Strafverfahren in Deutschland: Waffen aus der Schweiz für Erdogans «Schläger»
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Strafverfahren in DeutschlandWaffen aus der Schweiz für Erdogans «Schläger»

Der Schweiz kommt bei der Organisation der Erdogan-Unterstützer Osmanen Germania in punkto Geld und Waffen eine ganz besondere Bedeutung zu. Die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt.

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rab
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Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution und dazu noch politische Verbindungen in die Türkei: Die deutsche Polizei hat die Rockergruppe Osmanen Germania schon lange im Visier.

Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution und dazu noch politische Verbindungen in die Türkei: Die deutsche Polizei hat die Rockergruppe Osmanen Germania schon lange im Visier.

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Die Organisation hat aber auch Verbindungen in die Schweiz: Ein Mitglied aus Deutschland soll drei Mitgliedern aus der Schweiz 2016 bei einem Treffen in Frankfurt am Main insgesamt drei Pistolen übergeben haben.

Die Organisation hat aber auch Verbindungen in die Schweiz: Ein Mitglied aus Deutschland soll drei Mitgliedern aus der Schweiz 2016 bei einem Treffen in Frankfurt am Main insgesamt drei Pistolen übergeben haben.

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Im gleichen Jahr soll in der aargauer Gemeinde Koblenz der Mitarbeiter einer deutschen Sicherheitsfirma eine Maschinenpistole, drei Magazine und die dazugehörige Munition an zwei Osmanen übergeben haben.

Im gleichen Jahr soll in der aargauer Gemeinde Koblenz der Mitarbeiter einer deutschen Sicherheitsfirma eine Maschinenpistole, drei Magazine und die dazugehörige Munition an zwei Osmanen übergeben haben.

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Die Gruppierung Osmanen Germania gilt bei den deutschen Behörden als «Schlägertrupp» und bewaffneter Arm des türkischen Staatschefs Recep Erdogan. Zu ihr zählen Mitglieder aus halb Europa – auch aus der Schweiz.

«Weil von dem Verein eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit ausgeht», hat das deutsche Innenministerium – im Gegensatz zur Schweiz – die Gruppierung, die sich selbst als Boxclub bezeichnet, im vergangenen Jahr verboten und ihnen jede Tätigkeit untersagt.

Gemäss vertraulichen Akten einer deutschen Ermittlungsbehörde, die nebst einigen deutschen Medien auch der «NZZ am Sonntag» vorliegen, komme aber gerade der Schweiz bei der logistischen Organisation der Gruppierung in punkto Geld und Waffen eine ganz besondere Bedeutung zu.

Wie die «NZZ am Sonntag» (Artikel kostenpflichtig) schreibt, ermittelt das Landgericht Darmstadt in zwei Fällen gegen Schweizer Mitglieder. Zum einen hat es im letzten April einen Dietzenbacher Osmanen wegen verschiedener Delikte zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt. Ebenfalls im Urteil steht, dass gegen drei Mitglieder aus dem Thurgau und der Region Basel Strafverfahren laufen, wie Recherchen der Zeitung ergeben haben. Das bereits verurteilte Mitglied soll den drei Mitgliedern aus der Schweiz 2016 bei einem Treffen in Frankfurt am Main insgesamt drei Pistolen übergeben haben.

3 Maschinenpistolen und 3 Magazine samt Muntion

Im gleichen Jahr soll in der aargauer Gemeinde Koblenz der Mitarbeiter einer deutschen Sicherheitsfirma eine Maschinenpistole, drei Magazine und die dazugehörige Munition an zwei Osmanen übergeben haben. Noch am selben Tag seien die beiden in ihrem Auto, in denen die Waffen gelagert waren, in eine Polizeikontrolle geraten – zehn Kilometer vor Dietzenbach.

Mehmet Bagci, der ehemalige und mittlerweile verhaftete Welt-Präsident der Gruppe, soll die Übergabe am Vortag in der Schweiz in Auftrag gegeben haben. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt auch in diesem Fall.

Osmanen flüchten in die Schweiz

Mehrere Osmanen sind laut «NZZ am Sonntag» nach dem immer grösser werdenden Druck der deutschen Justiz sowie dem landesweiten Verbot entweder in die Türkei geflüchtet oder in die Schweiz gezogen. Ein Sprecher des Bundesamts für Polizei (Fedpol) bestätigte der Zeitung: «In der Schweiz wurden wiederholt deutsche oder aus Deutschland stammende Mitglieder der Osmanen Germania festgestellt».

In Deutschland ermittelt derweil nicht nur die Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen die Osmanen Germania. Auch andere Behörden haben die Gruppierung im Visier. Die Liste der Delikte ist lang: Versuchter Mord, versuchter Totschlag, Zwangsprostitution, Zuhälterei, Verstösse gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. Gemäss der «NZZ am Sonntag» haben die Ermittler in der Schweiz bisher jedoch keine grösseren Strafverfahren eröffnet.

Schweizweit verzeichneten die «Osmanen Germania Switzerland» vor zwei Jahren bereits etwa 200 Mitglieder. «Tendenz steigend», sagte damals ein Mitglied gegenüber «20Minuten».

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