Wachstumsprognose für Euro-Zone gesenkt
Aktualisiert

Wachstumsprognose für Euro-Zone gesenkt

Kaum ist der Aufschwung da, schon ist er wieder weg. In der Euro-Zone bremsten im letzten Jahr vor allem Deutschland und Italien das Wachstum auf ein niedriges Tempo ab.

Zudem senkte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für 2005.

Wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte, erhöhte sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) im Währungsraum im letzten Vierteljahr um nur 0,2 Prozent statt wie erwartet um 0,4 Prozent zum Vorquartal. Experten waren enttäuscht.

Von Reuters befragte Analysten hatten erwartet, dass die Konjunkturerholung in der Euro-Zone nach der Verschnaufpause im Sommer wieder etwas an Tempo gewinnt. Sie hatten ein Plus von 0,4 Prozent prognostiziert nach 0,3 Prozent im Vorquartal.

Sorgenkinder

Für eine böse Überraschung sorgten die zwei grossen Euro-Länder Deutschland und Italien: Während Frankreich und Spanien ein kräftiges Wachstum verzeichneten, schrumpften die deutsche und die italienische Wirtschaft zum Jahresende unerwartet.

In Deutschland machte die Flaute in der Binnenwirtschaft den positiven Impuls der Exporte zunichte. Das BIP sank im Vergleich zum Sommer inflationsbereinigt um 0,2 Prozent. Im Sommer legte die Wirtschaft zudem nicht wie zunächst gemeldet um 0,1 Prozent zu, sondern stagnierte. Den BIP-Anstieg für 2004 wurde auf 1,6 von zuvor 1,7 Prozent revidiert.

Ökonomen reagierten geschockt. «Das ist eine wirklich böse Überraschung. Deutschland hat es im vierten Quartal einfach wieder nicht geschafft, etwas aus dem Export und der starken Weltwirtschaft zu machen», sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank.

In Italien, der drittgrössten Volkswirtschaft des Währungsgebietes, sah es noch schlechter aus. Nach einer robusten Wachstumsrate von 0,4 Prozent im zweiten und dritten Vierteljahr 2004 knickte die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal um 0,3 Prozent ein.

«Das ist erschreckend schlecht», sagte Susana Garcia, Analystin von der Deutschen Bank. Das sei sicher keine Basis für eine zügige Erholung in diesem Jahr. Auch Gianluigi Mandruzzato von Banca Intesa sagte, das Wachstumsziel der Regierung von 2,1 Prozent sei nicht zu erreichen. Nach Arbeitstagen bereinigt wuchs die italienische Wirtschaft 2004 um 1,1 Prozent.

Trüber Ausblick

Gleichzeitig mit dem schwachen Jahresende in der Euro-Zone erhält auch die Zuversicht für das laufenden Jahr einen Dämpfer. Die EU-Kommission geht im ersten Quartal für die zwölf Staaten der Währungsunion noch von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,2 bis 0,6 Prozent aus. Dies sind 0,1 Prozentpunkte weniger als bisher.

Nach Einschätzung von Analysten könnte die Konjunktur im Euro- Raum einen vorübergehenden Tiefpunkt erreicht haben und 2005 allmählich wieder Fahrt aufnehmen. Angesichts des starken Euro, teuren Öls und langsameren Weltwirtschaftswachstums werde die Erholung aber weiter nur sehr langsam vorankommen, warnen die Experten.

Die schwache Wirtschaftsentwicklung spricht nach Einschätzung von Experten dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch länger auf dem historischen Tiefstand von 2 Prozent lassen wird.

(sda)

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