Aktualisiert 23.02.2011 00:06

Erdbeben in Neuseeland«Während ich schreibe, bebt die Erde»

Beim verheerenden Beben in Christchurch kamen 75 Menschen ums Leben. Leser-Reporter Philippe Mösch blieb unverletzt – dank eines aufmerksamen Lehrers.

von
Amir Mustedanagic

Wo er die Nacht verbringen wird, weiss Philippe Mösch noch nicht. Das Haus seiner Gastfamilie in Christchurch ist vom Erdbeben beschädigt worden. «Es ist angesichts der Nachbeben nicht mehr sicher.» Der Leser-Reporter ist für einen Sprachaufenthalt in Neuseeland und hat das verheerende Erdbeben in der zweitgrössten Stadtdes Landes live miterlebt. Während er die Fragen von 20 Minuten Online per E-Mail beantwortet, bebt die Erde weiter. «Alleine während ich dieses Mail schrieb, gab es drei Nachbeben», schreibt Mösch. Seit dem Beben von Dienstagmittag hat der Leser-Reporter insgesamt 15 Nachbeben gezählt.

Im Gegensatz zu den 75 Toten und einer Vielzahl von Verletzten hatte Mösch Glück im Unglück – er blieb unverletzt. Er sass gerade in der Sprachschule, als das Beben der Stärke 6,3 begann. Über 70 Beben hat Mösch erlebt, seit er im Januar im Osten von Neuseeland angekommen ist. «Aber dieses hat alles in den Schatten gestellt», sagt der 25-Jährige. Stühle und Tische sind umgestürzt, Lampen fielen von der Decke. «Es war so heftig, dass man sich nicht auf den Füssen halten konnte», so der Aargauer weiter. Nur dank ihres aufmerksamen Lehrers entkamen die Schüler unverletzt. «Er schrie, wir sollten uns unter den Tischen verkriechen und sie festhalten.»

Erdbeben in Neuseeland

Angst kehrt mit jedem Nachbeben zurück

Über eine Minute bebte die Erde und erschütterte das Gebäude. Obwohl das Schulhaus erst im September erdbebensicher gebaut wurde, rissen die Wände. «Ich hatte Angst und war in Panik», sagt Mösch. Als das heftige Beben vorbei ist, retten sich die Schüler auf die Strasse. «Wir standen – wie wir das gelernt haben – in die Mitte der Strasse, damit wir nicht unter umstürzende Gebäude geraten.» Was Mösch und seine Schulkollegen auf der Strasse sehen, ist eine Spur der Verwüstung. «Der Turm der Kathedrale war weg und eine unglaubliche Zahl von Häusern demoliert.» Die Ruhe hält allerdings nicht lange an, nur zehn Minuten später bebt die Erde erneut heftig. «Es zerstörte noch mehr von der Kathedrale und die Gebäude stürzten weiter ein.»

Inzwischen hat Mösch mit seinen Schulkollegen das Stadtzentrum verlassen und sich beim Lehrer einquartiert. «Er wohnt in der Nähe des Flughafens. Hier sind die Nachbeben nicht so stark.» Das ungute Gefühl und die Angst kehren aber mit jedem Nachbeben zurück – egal wie schwach es ist, wie Mösch in seinem E-Mail schreibt: «Das verheerende Beben begann auch ganz sanft und endete mit einer Spur der Zerstörung.»

Das Erdbeben der Stärke 6,3 hat in der zweitgrössten neuseeländischen Stadt Christchurch am Dienstag mindestens 75 Menschen das Leben gekostet:

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