Nachwahlbefragung: Wähler nutzten soziale Medien kaum
Aktualisiert

NachwahlbefragungWähler nutzten soziale Medien kaum

Die Rolle von Facebook und Twitter im Wahlkampf 2011 ist überschätzt worden. Selbst jüngere Wähler haben sich kaum über diese Kanäle informiert.

von
Lukas Mäder

Bei den diesjährigen eidgenössischen Wahlen nutzten die Kandidaten erstmals soziale Medien wie Facebook und Twitter intensiv. Doch die Wirkung dieser neuen Kommunikationskanäle im Wahlkampf ist sehr beschränkt, wie die SRG-Nachwahlbefragung von GFS Bern ergibt. Von den Befragten, die sich in den letzten drei Wochen vor dem Wahlsonntag entschieden hatten, gaben nur gerade 6 Prozent an, Social Media für die Wahlen genutzt zu haben. Intensiv war die Nutzung allerdings nur bei 2 Prozent von ihnen. 4 Prozent gaben lediglich eine Nebenbei-Nutzung an.

Etwas höher liegt die Nutzung von Online-Wahlhilfen wie Smartvote und Vimentis. Bei dieser nicht unumstrittenen Methode können Wähler einen Fragebogen ausfüllen, worauf eine Wahlempfehlung generiert wird. 14 Prozent der Befragten gaben an, diese Wahlhilfen genutzt zu haben - mit 8 Prozent mehrheitlich intensiv. Diese Instrumente haben allerdings noch keine allgemeine Breitenwirkung. So gaben 10 Prozent keine Antwort oder wussten diese nicht - was vergleichsweise hoch ist.

Selbst Plakate deutlich stärker genutzt

Im Vergleich zu konventionellen Medien ist die Nutzung von Facebook, Twitter oder Online-Wahlhilfen verschwindend klein. Noch immer informiert sich eine klare Mehrheit von 76 Prozent über Zeitungsartikel, 68 Prozent über Radio und Fernsehen. Selbst als altmodisch verschrieene Inserate und Plakate werden deutlich stärker beachtet als neue Kommunikationskanäle: 40 Prozent geben an, dies zu nutzen - wobei der Anteil der Nebenbei-Nutzung mit 33 Prozent hoch ist.

In den letzten Wochen und Monaten wurde viel stärker über Soziale Medien und Wahlhilfen diskutiert, als sie tatsächlich genutzt wurden, sagt Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS Bern. «Soziale Medien sind erst als Sprungbrett zu anderen Medien wichtig.» Allerdings hängt die Nutzungsrate von Twitter und Facebook vom Alter ab: Erwartungsgemäss nutzten die 18- bis 39-Jährigen Soziale Medien mit 14 Prozent signifikant stärker als der Durchschnitt.

Persönlicher Kontakt für Schlussmobilisierung

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass bei jüngeren Kandidaten ihr Engagement im Netz durchaus eine Wirkung gezeigt hat. So gab sich SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, die auf Facebook und Twitter sehr aktiv ist, im Interview überzeugt, dank Social Media ihr Glanzresultat des ersten Platzes auf der SVP-Liste errungen zu haben. Dass der Dialog übers Internet mit den eigenen Wählern nützt, hat zudem vor einigen Wochen eine Studie über die Berner Grossratswahlen belegt. Auch Golder sieht Vorteile von Sozialen Medien in der Schlussmobilisierung: «Mit Facebook und Twitter können die Kandidaten potentielle Wähler persönlich angehen.»

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