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Wäschereien am Abgrund«Wäre schön, würde Herr Berset auch an die Textilpfleger denken»

Jetzt fordern auch die Wäschereien Unterstützungsgelder vom Bund. Ein ehemaliger Wäschereibesitzer ist froh, dass er bereits Konkurs angemeldet hat.

von
Daniel Waldmeier
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Markus Herrmann meldete mit seiner Wäscherei Konkurs an. Seine Firma war von Gastronomie und Hotellerie abhängig – mit der Pandemie brach der Umsatz weg. 

Markus Herrmann meldete mit seiner Wäscherei Konkurs an. Seine Firma war von Gastronomie und Hotellerie abhängig – mit der Pandemie brach der Umsatz weg.

Screenshot SRF
In einem offenen Brief fordert die Textilpflegebranche den Bundesrat auf, auch diese zu unterstützen.

In einem offenen Brief fordert die Textilpflegebranche den Bundesrat auf, auch diese zu unterstützen.

www.d-v-c.net / Stefan Wendt
Melanie Saner, Geschäftsführerin des Verbandes Textilpflege Schweiz VTS, sagt: «Durch leere Hotels und die Schliessung von Restaurants entfällt ein grosser Teil des Umsatzes für Wäschereien.»

Melanie Saner, Geschäftsführerin des Verbandes Textilpflege Schweiz VTS, sagt: «Durch leere Hotels und die Schliessung von Restaurants entfällt ein grosser Teil des Umsatzes für Wäschereien.»

Darum gehts

  • Viele Reinigungen und Wäschereien könnten das nächste halbe Jahr nicht überleben, warnt der Branchenverband.

  • Er hofft auf zusätzliche Corona-Hilfe vom Bund.

  • Insbesondere das Homeoffice, der Beizen-Lockdown und die Krise der Stadthotels vermiesen den Wäschereien das Geschäft.

Die Textilpflegebranche fühlt sich vergessen: «Es wäre schön, würde Herr Berset neben der Gastronomie und den Kulturschaffenden auch mal an die Textilpfleger denken», sagt Melanie Saner, Geschäftsführerin des Verbandes Textilpflege Schweiz VTS. Dieser fordert in einem offenen Brief, dass auch Branchen, die indirekt von den Corona-Massnahmen betroffen sind, zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalten.

«Fast niemand bringt mehr Kleider in die Textilreinigung», sagt Saner. «Durch leere Hotels und die Schliessung von Restaurants entfällt ein grosser Teil des Umsatzes für Wäschereien.» Der Lockdown sei für die meisten Betriebe ein riesiges Problem. Laut einer Mitglieder-Umfrage des Verbandes haben von 47 Firmen 52 Prozent angegeben, die nächsten sechs Monate ohne Hilfe nicht überleben zu können. «Stabil sind nur jene Betriebe, die Wäsche von Spitälern, Altersheimen oder Arztpraxen waschen.»

Doch wegen des Homeoffice fehlten die Anzüge und Hemden, wegen dem Veranstaltungsverbot fehlen Tischdecken, Servietten und Festkleidung. . Auch Wäsche von Events wie Hochzeiten falle kaum mehr an. Darum sehe man sich gezwungen, einen Hilferuf abzusetzen.

2700 Franken statt 85’000 Franken Umsatz

Bereits Konkurs hat Markus Herrmann (67) anmelden müssen, der in Zürich eine Wäscherei mit zuletzt sieben Mitarbeitenden in Zürich betrieb. «Ich habe keine Chance mehr gesehen. Wir waren zu 95 Prozent von Hotellerie und Gastronomie abhängig. Machten wir normalerweise 85’000 Franken Umsatz im Monat, waren es im April noch 2700 Franken.» Auch im Sommer habe es nur eine leichte Erholung gegeben. Im Oktober sei in seiner Firma das letzte Mal gebügelt worden. Zwei Mitarbeiter konnte er einem Konkurrenzen vermitteln, fünf seien am Stempeln.

«Im März wollte ich die Firma verkaufen. Die Verträge standen bereits. Doch dann kam der Lockdown», sagt der ehemalige Wäschereibesitzer. Er habe eine halbe Million Franken verloren. Hätte er weitergemacht, hätte er noch viel mehr verloren und wäre komplett kaputt gegangen, sagt er: «Der Corona-Kredit führt nur zu einer weiteren Verschuldung. Während anderswo 80 Prozent des Umsatzes übernommen werden, passiert in der Schweiz gar nichts.»

Er rechne darum mit einem Massensterben in der Branche. «Mein Unterhaltsfachmann erzählte mir, dass er derzeit gar keine Aufträge mehr habe. Das heisst, dass die Wäschereien nicht einmal mehr ihre Maschinen warten.»

«Krise ist auch eine Chance»

Patrick Meier beschäftigt mit seiner Firma Texpress 90 Mitarbeitern an 14 Standorten. Er sagt, er habe die Kosten runtergefahren und Investitionen aufgeschoben, aber bislang keine Leute entlassen müssen. «Die Einbussen sind brutal. In der Region Zug etwa fehlen uns wegen des Homeoffice viele Hemden.» Im Videocall verzichte man eher mal aufs Hemd oder ziehe es mehrmals an.

Daneben fehle auch Wäsche aus den Luzerner Nobelhotels oder der Gastronomie: «Ein Orchester, das in einem Hotel übernachtet und die Garderobe waschen lässt - solche Spezialaufträge fehlen uns.»
Meier sagt, dank der Kurzarbeitsentschädigung komme er durch. Die lange Kurzarbeit habe aber dazu geführt, dass Mitarbeiter gekündigt hätten, weil sie nicht mehr zuhause sitzen wollten. «Wir haben auch Know-How verloren.»

Verständlich findet es Meier, dass sich die Branche mit dem offenen Brief Gehör verschaffen möchte: «Wir haben anders als die Bauern oder andere Branchen keine Lobby.» Die Krise sei aber auch eine Chance. «Wir holen jetzt Wäsche bei Privaten zuhause ab. Den Termin kann man bequem online vereinbaren.»

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