Studie: Waffenbesitz erhöht Suizidgefahr
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StudieWaffenbesitz erhöht Suizidgefahr

Sind Schusswaffen im Haus vorhanden, werden diese auch häufig für Selbstmorde benutzt. Vor allem die Zentralschweiz ist betroffen.

Überdurchschnittlich viele Suizide mit einem Gewehr oder einer Pistole werden in den Kantonen der Zentralschweiz, Basellandschaft und Bern verübt.

Dies geht aus einer Studie der Universität Zürich hervor. Der Zusammenhang von Schusswaffenbesitz und Suiziden mit Schusswaffen in den Kantonen der Schweiz sei erstmals untersucht worden, teilte die Universität vom Mittwoch mit.

Wie der Vergleich der Forscher um Vladeta Ajdacic-Gross von der Psychiatrischen Universitätsklinik zeigt, bringen sich in den Kantonen Uri, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Glarus, Aargau, Bern und Basellandschaft überdurchschnittlich viele Menschen mit einer Schusswaffe um.

In diesen Kantonen sei in vielen Haushalten eine Schusswaffe vorhanden, heisst es weiter. In den Kantonen Basellandschaft, Uri, Nidwalden und Obwalden beispielsweise in über 45 Prozent der Haushalte.

Weniger Waffen - unter 25 Prozent - gibt es in den Haushalten der städtischen Kantone Basel-Stadt und Genf sowie der Kantone Waadt und Neuenburg. Dementsprechend gering ist dort der Anteil der Schusswaffen-Suizide. Insgesamt wurden in der Schweiz zwischen 1998 und 2007 13 410 Selbstmorde begangen, davon 3169 mit einer Schusswaffe.

Vor allem Männer

Wie Ajdacic-Gross erklärt, werden Pistolen oder Gewehre besonders häufig bei impulsiven Suiziden oder Suiziden unter Alkoholeinfluss verwendet. «Eine Waffe ermöglicht es, den Handlungsimpuls schnell umzusetzen», wird der Forscher in der Mitteilung zitiert.

Kurzschlusssuizide nach Schicksalsschlägen und akuten Krisen seien besonders stark von der unmittelbaren Verfügbarkeit eines schnellen und tödlichen Mittels wie eben einer Schusswaffe abhängig. Gelegenheit mache offensichtlich nicht nur Diebe, sondern auch Selbstmörder, so Ajdacic-Gross.

Vor allem Männer greifen zur Waffe (32,6 Prozent der Suizide) währenddem bei den Frauen nur 3,4 Prozent der Suizide mit einer Waffe verübt wurden.

Bis zu 100 Suizide verhindern

Mit geeigneten Massnahmen könnten in der Schweiz - vorsichtig geschätzt - jährlich bis zu 100 Suizide verhindert werden, heisst es in der Studie. Auch Organisationen wie die Armee, Polizeikorps, Schützen- und Jägerverbände sollten Präventionsmassnahmen zum Selbstschutz ihrer Mitglieder treffen.

In der Schweiz sank der Anteil der Suizide mit Schusswaffen zwischen 1998 und 2007 von 30 auf 19 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil der Haushalte mit Schusswaffen von 38 auf 28 Prozent zurück. Laut einer australischen Studie verüben Schusswaffenbesitzer aber nicht nur häufiger Suizid mit einer Schusswaffe, sondern haben eine generell höhere Suizidrate als Nichtwaffenbesitzer.

Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt»

Die Studie unterscheidet nicht zwischen Privat- und Armeewaffen, wie es bei der Universität auf Anfrage hiess. Zu Waffen muss sich das Schweizer Volk voraussichtlich im Februar 2011 an der Urne äussern. Dann dürfte die Abstimmung über die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» stattfinden.

Die Initiative wurde im Februar 2009 mit 107 000 Unterschriften eingereicht. Hinter dem Begehren stehen SP, Grüne, mehrere Jungparteien, Gewerkschaften, GSoA, Friedensorganisationen, Frauenverbände, Kirchen sowie die Ärzte-Vereinigung FMH.

Die Volksinitiative verlangt gemäss Homepage unter anderem, die Militärwaffe aus dem Kleiderschrank zu entfernen. Wer Waffen besitzen, tragen und gebrauchen will, muss dafür den Bedarf nachweisen und die erforderlichen Fähigkeiten mitbringen. Die Volksabstimmung könnte am 13. Februar 2011 stattfinden.

Der Nationalrat lehnte die Initiative im Juni mit 103:66 Stimmen bei sechs Enthaltungen ab. In der Herbstsession dürfte sich der Ständerat damit befassen. (sda)

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