die Testspiele gegen Irland und Bosnien-Herzegowina unter dem Zeichen des Sich-aufdrängen-Wollens, sagt der Norwich-Verteidiger. «Es ist eine Gelegenheit für alle, sich zu zeigen. Vor allem auch auf den Positionen, die vor dem aktuellen Zusammenzug noch nicht zu hundert Prozent vergeben waren.»

Diese Castings laufen noch

Das betrifft den Partner in der Innenverteidigung neben Johan Djourou, um den sich Klose selbst, aber auch Fabian Schär – nach dem Trainerwechsel bei Hoffenheim zuletzt wieder zu Spielminuten gekommen – streiten. Gesucht wird in einem Dreier-Mittelfeld auch ein Akteur auf links, wenn Xhaka ins Zentrum rückt. Hier darf sich das Duo Blerim Dzemaili (Genua) und Luca Zuffi (Basel) präsentieren. Sich in eine optimale Ausgangslage bringen kann auch der eine oder andere Offensivspieler. Weder Admir Mehmedi noch Haris Seferovic glänzen bei ihren Clubs mit vielen Toren.

Die Captainfrage

1 (Inler), 2 (Lichtsteiner), 3 (Behrami), 4 (Sommer): die Captain-Hierarchie Vladimir Petkovics. Nach dem Fehlen Inlers hätte Lichtsteiner gegen Irland die Binde tragen sollen, doch der Juve-Söldner trainierte auch im Abschlusstraining individuell und wird - wie Shaqiri - wohl erst am Dienstag gegen Bosnien auflaufen. Also kommt in Dublin die Nummer 3, Behrami, zum Zug. Nur: Behrami fehlte im Abschlusstraining aufgrund einer leichten Erkältung, sollte am Karfreitag aber auflaufen können. Gut, hat Petkovic mit Sommer noch eine Nummer 4, sollte es für Behrami nicht für 90 Minuten reichen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.