Nach Ausraster: Waffenkritiker trifft Ballermann
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Nach AusrasterWaffenkritiker trifft Ballermann

CNN-Moderator Piers Morgan hat jenen Mann interviewt, der ihn aus den USA ausschaffen lassen will. Dabei erhielt der Brite tiefen Einblick in das Weltbild von Amerikas rechtem Rand.

von
pbl

Er ist das liebste Feindbild von Amerikas Waffenfreaks: CNN-Moderator Piers Morgan hatte am Abend des Massakers in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown in seiner Talkshow Vertreter der Waffenlobby angebrüllt. Diese hatten behauptet, mehr Waffen würden grössere Sicherheit bedeuten. Seither hat sich Morgan wiederholt für schärfere Waffengesetze ausgesprochen. Worauf die Waffenfreunde auf der Website des Weissen Hauses eine Petition lancierten, welche die Ausschaffung des britischen Staatsbürgers aus den USA fordert. Das Begehren wurde bis heute von mehr als 100'000 Personen unterzeichnet.

Angriff ist die beste Verteidigung, sagte sich Piers Morgan und lud einen der Initianten der Petition in seine Sendung ein: Alex Jones, texanischer Radiomoderator und Lautsprecher jener rechten Subkultur, die Amerikas (Waffen-)Freiheit durch Verschwörungen aller Art bedroht sieht. Die Diskussion dürfte «lebhaft» werden, hatte Morgan bereits im Vorfeld auf Twitter gemutmasst. Und tatsächlich: Jones brauchte am Montag nur Sekunden, um in seine Verschwörungswelt einzutauchen: Die russische Regierung, die chinesische Regierung, die Megabanken – «sie wollen uns die Waffen wegnehmen».

Die Schweiz als Vorbild

Es sei ihnen überall gelungen, «ausser in der Schweiz und beim amerikanischen Volk», echauffierte sich Jones. Das in der US-Verfassung garantierte Recht, Waffen zu tragen, sei «sakrosankt». Es diene nicht zur Entenjagd, sondern dazu, «uns vor tyrannischen Regierungen und Strassenräubern zu schützen». Die Massenvergewaltigung in Indien ist für den Texaner ein Beleg, dass mehr Waffen nötig sind. Hitler, Stalin, Mao, Fidel Castro, Hugo Chávez hätten die Menschen entwaffnet. Falls man den Amerikanern die Feuerwaffen wegnehme, werde «1776 von vorne beginnen», so die düstere Warnung von Alex Jones.

Eine neue amerikanische Revolution kündigte der 38-Jährige also an, dessen Radioshow nach eigenen Angaben von 140 Sendern ausgestrahlt wird. Seine Thesen sind Ausdruck eines Weltbilds, das am rechten Rand Amerikas weit verbreitet und gegen Vernunft immun ist. Als Piers Morgan seinen Gast mit der Tatsache konfrontierte, dass 2012 in den USA mehr als 11'000 Menschen durch Schiessereien getötet wurden und in Grossbritannien nur 35, meinte der zunehmend erhitzte Alex Jones, das Vereinigte Königreich sei «ein totaler Polizeistaat». Man habe den Leuten die Waffen weggenommen, dafür gebe es in England «Horden von Menschen», die täglich «Städte niederbrennen und alten Damen das Hirn rausprügeln».

Er besitzt mehr als 50 Waffen

Piers Morgan sei ein «Frontkämpfer» in Diensten dieser Neuen Weltordnung, deswegen die Petition für seine Ausschaffung, pöbelte Jones weiter. Er forderte den Briten zu einem Boxkampf heraus, worauf dieser nicht einging. Zu guter – oder schlechter – Letzt gab der Radiomann, der nach eigenen Angaben «mehr als 50 Feuerwaffen» besitzt, einige Müsterchen aus seinem Verschwörungsrepertoire preis: Prozac und andere Antidepressiva seien «Massenselbstmord-Pillen». Und hinter den Terroranschlägen vom 11. September 2001 steckten «kriminelle Elemente des militärisch-industriellen Komplexes».

Alex Jones sei «die perfekte Verkörperung des Problems», meinte Piers Morgan später zum bizarren Auftritt seines Gasts. «Man hört ihn reden und sagt sich: ‹Dieser Mann darf keine Waffe besitzen›», pflichtete ihm der Anwalt und Harvard-Professor Alan Dershowitz bei, der in der Sendung zu Jones' Tiraden Stellung nahm. Am Montag äusserte sich zudem das Weisse Haus erstmals zur Ausschaffungs-Petition: Es kündigte eine Antwort an und erinnerte daran, dass «die Meinungsfreiheit ein Grundprinzip unserer Demokratie ist».

Teil 2 des Interviews:

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