Diskussion auf Twitter – «Wähler für dumm verkaufen» – fiktive «Lex Netflix»-Umfrage sorgt für Kritik
Publiziert

Diskussion auf Twitter«Wähler für dumm verkaufen» – fiktive «Lex Netflix»-Umfrage sorgt für Kritik

Ein Projekt der Filmgesetz-Unterstützer wird auf Social Media kritisiert. Ein Post von Jungpolitikerin Camille Lothe hat die Diskussion ausgelöst. 

von
Michelle Ineichen
Shila Ochsner
1 / 4
Die Vorlage sieht vor, dass Streamingdienste wie Netflix oder Amazon einen Teil ihrer Einnahmen, die sie in der Schweiz erzielen, ins einheimische Filmschaffen investieren müssen.

Die Vorlage sieht vor, dass Streamingdienste wie Netflix oder Amazon einen Teil ihrer Einnahmen, die sie in der Schweiz erzielen, ins einheimische Filmschaffen investieren müssen.

20min/Taddeo Cerletti
Bürgerliche Jungparteien sprechen sich gegen «Lex Netflix» aus. Sie befürchten, dass dadurch die Abos deutlich teurer werden.

Bürgerliche Jungparteien sprechen sich gegen «Lex Netflix» aus. Sie befürchten, dass dadurch die Abos deutlich teurer werden.

20min/Taddeo Cerletti
Am 15. Mai stimmt das Volk darüber ab. 

Am 15. Mai stimmt das Volk darüber ab. 

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Am 15. Mai stimmt das Volk über «Lex Netflix» ab. 

  • Im Vorfeld sorgt ein Projekt der Filmgesetz-Unterstützerinnen und -Unterstützer für Kritik. 

Die Statistencastings-Firma Background Action verschickte kürzlich an ihre Statisten und Statistinnen eine Anfrage bezüglich der Teilnahme an einer Strassenumfrage. Das Thema: das Filmgesetz, auch als «Lex Netflix» bekannt, welches am 15. Mai vors Volk kommt. Die Vorlage sieht vor, dass Streamingdienste wie Netflix oder Amazon einen Teil ihrer Einnahmen, die sie in der Schweiz erzielen, ins einheimische Filmschaffen investieren müssen. «Die Schweizer Filmschaffenden wollen ein Zeichen dafür setzen. Background Action unterstützt dieses Projekt und stellt die Statisten», steht in der E-Mail. Das Video werde am Samstag in Zürich gedreht. 

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP Zürich, veröffentlichte am Donnerstag Screenshots der E-Mail auf Twitter. «Eine Freundin, die bei Background Action registriert ist, hat mir die E-Mail weitergeleitet», sagt die Jungpolitikerin gegenüber 20 Minuten. Zwar seien Strassenumfragen im Wahlkampf gang und gebe. Sie verurteile jedoch, dass die Statisten und Statistinnen als normale Passanten und Passantinnen dargestellt werden sollen. «Die fiktive Strassenumfrage ist eine vorsätzliche Täuschung der Bürgerinnen und Bürger. So etwas Unverschämtes habe ich in meiner gesamten politischen Karriere noch nie erlebt», so Lothe.

Auf Twitter löste Lothes Post eine Diskussion aus. So schreibt unter anderem Remo Goethe, Co-Präsident bei den Glarner Jungfreisinnen: «So will man also die Wählerinnen und Wähler für dumm verkaufen.» Bürgerliche Jungparteien sprechen sich gegen «Lex Netflix» aus. Sie befürchten, dass dadurch die Abos deutlich teurer werden. Im Januar haben sie das Referendum ergriffen und rund 70'000 Unterschriften gesammelt.

«Es handelt sich um einen fiktiven Film, der so gekennzeichnet wird»

Salome Horber, Sprecherin des Komitees «Ja zum Filmgesetz», begrüsst es, wenn sich die Filmbranche aktiv für das Filmgesetz engagiert. Die Hintergründe dieser Produktion kenne sie jedoch nicht. «Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass es für uns von Vorteil ist, wenn mehr Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vom Filmgesetz erfahren. Dabei sollen Zuschauende nicht in die Irre geführt werden.» 

Für die von Background Action engagierte Produktionsfirma Plan B sind die gesuchten Statisten und Statistinnen Teil eines von vielen Projekten zum Filmgesetz. «Wir möchten noch nicht zu viel verraten, doch es handelt sich bei der Umfrage um einen fiktiven Film und nicht um einen journalistischen Beitrag», sagt Sprecher Chris Niemeyer. Dieser werde auch als solcher gekennzeichnet, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Film wird auf Youtube und den Social-Media-Plattformen der Firma zu sehen sein. 

Deine Meinung

12 Kommentare