WM 2022: Zdravko Kuzmanovic über offene Rechnungen vor Nati-Endspiel

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Zdravko Kuzmanovic «Wäre ich noch Spieler bei Serbien, würde ich Xhaka oder Shaqiri umhauen»

Zdravko Kuzmanovic ist schweizerisch-serbischer Doppelbürger und spricht bei 20 Minuten über das Serbien-Spiel der Nati. Der Ex-Profi warnt, dass die Schweizer auf «alles gefasst sein müssen.»

von
Florian Gnägi
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Zdravko Kuzmanovic wusste es schon früh: Das entscheidende Spiel der Nati an der WM wird das gegen Serbien sein.

Zdravko Kuzmanovic wusste es schon früh: Das entscheidende Spiel der Nati an der WM wird das gegen Serbien sein.

Toto Marti/Blick/freshfocus
Der 35-jährige Ex-Profi absolvierte für Serbien 51 Länderspiele.

Der 35-jährige Ex-Profi absolvierte für Serbien 51 Länderspiele.

imago sportfotodienst
2006 trug Kuzmanovic (4.v.r.) noch das Trikot der Schweiz bei der U-21-Nati.

2006 trug Kuzmanovic (4.v.r.) noch das Trikot der Schweiz bei der U-21-Nati.

freshfocus

Darum gehts

  • Zdravko Kuzmanovic ist in Thun geboren und spielte 51 Länderspiele für Serbien.

  • Nun spricht der Ex-Profi bei 20 Minuten über das finale Gruppenspiel der Nati an der WM.

  • Der 35-Jährige glaubt, dass Schweiz-Serbien wieder hochemotional sein wird.

Zdravko Kuzmanovic, wie wird das WM-Spiel Serbien – Schweiz in Serbien thematisiert?

In Serbien geht man davon aus, dass man in dieser Gruppe weiterkommt. Wir haben schliesslich eine gute Mannschaft.

Sie haben zuletzt Nemanja Matic in Rom besucht. Was war seine Meinung zum brisanten Spiel?

Er denkt auch, dass wir eine starke Mannschaft haben mit Spielern, die den Unterschied ausmachen können. Wir haben über die WM geredet und sind uns beide einig, dass wir dieses Mal eine grosse Chance haben, weiterzukommen.  

«Die Doppeladler-Gesten von Xhaka und Shaqiri waren eine Schande, einfach himmeltraurig»

Ist das Thema Doppeladler in Serbien noch präsent? 

Die Doppeladler-Gesten waren eine Schande, einfach himmeltraurig. Sportliches und Politik muss man trennen, das haben die Jungs nicht gemacht. Wäre ich an dieser WM noch Spieler bei Serbien, würde ich Xhaka oder Shaqiri umhauen.

Was wird uns beim Spiel Schweiz – Serbien erwarten?  

Ich sage ihnen ehrlich – die Schweizer müssen auf alles gefasst sein. Wenn Serbien nichts mehr zu verlieren hat, weiss ich nicht, ob die Knochen halten werden. 2018 gingen die Provokationen zu 100 Prozent zuerst von den Schweizern aus. Die Doppeladler-Gesten kamen nicht aus den Emotionen heraus, das war alles genau so geplant. Die Geschehnisse in Russland kann man nicht vergessen. Wenn du provozierst, musst du auch gefasst darauf sein, dass es auf dem Spielfeld mal scheppert. Ein schönes Sprichwort: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Das heisst, Sie befürchten, dass die Serben überhart zur Sache gehen könnten beim Schweiz-Spiel?  

Das würde ich nicht ausschliessen. Wenn ich noch Spieler wäre, wäre das sicher so. Ich hoffe, dass es ruhig bleibt, aber bei Serbien werden so oder so alle Spieler richtig geladen sein. Das wird unglaublich emotional und einfach ein geiles Spiel. Ich glaube nicht, dass die Jungs, die 2018 dabei waren, das einfach auf die kalte Schulter nehmen. Da blieb was hängen.

Gewinnt die Schweiz gegen Serbien?

Wieso wechselten Sie eigentlich als Schweizer U-Nationalspieler zur serbischen Nationalelf? Was gab dafür den Ausschlag?  

Ich habe auf mein Herz gehört und wollte für mein Heimatland spielen. Von Serbien habe ich die grössere Wertschätzung bekommen. Die wollten mich unbedingt. Am Ende war es der richtige Entscheid. Leider habe ich in meiner Karriere nie gegen die Schweiz gespielt, das wäre sicher emotional gewesen.

«Novak Djokovic ist einfach ein lässiger und geiler Typ»

Lernten Sie als serbischer Ex-Nationalspieler Tennis-Star Novak Djokovic mal kennen?  

Ja, ich lernte ihn einmal in London kennen. Als wir ein Testspiel gegen Südkorea hatten, kam er zu uns und setzte sich auf die Bank. Er ist einfach ein lässiger und geiler Typ. An der WM wird er die Spiele natürlich auch schauen und Serbien anfeuern.

Wie erklären Sie sich, dass Djokovic vielerorts, auch in der Schweiz, kritisch gesehen wird?

Weil er der Beste der Welt ist. Das ist normal. Jeder, der die Nummer eins ist, wird gehasst. Cristiano Ronaldo wollen alle stürzen, bei Lionel Messi ist es das Gleiche. Djokovic spielt noch ein paar Jahre und wird dann wahrscheinlich den Rekord mit den meisten Grand-Slams holen.

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